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„Pro-Fürstenried“: Anwohner wollen Stadt verklagen

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Gegen die geplante Nachverdichtung in Fürstenried West gibt es heftige Proteste einer lokalen Bürger­initiative um die Vorsitzenden (v.li.) Kurt Grünberger, Marita Reim und Andreas Art.
Gegen die geplante Nachverdichtung in Fürstenried West gibt es heftige Proteste einer lokalen Bürger­initiative um die Vorsitzenden (v.li.) Kurt Grünberger, Marita Reim und Andreas Art. © Daria Gontscharowa

Das Bündnis „Pro Fürstenried“ will gegen die Stadt München und die Nachverdichtung in ihrem Viertel klagen. Woran sich die Anwohner genau ärgern:

Fürstenried „Wir sind weder gegen eine qualifizierte Verbesserung des Viertels noch generell gegen Nachverdichtung. Die Anzahl der Wohnungen ist jedoch völlig überzogen“, sagt Andreas Art vom Verein „Pro-Fürstenried“. Seit über fünf Jahren setzt sich die lokale Bürgerinitiative gegen die geplante Nachverdichtung im Gebiet um Appenzeller Straße, Forst-Kasten-Allee, Graubündener Straße und Bellinzonastraße in Fürstenried-West ein.

Hier will die Bayerische Versorgungskammer (BVK) 662 zusätzliche Wohnungen schaffen. Über knapp 1500 Wohnungen verfügt sie in dem 13,5 Hektar großen Areal bereits. Diese wurden zwischen 1968 und 1972 errichtet. Nach einem städtebaulichen Wettbewerb waren zunächst nur 540 weitere Wohnungen vorgesehen. Die nachträgliche Aufstockung hatte die Kritik ebenso verstärkt wie geplante Gebäudehöhen bis zu 56 Meter.

Bündnis „Pro Fürstenried“ will gegen Stadt klagen: Gegengutachten nötig

Außerdem sind die Gegner des Planes empört, weil etwa 180 Bäume gefällt und viele grüne Flächen versiegelt werden sollen. Der Parkplatzschlüssel von nur 0,53 pro Wohnung sowie der Wegfall des Fahrradwegs an der Forst-Kasten-Allee würden darüber hinaus für ein Verkehrs­chaos sorgen. Die Anzahl der Parkplätze beziehe sich nicht nur auf die 660 neuen Wohnungen, sondern auch auf die bestehenden 1500. „Das heißt, dass etwa 1000 Wohnungen ohne Stellplätze bleiben“, ärgert sich der Vorsitzende. Das ganze Vorhaben überfordere die Infrastruktur, sagt Grünberger, der selbst Architekt und Stadtplaner ist.

Auch die Einwände der Nachbargemeinde hat die Stadt nicht zum Überdenken des Planes gebracht. Da das Planungsgebiet an Neuried grenzt, befürchtet man dort massive negative Auswirkungen, insbesondere durch zunehmenden Verkehr und Parkplatznot. „Unsere Anhörung als betroffener Nachbar hat aber in die Genehmigungsplanung keinen Eingang gefunden“, sagt Bürgermeister Harald Zipfel (SPD). Nachdem der Stadtrat Mitte Juli den Bebauungsplan endgültig genehmigt hat, wolle der Verein nun Klage einreichen.

Dafür sei ein Gegengutachten zum Bebauungsplan notwendig. Außerdem müsse die Initiative Anwalts- sowie Gerichtskosten tragen, die bei etwa 30 000 Euro liegen würden. „Der Verein kann die Finanzierung hierfür nicht allein erbringen. Deswegen starten wir jetzt einen Spendenaufruf und wenden uns an unsere Mitbürger mit der Bitte um Unterstützung“, sagt Art. Bis Juli 2023 steht den Anwohnern das Recht zu, eine Klage zu erheben.

„Pro-Fürstenried“ will gegen Stadt klagen: Kritik bisher selten öffentlich gemacht

Es bestehe kein Zweifel daran, dass die Idee die Unterstützung der Anwohner finde. Erste Spenden sind bereits auf das Konto eingegangen. „Nicht nur 65 Vereinsmitglieder sind überzeugte Gegner dieses Planes, sondern etwa 95 Prozent der betroffenen Bürger des Viertels“, ist sich Grünberger sicher. Viele würden die bevorstehende Bebauung allerdings nur hinter vorgehaltener Hand kritisieren, da sie als Mieter der BVK Angst vor einer Mieterhöhung hätten.

Tatsächlich äußert sich eine Anwohnerin, die anonym bleiben möchte, auch unserer Zeitung gegenüber so: „Ich bin entsetzt über den Bauplan, traue mich aber nicht, das laut zu sagen. Seit über 50 Jahren wohne ich in dem Haus und will überhaupt nicht ausziehen. Die Meinung der Anwohner zählt jedoch nicht.“

Das Planungsreferat betont jedoch, dass die Bürgerwünsche in Betracht gezogen worden seien. „In dem Bebauungsplanverfahren wurden die Beteiligung der Öffentlichkeit sowie des Bezirksausschusses 19 durchgeführt. Außerdem wurde ein Gutachten zu verschiedenen Themen eingeholt. Es bleibt den Bürgern selbstverständlich unbenommen, die Rechtmäßigkeit des Bebauungsplans gerichtlich überprüfen zu lassen“, teilt Thorsten Vogel, Sprecher des Referates, auf Hallo-Nachfrage mit.

„Pro-Fürstenried“ will gegen Stadt klagen: BVK verspricht Nachpflanzungen

Das Gutachten sei in den Augen der Bürger weder schlüssig noch glaubhaft, sagt Grünberger und kritisiert: „Als das Verkehrskonzept vorgestellt wurde, durften ausschließlich die Mieter der Bayerischen Versorgungskammer zur Präsentation kommen, Eigentümer und Anwohner des Viertels aber nicht.“

Die BVK weist die Vorwürfe zurück. Mit der Nachverdichtung werde dringend benötigter Wohnraum geschaffen. „Es entstehen neue Mietwohnungen im mittleren Preissegment, wovon rund ein Drittel sozial gefördert sein wird. Die zu fällenden Bäume werden 1:1 an anderer Stelle neu gepflanzt. Durch die Neuorganisation der Stellplätze im Rahmen des nachhaltigen Mobilitätskonzeptes werden auch künftig ausreichend Plätze im Quartier vorhanden sein“, erklärt Belinda Burgmeier, stellvertretende Sprecherin der BVK.

Bis Ende Januar will der Verein „Pro-Fürstenried“ nun Geld sammeln. „Wir werden auf jeden Fall nicht locker lassen“, verspricht Art.

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