Anwohner sind nicht zufrieden

Ist ein runder Tisch die Lösung? Stadt München reagiert auf Ruhestörung und Müll am Gärtnerplatz

Eine Lösung für die Ruhestörung am Gärtnerplatz? Stadt München richtet einen runden Tisch ein.
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Eine Lösung für die Ruhestörung am Gärtnerplatz? Stadt München richtet einen runden Tisch ein.

Die Münchner wollen trotz Corona feiern, aber Bars und Clubs sind zu. Am Gärtnerplatz kommt es deshalb zu Ruhestörungen. Die Stadt hat jetzt einen runden Tisch eingerichtet.

  • Am Gärtnerplatz in München kommt es immer wieder zu Ruhestörungen.
  • Die Polizei muss wegen den Feiernden immer wieder ausrücken.
  • Weshalb die Lokalpolitiker im Bezirksausschuss eine Sperrstunde und ein Alkoholverbot abgelehnt haben.
  • Ist der runde Tisch der Stadt München die Lösung?

Update: 19. August: Ruhestörung und Müll sind immer wieder Thema am Gärtnerplatz. Die Feiern in der Nacht ufern aus, die Anwohner sind genervt. Die Stadt München will das Problem jetzt lösen und richtet einen runden Tisch ein.

„Wir haben Verständnis, dass Menschen sich an der frischen Luft treffen wollen, gerade auch, weil viele in diesen Ferien daheim geblieben sind. Dennoch zeigen uns die steigenden Corona-Zahlen, dass die Zeit drängt und wir schnell handeln müssen“, sagte der Vizechef der Stadtratsfraktion von SPD und Volt, Christian Vorländer, am Mittwoch in München. Zuvor hatte der Feriensenat des Stadtrats einem Dringlichkeitsantrag zugestimmt.

Anwohner sind genervt über Ruhestörung am Gärtnerplatz - Stadt München richtet runden Tisch ein

Bei schönem Wetter ist der Gärtnerplatz abends ein beliebter Treffpunkt vor allem für Jugendliche. Anwohner beschwerten sich über Ruhestörung und Müll, zudem hielten viele der Feiernden die Hygiene- und Abstandsregeln nicht ein, heißt es in dem Antrag. Auch im Englischen Garten feiern viele Leute gerne, oft ohne die Corona-Regeln zu beachten.

Neben Vertretern verschiedener städtischer Referate sollen dem Gremium unter anderem auch Polizisten angehören. Das erste Treffen ist bereits am Montag geplant. Der runde Tisch soll laut SPD/Volt-Fraktion zwischen allen Beteiligten vermitteln und überlegen, wie sich die Jugendlichen trotzdem treffen können. Auch mögliche weitere Hotspots wolle man im Blick behalten.

Ruhestörung am Gärtnerplatz – Bezirksausschuss lehnt Sperrstunde und Alkoholverbot ab

Update 22. Juli 2020, 15.56 Uhr:

Isarvorstadt - Die Anwohner des Gärtnerplatzes sind sauer. Zu laut, zu dreckig sei es in den Straßen rund um die Freifläche. Dementsprechend viele Bürgerbeschwerden gab es zur Problematik in der Sitzung des Bezirksausschusses Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt am Dienstagabend.

München, Gärtnerplatz: Anwohner fühlen sich von Bezirksausschuss im Stich gelassen

 "Ich finde es nicht in Ordnung, dass die Feiernden mehr Gewicht haben als die Anwohner", klagte eine Isarvorstädterin und traf damit den Nerv vieler Gärtnerplatz-Bewohner, die während der zweistündigen Bürgersprechstunde zwischen Applaus und lautstarken Zwischenrufen schwankten.

Sie fühlten sich vom BA im Stich gelassen, der die Interessen der Viertelbewohner und nicht die der (laut Anwohnern oft aus anderen Teilen der Stadt oder von außerhalb stammenden) Feiernden zu vertreten habe.

So hat der Bezirksausschuss Isarvorstadt über ein Alkoholverbot am Gärtnerplatz abgestimmt

BA-Chef Benoît Blaser (Grüne) versuchte zu beschwichtigen. Er wies darauf hin, dass das Gremium  Maßnahmen ergreifen wolle und diese in seiner Sitzung auch abstimmen würde.

