Jahresvorschau für die Viertel

Das wird neu im Münchner Süden - BA Chefs exklusiv in Hallo

Auf dem Areal an der Hans-Preißinger-Straße findet neben der Philharmonie die Stadtbibliothek ein neues Zuhause. Kleinere Konzertsäle werden auch entstehen.
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Auf dem Areal an der Hans-Preißinger-Straße findet neben der Philharmonie die Stadtbibliothek ein neues Zuhause. Kleinere Konzertsäle werden auch entstehen.
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    vonDaniela Borsutzky
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Bau, Verkehr, Kultur, Umwelt: Was das neue Jahr für die Münchner aus den Vierteln Thalkirchen, Obersendling, Forstenried, Fürstenried, Solln, Sendling, Isarvorstadt und Pullach. 

Beschwerden und Bauten

Knapp 99 000 Menschen leben im 19. Bezirk der Stadt München, Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln. Doch die Infrastruktur in den Vierteln ist dafür nicht ausgelegt. Seit Jahren hapert es: an der Anzahl der Schul- und Kitaplätze, am Ausbau des ÖPNV, für die einen an Parkplätzen und die anderen an Radlwegen.

„Es ist immer weniger zu händeln. Die Straßen wachsen nicht mit den Bewohnern, die Verkehrswende kommt nicht an“, klagt Ludwig Weidinger (CSU), Vorsitzender des Bezirksausschusses. „Wir bekommen Bürgerschreiben ohne Ende, so viele wie noch nie“, ergänzt er. Entlastung könnte die Tram-Westtangente bringen. „Die Stadt meint weiterhin, dass sie bis 2026 kommen soll“, sagt Weidinger und wirkt wenig überzeugt. Erfreulich sei aber, auch im Hinblick auf die Infrastruktur, dass die Schulbauten am Ratzinger Platz vorangehen.

Ludwig Weidinger (CSU) ist BA-Chef im 19. Stadtbezirk.

Im ehemaligen Siemens-Hochhaus sollen nun doch ausschließlich Büroflächen entstehen. Der Investor hatte erneut gewechselt. „Man hat im Wettbewerb versucht, Wohnungen unterzubekommen. Das wurde jetzt aufgegeben“, so Weidinger. Auch an anderer Stelle des ehemaligen Siemensgeländes, dem Siemens-Sportpark, laufen die Planungen für die Umgestaltung weiter.

Im Siemenshochhaus werden nur Büroflächen entstehen.

Im Frühjahr 2021 soll an der Tischlerstraße 30 die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete, die aktuell 110 Plätze fasst, erweitert werden. „Die Landeshauptstadt München wird am südlichen Rand des Grundstücks als Neubau einen L-förmigen, zweistöckigen Modulbau mit einer geplanten Kapazität von 102 Unterkunftsplätzen errichten“, erklärt Wolfgang Rupp, Sprecher der Regierung von Oberbayern (ROB). Das Erdgeschoss wird barrierefrei zugänglich sein und barrierefreie Wohnungen enthalten. Die Fertigstellung ist für Sommer 2022 vorgesehen.

Sendling als Kulturmittelpunkt

Ab Oktober 2021 soll das Herz der Münchner Kultur in Sendling schlagen. An der Hans-Preißinger-Straße entsteht eine Zwischenlösung für den Gasteig, während der Komplex in Haidhausen saniert wird. Fünf Jahre lang sollen die Philharmoniker im Münchner Süden spielen. Einen eigenen Namen hat der Interimsstandort bisher nicht. Der Stadtrat hat nun die Verwaltung damit beauftragt.

„Das Interim ist prägend für das Viertel“, sagt Markus Lutz (SPD), Chef des Sendlinger BA. Für ein „Hauptkulturzentrum“, so Lutz, sei die Anbindung mit einer Bushaltestelle nicht ausreichend. Dem Lokalpolitiker bereitet auch die Parkplatzsituation Sorgen. Da es direkt am Übergangs-Gasteig keine Parkplätze gibt, werden Flächen am Großmarkt angemietet. Dazu braucht es ein Shuttle vom Parkplatz zum Kulturzentrum. „Wir fordern eine Buslinie entlang der Schäftlarnstraße Richtung Innenstadt.“ Lutz erwartet, dass der Druck auf die Stadt, die Erschließung zu verbessern, im Sommer steigen wird – auch im Hinblick auf den Umbau des Großmarktes. Dass dort die Verhandlungen zwischen Stadt und Investor stagnieren, verwundert Lutz. Für 2021 geht er nicht davon aus, dass sich am Großmarkt etwas verändern wird.

Markus Lutz (SPD) ist BA-Chef in Sendling.

Anders an der Thalkirchner Straße. Entgegen der Position des BA wird der DAV seine Kletterhalle in Thalkirchen erweitern. Auch auf dem Areal Ecke Alram-/Aberlestraße könnte sich einiges tun. Hier entstehen Eigentumswohnungen. „Ich gehe von großen Baufortschritten aus“, so Lutz.

Kultur ist in Sendling aber nicht nur im Interim vorgesehen. Auch im kleinen Rahmen möchten die Politiker Künstler im Viertel fördern. Der „Sendlinger Sommer“, den der BA wegen der Corona-Krise und den finanziellen Ausfällen für Künstler eingeführt hatte, ist auch für 2021 vorgesehen.

