Münchner trauen sich...romantisch

MÜNCHEN

Bei diesem Ambiente bekommt selbst Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle nochmal Lust aufs Heiraten: „Meine Frau und ich wurden damals im Standesamt in der Mandlstraße getraut, aber wenn ich jetzt nochmal die Wahl hätte, würde ich hier heiraten.“ Der kleine Sitzungssaal im Rathaus, wo sich schon Prominenz wie Prinz Phillip, die Königin von Lesotho oder Michael Jackson ins Goldene Buch der Stadt eintrug, ist einer der beiden neuen Standorte, die das Kreisverwaltungsreferat für Trauungen in München bereitstellt. Der Grund für das erweiterte Angebot? Die anspruchsvollen heiratswilligen Münchner... „Immer mehr Bürger meldeten zwar ihre Eheschließung an, wollten jedoch nicht in München getraut werden“, erklärt Blume-Beyerle. Bei einer Befragung nach den Ursachen fanden 37 Prozent der Münchner die Räumlichkeiten zu nüchtern, wollten etwas Romantischeres, etwas Originelleres. „Die Erwartungshaltung gegenüber standesamtlichen Trauungen wurde in den letzten Jahren immer höher, da immer mehr Verlobte, zum Beispiel geschiedene und konfessionslose, nicht mehr die Möglichkeit haben, auch noch kirchlich zu heiraten“, meint der KVR-Chef. Um die Münchner in der Stadt zu halten, lässt sich das Referat ab sofort Neues einfallen. Nachdem man jetzt den Münchnern an jeweils vier Nachmittagen im Jahr – für eine zusätzliche Gebühr von 350 Euro – den kleinen Sitzungssaal des Rathauses und den Johannissaal im Schloss Nymphenburg zur Verfügung stellen kann, plant das KVR weiter: „Nachdem die Termine für dieses Jahr so schnell weg waren, wollen wir das Angebot im nächsten Jahr erweitern“, so Blume-Beyerle. „Ich könnte mir auch die BMW-Welt oder das Verkehrszentrum als neuen Ort für eine standesamtliche Trauung vorstellen.“ Bei solchen Möglichkeiten stoppt München 2009 vielleicht den Trauungsrückgang: 2008 wurden 4452 Paare standesamtlich getraut – 2007 waren es noch 4531. Maren Heußler ...und rosa: Erste homosexuelle Hochzeit mit Standesbeamten Ude Nicht nur an neue Räumlichkeiten haben sich die 51 Standesbeamten der Stadt München zu gewöhnen – ab dem 1. August werden sie auch erstmalig homosexuelle Paare vermählen. Bislang waren in Bayern Notare für die gleichgeschlechtlichen „Verpartnerungen“ zuständig. Eine neue Herausforderung für die Standesbeamten. „Sie wollen besonders sensibel sein und den Umgang mit lesbischen und schwulen Paaren lernen“, erzählt Christopher Habl, Sprecher des KVR. Deshalb schickt das Referat die Beamten zu einem eintägigen Workshop „Grundwissen Gleichgeschlechtliche Lebensweisen“. Die Lesbenberatungsstelle LeTRa und das Schwulenzentrum Sub vermitteln ihnen diese Grundkenntnisse: „Es besteht großer Beratungsbedarf. Viele wissen nicht einmal, ob sie die Worte ‚lesbisch‘ oder ‚schwul‘ gebrauchen dürfen“, so Sascha Hübner (Foto) vom Sub. „Es ist halt eine neue Aufgabe, etwas Besonderes, und wir wollen optimal vorbereitet sein“, betont Christopher Habl. Keine Schulung braucht der oberste Standesbeamte der Stadt, Oberbürgermeister Christian Ude, der sich schon auf seine erste Trauung freut: „Den Termin werde ich mir nicht nehmen lassen, ich habe so lange dafür gekämpft, dass das möglich wird.“ Noch steht kein Datum fest, aber wenn das erste gleichgeschlechtliche Pärchen getraut werden soll, steht der Oberbürgermeister bereit: „Wenn die beiden wollen, auch gerne im kleinen Sitzungssaal des Rathauses.“ heu Die schönsten Plätze zum Ja-Sagen Heiraten kann so schön sein – dementsprechende Kulissen bietet das Kreisverwaltungsreferat neben seinen Trausälen in der Ruppertstraße und dem kleinen Sitzungssaal des Rathauses:

Auch interessant:

Meistgelesen

München: Verkehrsunfall auf Grünwalder Brücke – Pkw gerät auf Gegenspur
München: Verkehrsunfall auf Grünwalder Brücke – Pkw gerät auf Gegenspur
Kicken über den Dächern: Sportplatz auf dem Bellevue di Monaco eröffnet
Kicken über den Dächern: Sportplatz auf dem Bellevue di Monaco eröffnet
Ein Stück Kamin zum Mitnehmen: Münchner können Bauteile des Heizkraftwerk-Turms erwerben
Ein Stück Kamin zum Mitnehmen: Münchner können Bauteile des Heizkraftwerk-Turms erwerben
Correo-Quartier: Entwurf mit integrierter Tartanbahn vorgestellt
Correo-Quartier: Entwurf mit integrierter Tartanbahn vorgestellt

Kommentare