Zwischen Bangen und Hoffen

Wird die Flößerei bald Weltkulturerbe? Münchner Flößer stellen Antrag - Saison 2021 fällt wohl ins Wasser

Flößer auf der Isar
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Flößer haben eine lange Tradition. Früher brachten sie Waren über die Isar nach München.

Die Flößerei befindet sich auf dem Weg zum Kulturerbe. Jedoch muss die Saison 2021 wohl wieder ausfallen. In Hallo sprechen Münchner Flößer über ihre Situation.

Thalkirchen - Zusammen mit Flößerei-Vereinen und Kultusministerien aus mehreren Ländern Europas haben die Münchner Flößer jetzt einen Antrag an das UNESCO-Sekretariat gestellt, um als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt zu werden. Darüber entschieden wird Ende 2022.

„Für mich wäre es eine wahnsinnige Anerkennung und Auszeichnung“, so Monika Heidl-Seitner, Betreiberin einer Familienflößerei. Sie erhofft sich davon, dass der Bestandsschutz gesichert ist.

„Schließlich bauen wir Flöße noch immer auf althergebrachte Weise zusammen.“ Wichtig sei dafür beispielsweise, dass die Flößereien für ihre traditionelle Arbeit weiterhin Fichten fällen dürften, da nur diese Baumart als Floßmaterial geeignet sei. Zusätzlich erhoffe sie sich finanzielle Unterstützung, etwa in Form eines Fördertopfes.

Finanzielle Unterstützung, die dringend nötig wäre. 2020 hat der Seitner-Familienbetrieb keine Einnahmen erwirtschaftet und der kommenden Saison sieht Heidl-Seitner skeptisch entgegen.

Monika Heidl-Seitner ist Betreiberin einer Familienflößerei.

„Wir können die erforderlichen Hygienemaßnahmen nicht umsetzen, da wir keine Glasscheiben zwischen den Fahrgästen platzieren können.“ Eine Infektionsnachverfolgung wäre bei einer Passagierzahl von 60 unmöglich.

Andererseits könne man die Größe der Reisegruppen nicht verkleinern, da sich Tickets unverhältnismäßig verteuern würden. Aktuell rechnet man bei den Flößern mit dem zweiten Totalausfall einer Saison in Folge.

Während ihre Mitarbeiter nebenbei Berufe wie Schreiner oder Landwirt ausüben, sind die Angestellten größerer Betriebe wie dem von Michael Angermeier – genau wie die Familie Seitner bietet er Floßfahrten von Wolfratshausen nach München an – aktuell in Kurzarbeit.

Das teilte Helga Lauterbach, Vorstandsmitglied des Flößer-Kulturvereins München-Thalkirchen, auf Hallo-Nachfrage mit. Sie sieht gute Chancen für den Antrag an die UNESCO, betont jedoch auch die Verpflichtungen, die damit verknüpft wären. So sollen in den einzelnen Vereinen dann auch weitere Aktionen stattfinden, die auf das lebendige Handwerk hinweisen.

Ein Floß mit München Stämmen?

Im März hat CSU-Stadtrat Alexander Reissl einen Antrag an OB Dieter Reiter gestellt, in dem er fordert, die Flößerbetriebe mit Baumstämmen aus den städtischen Wäldern zu unterstützen.

Der Antrag befindet sich bei der Verwaltung noch in Bearbeitung. Ein Floß mit Münchner Stämmen würde nicht nur die Tradition aufleben lassen, sondern auch die Verbindung zwischen Wolfratshausen und München stärken, lobt Lauterbach vom Flößer-Kulturverein München-Thalkirchen. Auch finanziell würde das bei Kosten von etwa 10 000 Euro je Floß helfen, so Flößerin Heidl-Seitner.

Th. Reich

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