Theresienwiese: Sandstrand oder wieder Biermeer?

In Münchens zweitem Bezirk werden im Jahr 2021 wohl alle Augen auf die Tumblingerstraße gerichtet sein. Mitten auf dem ehemaligen Viehhofareal entsteht dort das neue Volkstheater. Die Eröffnung ist aktuell für Mitte Oktober geplant. „Einziehen werden wir Schritt für Schritt ab Mai. Äußerlich passiert nicht mehr so viel“, sagt Frederik Mayet, Künstlerischer Direktor des Volkstheaters.

Das neue Volkstheater am Viehhof soll im Oktober 2021 eröffnet werden.

Für Benoît Blaser (Grüne, Foto S. 7), Vorsitzender des Bezirksausschusses, bleiben auch im neuen Jahr Baustellen im Fokus. Die Errichtung des „Correo-Quartiers“, das aus dem ehemaligen Postbank-Gebäude am Hauptbahnhof einen Komplex mit Büros, Handel und Gastronomie machen soll, werde weiter voranschreiten. Auch an der Paul-Heyse-Unterführung wird gebaut, was „verkehrlich natürlich schwierig ist“, gibt Blaser zu bedenken. Ebenso die Baustelle am Sendlinger Tor, die teilweise Staus bis zur Poccistraße verursache.

Benoit Blaser (Grüne) ist der BA-Chef im 2. Bezirk.

Grundsätzlich müssten sich die Lokalpolitiker laut dem BA-Chef aber mit einer Problematik befassen: Wie kann man öffentlichen Raum bestmöglich nutzen und aufteilen? „Wir wollen zum einen mehr Platz für die Menschen gewinnen und dürfen aber auf der anderen Seite die Menschen nicht vergessen, die auf Autos angewiesen sind: Gewerbetreibende, Handwerker und Menschen mit eingeschränkter Mobilität.“

In diesem Zusammenhang drängt sich das Streitthema des vergangenen Jahres in der Isarvorstadt auf: der Radweg in der Fraunhoferstraße. Sowohl Anwohner, als auch hiesige Geschäftsinhaber bemängelten immer wieder die – ihrer Ansicht nach – rücksichtslose Einführung des Radweges, der laut Kritikern zu massiven Park- und Lieferproblemen führte. Bevor der rote Streifen aber dauerhaft eingerichtet und die Fraunhoferstraße entsprechend baulich umgestaltet werden soll, muss die Auswertung des einjährigen Pilotversuches stattfinden. „Mein aktueller Stand ist, dass die Evaluierung im Frühling endlich im Stadtrat sein wird. Dann müssen wir schauen, welche Möglichkeiten es hier zukünftig geben wird“, teilt Blaser mit.

Auf der Theresienwiese gab es in 2020 eine Premiere: den Palmengarten von „Greencity“. Ob das Projekt auch im Jahr 2021 eine Chance hat, hängt wohl davon ab, ob das Oktoberfest stattfinden kann.

Und dann ist da natürlich noch die Theresienwiese. Der Ort, an dem im Corona-Jahr 2020 eben nicht Millionen Menschen auf dem größten Volksfest der Welt feiern konnten. Stattdessen gehörte die Fläche den Sommer über einmal nur den Münchnern – ganz für sich alleine. Als Sportfläche, Spazierweg und – im vom Verein „Greencity“ errichteten Palmengarten – auch ersatzweise zum Strandurlaub. „Natürlich hoffe ich, dass das Oktoberfest 2021 wieder stattfinden kann“, sagt Blaser. „Trotzdem hoffe ich aber auch, dass man das Areal in der Zeit vor dem Wiesn-Aufbau besser für Freizeitaktivitäten nutzt.“ Bis die Theresienwiese dann im September vielleicht wieder nicht mehr nur den Münchnern gehört – und Millionen Menschen die Freifläche in eine Partymeile verwandeln.

Pullach im Zeichen des Klimaschutzes

Die Isartalgemeinde Pullach wird unter Grünen-Bürgermeisterin, Susanna Tausendfreund (Foto), auch im Jahr 2021 den Fokus auf Klimaschutz legen. Seit Mai 2020 beschäftigt die Gemeinde einen sogenannten Klimaschutzmanager, der ein Konzept erarbeiten soll – beispielsweise im Hinblick auf die Energieeffizienz von kommunalen Einrichtungen.

Susanna Tausendfreund, Bürgermeisterin von Pullach.

„Es dient als langfristige Planungsgrundlage“, so Tausendfreund. Bei der Bewirtschaftung des gemeindlichen Waldes soll auf ein Naturwaldreservat umgestiegen werden. Zudem prüft Pullach – in Zusammenarbeit mit den Nachbar-Gemeinden – den Einsatz von Windkraft im Forstenrieder Park.

Ebenso ein Thema in Pullach: bezahlbares Wohnen. Im März 2021 wird der Neubau an der Heilmannstraße 53, der 22 Gemeindewohnungen beheimatet, bezugsfertig sein.

United Initiators plant die Erweiterung seines Standortes. „Die Pläne haben in der Bevölkerung teilweise Unsicherheit hervorgerufen.“ Im Frühjahr wird der Gemeinderat über die Stellungnahmen aus der Öffentlichkeitsbeteiligung diskutieren. Anschließend folgt eine weitere Auslegung.

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