BA-Chef Benoît Blaser.

Für Rudi Cermak (CSU) ist die Sache klar: "Es ist ein Saustall, was da am Abend hinterlassen wird." Dementsprechend forderte seine Fraktion zusammen mit der FDP, ein Alkoholverbot und eine Sperrstunde einzuführen (s. Ursprungsmeldung unten). Dieser Meinung folgte die Mehrheit des Gremiums nicht.

"Mit einem Alkoholverbot auf der Freifläche wird es sich vom Rondell 20 Meter weiter verlagern", kommentierte Victoria Schwarz-von Groddeck (Grüne) den Vorstoß der Christkonservativen.

München, Gärtnerplatz: Kommunaler Außendienst soll ab 21.30 Uhr präsent sein

Der Bezirksausschuss entschied schließlich mehrheitlich, den Einsatzbereich des Kommunalen Außendienstes auf den Gärtnerplatz zu erweitern, um die Polizei zu entlasten. Dieser soll von 21.30 Uhr abends bis 6 Uhr morgens vor Ort Präsenz zeigen.

Weiter soll der Rasen im Rondell durch mobile Bepflanzung besser strukturiert werden, um so die Liegeflächen zu verkleinern und großen Gruppen den Platz unattraktiver zu machen.

Ursprungsmeldung vom 21. Juli:

Isarvorstadt – Clubs und Kneipen sind weiterhin Corona-bedingt geschlossen. Feiern wollen die Münchner aber trotzdem: 45 Mal musste die Polizei in den vergangenen sieben Wochen wegen Ruhestörung an den Gärtnerplatz ausrücken. 

Jetzt will die CSU-Fraktion des BA Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt durchgreifen und fordert, ein Alkoholverbot und eine Sperrstunde einzuführen. Anwohner haben sich bereits seit Jahren über Lärm, Alkoholleichen und die Hinterlassenschaften – ob Müll oder eben anderes – der Feiernden beschwert. 

CSU-Politiker in München fordern Sperrstunde und Alkoholverbot am Gärtnerplatz

Ab 23 Uhr soll gemäß des CSU-Antrags am Gärtnerplatz Schluss sein. Ebenso schließt diese Forderung Obdachlose ein, „die dort inzwischen gewohnheitsmäßig übernachten und ihre Notdurft in Tiefgarageneinfahrten und vor Hauseingängen verrichten.“ Der Konsum von Alkohol soll von 22 bis 12 Uhr auf dem Platz verboten werden. Kontrolliert werden soll das vom Kommunalen Außendienst. 

Ruhestörung am Gärtnerplatz: Lokalpolitiker fordern Partyende um 23 Uhr und Alkoholverbot.

„Nachdem das Lärm- und Vermüllungsproblem sowie der Corona-konforme Aufenthalt am Gärtnerplatz nicht befriedigend in den Griff zu bekommen sind, müssen zur Lösung der Problematik die genannten Punkte zeitnah umgesetzt werden“, so der Antrag. BA-Chef Benoît Blaser (Grüne) hält von den strikten Maßnahmen nichts: „Alkoholverbot und Platzverweise sind die ultima ratio. Es ist schön, dass der Platz genutzt wird. Das Problem ist, dass die Menschen dort zu laut und zu betrunken sind. Genau da muss man ansetzen.“ 

Man könne das Allparteiliche Konfliktmanagement verstärken, das zwischen Anwohnern und Feiernden vermitteln soll. Das formulierte die Fraktion Grüne-Rosa Liste auch in Form eines Antrags, für den der Unterausschuss Öffentlicher Raum und Mobilität (UA) dem Vollgremium bereits mehrheitlich Zustimmung empfohlen hatte. Anders beim Antrag der CSU-Fraktion zu Sperrstunde und Alkoholverbot. Der UA wurde sich hier nicht einig. 

Kommt die Sperrstunde und das Alkoholverbot am Gärtnerplatz?

Auf Initiative der FDP formulierte der BA-Vorstand einen weiteren interfraktioneller Antrag. Dieser fordert, an heißen Tagen ab 24 Uhr, ansonsten ab 22 Uhr, eine Nachtruhe am Gärtnerplatz einzuführen. .

Sophia Oberhuber/dpa/lby/jh

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