Tafel-Chor

Der Chor der Münchner Tafel singt fürs Selbstbewusstsein

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Auftritt des Chors bei der Benefizveranstaltung „GästeSpiel 2019 – Donau in der Au“.

Beim Tafel-Chor treffen sich Gäste der Münchner Tafel und Nachbar um gemeinsam zu singen. Ob Arm oder nicht, mit Erfahrung oder Anfänger, der Chor steht allen offen und berührt Herzen

Sendling – Seit sie denken kann, hat Susanne davon geträumt, in einem wunderschönen Kleid auf einer großen Bühne zu stehen, ein Scheinwerfer auf sie gerichtet. Susannes Traum hat sich bei der „Tafel.Musik“ erfüllt. Bei einer Benefizveranstaltung stand Susanne auf eben einer solchen Bühne. Der Chor der Münchner Tafel, der sich jeden Dienstag im Danklsalon in Sendling trifft, richtet sich speziell an Menschen im Viertel, die weniger Geld zur Verfügung haben – und ist gleichzeitig offen für die Nachbarschaft. 

Susanne ist Tafelgast. Jeden Freitag steht sie in der Schlange in der Großmarkthalle um sich gespendete Lebensmittel abzuholen. Damit geht sie offen um, schämt sich nicht –trotzdem möchte sie nicht ihren vollen Namen in der Zeitung lesen. Vor vier Jahren hat die Pasingerin ihren Job als persönliche Assistentin gekündigt: „Ich habe erkannt, dass das nicht das Leben ist, das ich leben möchte – ich bin dort einfach herausgewachsen. Mein Verstand hat geschrien, aber mein Herz jubiliert.“ 

Im Frühling diesen Jahres hat die 53-Jährige sich bei der Münchner Tafel angemeldet

„Dieser Schritt ins Licht der Öffentlichkeit hat mein Leben vollkommen verändert und mein Mut wurde bereits vielfach belohnt.“ Als sie von der „Tafel.Musik“ gehört hat, war sie sofort begeistert: „Ich singe für mein Leben gerne.“ 

Auch Frøydis singt bei der „Tafel.Musik“. Die 54-jährige Norwegerin, die mittlerweile in Sendling lebt, ist über den „KulturRaum“ zum Chor gekommen. Der Verein in der Zenettistraße vermittelt gespendete Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen kostenlos an Menschen mit geringem Einkommen. 

Seit knapp zwei Jahren ist der „KulturRaum“ auch an der Essensausgabe an der Großmarkthalle aktiv. Ehrenamtliche Teams bieten vor Ort ein generationsübergreifendes Mitmachprogramm an – woraus sich unter anderem der Tafelchor entwickelte. Während Susanne schon ihr Leben lang singt und sogar schon einmal einen Plattenvertrag gewonnen hatte, ist es für Frøydis die erste Chorerfahrung: „Es gefällt mir richtig gut. Die Musik hat mir nach einer schweren Trennung sehr geholfen.“ 

Worin sich die beiden Sopranistinnen einig sind: Das Wichtigste sind die Menschen. 

„Ich habe bei der Tafel, beim Kulturraum und Chor schon so viel Positives erlebt und plötzlich erfüllen sich meine Träume“, freut sich Susanne. Nicht jeder Tafelgast gehe mit seiner Situation so unbeschwert um wie sie: „Viele sind froh, abgelenkt zu sein, wenn sie im Chor sind. Sie wünschen sich, einfach mal abzuschalten vom Alltag und nur Freude haben.“ 

Proben der „Tafel.Musik“

Die Tafel.Musik trifft sich jeden Dienstag im Danklsalon, Danklstraße 11. Von 18 bis 19 Uhr wird gesungen und anschließend gemeinsam „getafelt“. Die Teilnahme ist kostenlos.

dbo

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