Auf den Spuren der Zivilcourage

Dominik Brunner: Wie es zehn Jahre nach seinem Tod um unsere Courage steht

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Hunderte Menschen nahmen Anteil am Tod von Dominik Brunner.

Zehn Jahre ist es her, seit die Nachricht von Dominik Brunners tragischem Tod am S-Bahnhof Solln die Runde machte. Jetzt wird dem mutigen Mann gedacht.

München – Es ist ein Samstag, der HSV führt die Bundesliga an, Fernsehdeutschland freut sich auf die Wahlkampfdebatte zwischen Merkel und Steinmeier. 

Für Dominik Brunner war jener 12. September 2009 der letzte Tag seines Lebens. Er beschützte vier Kinder vor pöbelnden Jugendlichen und wurde dafür an der S-Bahn Station Solln tot geprügelt. Ein Vorbild für Zivilcourage, dessen Schicksal ganz München berührte.

Gefährliche Situation sind keine Seltenheit

Ulli Wittemann aus Neuhausen kämpft für mehr Zivilcourage in München.

Ulli Wittemann aus Neuhausen fand sich bereits in ähnlichen Krisensituationen wieder und versucht trotzdem, den Menschen die Angst vor dem Einschreiten in Konflikte zu nehmen: „Es geht in den meisten Fällen nicht darum, zwei gewaltbereite Gruppen auseinanderzuhalten, sondern im Alltag für mehr Respekt einzutreten. Zum Beispiel wenn jemand am Nebentisch die Bedienung im Restaurant respektlos behandelt wegen einer Kleinigkeit.“ 

Trotzdem gibt es eben auch diese eine Situation, in der es tatsächlich brenzlig werden könnte: Für seinen mutigen Einsatz wurde der Körpertrainer und Kampfsportler von der Polizei Regensburg vor zwei Jahren ausgezeichnet. 

„Ich bin abends auf dem Weg zum Auto an einem Club vorbeigekommen. Ein größerer Mann packte einen Kleineren, warf ihn gegen ein Schaufenster und schlug ihm mehrfach mit der Faust ins Gesicht. Ich bin direkt dazwischen gegangen und habe sie getrennt“, erklärt der 42-Jährige.

Weil er vier Kinder vor pöbelnden Jugendlichen beschützen wollte, ließ Dominik Brunner am 12. September 2009 sein Leben.

All das passierte in weniger als sechs Sekunden. Auf den Videos der Überwachungskameras wird später zu sehen sein, dass 25 Leute rumstehen und Wittemann der Einzige war, der tatsächlich in die Schlägerei eingriff.

Dominik-Brunner-Stiftung steht für Zivilcourage

Um genau das zu vermeiden und mehr Menschen die richtigen Hilfestellungen für Zivilcourage an die Hand zu geben, gründeten Freunde und Wegbegleiter von Dominik Brunner nach der Gewalttat in Solln die Dominik-Brunner-Stiftung. 

Die Stiftung bietet seit 2009 unter anderem die Lehrerfortbildung „pack ma’s“ an. Der Kurs eröffnet die Möglichkeit, durch Spiele und Interaktionen Einstellungen zu verändern und Fähigkeiten zu fördern, in Krisensituationen richtig zu handeln. Die Lehrer vermitteln die Inhalte weiter an ihre Schüler. Insgesamt konnten so mehr als 250 000 Schüler in fast ganz Bayern trainiert und sensibilisiert werden. 

In der Allianz Arena ehrt die Stiftung zusammen mit dem FC Bayern regelmäßig Vorbilder für Zivilcourage. Vor einem Jahr empfieng auch Wittemann auf dem Rasen in Fröttmaning eine Urkunde.

Sophia Oberhuber

Am Donnerstag, 12. September, findet auf dem Park & Ride Parkplatz am S-Bahnhof Solln um 11 Uhr eine Gedenkveranstaltung zum zehnten Todestag von Dominik Brunner statt.

Am S-Bahnhof in Solln wurden ein Mahnmal und eine Gedenktafel für den Helden errichtet.

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