Beschwerden über den Geruch

Münchner beklagen den Gestank durch Schlachthof – Was die Betreiber sagen

Vielen Anwohnern reicht es jetzt. Sie wollen den Gestank des Schlachthofs nicht mehr ertragen.

Viele Anwohner kritisieren den Gestank durch den Schlachthof . In Hallo äußern sich nun die Betreiber...

München – Wenn Bianca Klein die Tür zu ihrem Balkon an der Thalkirchner Straße öffnet, mit Freunden dort etwas trinken möchte, mische sich zum Geschmack des Aperitifs der „Geruch nach Verwesung“. 

Der Münchner Schlachthof, er stinkt – seit Jahren, so Anwohner. Eine Sprecherin des Referats für Gesundheit und Umwelt (RGU) teilte auf der Bürgerversammlung des zweiten Bezirks mit, dass eine neue Abluftreinigungsanlage ab Dezember die Lösung sei. 

Den Anwohnern reicht das nicht. 

„Im Sommer kann man das Fenster nicht aufmachen“, klagt Klein, die auch bei der Bürgerversammlung forderte, den Schlachthof zu schließen. Die Ludwigs- und Isarvorstädter lehnten ihren Antrag mehrheitlich ab. 

Doch ein weiterer Anwohner ergänzt: „Es geht so einfach nicht mehr. Wir wohnen seit über 20 Jahren in der Zenettistraße und der Geruch ist schon immer so gewesen.“ 

Zwei Bereiche des Schlachthofs

Das Schlachter-Areal an der Zenettistraße gehört der Stadt und teilt sich in zwei Bereiche: Angrenzend an die Tumblingerstraße schlachtet die Firma Attenberger Rinder – ihrer Website zufolge 70 Tiere pro Stunde. Hier kommt es laut Anwohnern zu keiner Geruchsemission. 

Auf der anderen Seite des Geländes, an der Thalkirchner Straße, finden Schweine ihr Ende. Hierfür ist die Schweineschlachtung München GmbH (SSM) zuständig. Dahinter stecken drei Gesellschafter: MRT Leidmann, Fleischgroßhandel Bauer und Vinzenzmurr, wie Markus Pöllot von der SSM bestätigte. 

Vielen Anwohnern reicht es jetzt. Sie wollen den Gestank des Schlachthofs nicht mehr ertragen.

Hülle des Gebäudes undicht?

Die Aussagen der Anwohner bezüglich des Geruches in den vergangenen Jahren könne er nicht nachvollziehen. „Der SSM sind in den Vorjahren etwa drei bis fünf Beschwerden jährlich bekannt“, die sich aber auf das gesamte Schlachthofareal beziehen würden. 

Außerdem wundert er sich: „Wie kann ein Anwohner zwischen dem Geruch einer Rinder- und einer Schweineschlachtung unterscheiden?“ Die Anwohner bemängeln, dass es sich bei der Schweineschlachthalle um „alles andere als ein modernes Industriegebäude“ handelt. 

Sie vermuten, dass die Hülle des Gebäudes undicht sei. Darauf Pöllot: „Für das Gebäude besteht ein Erbpachtvertrag mit der Stadt München, der den gültigen rechtlichen Vorschriften entspricht.“ 

Der Erbpachtvertrag läuft noch bis 2035

Die Schlachthalle selbst stehe unter Denkmalschutz und bedürfe daher schon einer gesonderten Pflege und Instandhaltung, der die SSM auch nachkomme, betont Pöllot. „Die Investitionen in den vergangenen beiden Jahren belaufen sich auf etwa 2,2 Millionen Euro.“ 

Der Erbpachtvertrag läuft noch bis 2035 – mit Verlängerungsoption, wie Birgit Unterhuber, Sprecherin des Kommunalreferates, mitteilte. Am Ablauf des Vertrages hängt jetzt die Hoffnung der Nachbarn des Geländes. 

Bürgerinitiative formiert sich

Und die ist nicht unbegründet: „In einem Stadtratsbeschluss vom Anfang der Wahlperiode steht, dass erst das Viehhof- und dann das Schlachthofgelände entwickelt werden soll. Es gibt noch keinen Beschluss zur Schließung des Schlachthofs, aber die Absicht. 

Es handelt sich um eines der letzten Filetstücke in der Innenstadt, die man bebauen kann“, sagt Andreas Klose (Rosa Liste), Chef des örtlichen Bezirksausschusses.

Die Anwohner könnten sich auf dem Areal bezahlbaren Wohnraum, ein Museum oder eine Schaumetzgerei vorstellen. Um das durchzusetzen, formiert sich jetzt eine Bürgerinitiative. 

Sophia Oberhuber

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