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Hat hier bald jeder Vorfahrt? ‒ Pläne für „Shared Space“ auf der Forstenrieder Allee

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Durch Einführung eines „Shared Space“ könnten Autofahrer, Fußgänger und Radler künftig in der Forstenrieder Allee gleichberechtigt werden.
Durch Einführung eines „Shared Space“ könnten Autofahrer, Fußgänger und Radler künftig in der Forstenrieder Allee gleichberechtigt werden. © Louisa Lettow

Der Bezirksausschuss hat für die Forstenrieder Allee ein ungewöhnliches Konzept beschlossen - Sie soll zu einem „Shared Space“ umgestaltet werden.

Forstenried - Der Dorfkern von Forstenried könnte bald zum „Shared Space“ werden. Das hat der Bezirksausschuss (BA) Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Solln zumindest in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich beschlossen – bei 15 Gegenstimmen. Die Einführung einer solchen Zone hatte die SPD beantragt.

Sogenannter „Shared Space“: BA beantragt ungewöhnliches Konzept für Forstenrieder Allee

Das ungewöhnliche Konzept „Shared Space“ („geteilter Raum“) hat vor gut 30 Jahren der niederländische Verkehrsplaner Hans Monderman entwickelt. Er ging davon aus, dass ein Verzicht auf jegliche Verkehrsregeln zu einem verantwortungsvollen Miteinander führt. Die Philosophie besagt, dass der Verkehrsraum überreguliert ist, was sich etwa in Überbeschilderung ausdrückt, die dem Ort seine Identität raube.

Die Fraktionen sahen den SPD-Vorschlag überwiegend positiv. Dass die Einführung einer regelfreien Zone auf dem ausdrücklichen Wunsch der Teilnehmer der Bürgerwerkstatt-Forstenried beruht, war ein starkes Argument dafür. Dorle Baumann (SPD) betonte, dass der Forstenrieder Ortskern durch die Gestaltung als „Shared Space“ die Gelegenheit erhalte, „sich der eigenen Historie wieder anzunähern“. Hannelore Prechtel (SPD) nannte das Konzept als Lösung, „in die Zukunft zu denken“.

Aber es gab auch Zweifel an dem Projekt. Allein der Fakt, dass eine Grundschule direkt an dieser Straße liegt, konterkariere die guten Vorsätze des „Shared Space“. „Die Idee, die dahinter steht, ist gut“, sagte Henriette Holtz (Bündnis 90/Die Grünen). Die Straße sei dafür aber nicht geeignet. Ganz ähnlich argumentierte Anke-Andrea Sponer (CSU): „Grundsätzlich bin ich nicht gegen ‚Shared Space. Den Umsetzungsort halte ich nur für unpassend“. Ein Vertreter der Polizei, der zu dem Thema in der Sitzung referierte, stufte die Straße ebenso als ungeeignet ein. Er halte eine „Shared Space-Zone“, besonders vor der dortigen Grundschule, für „gefährlich“.

Das sagen die Münchner: Hallo-Umfrage zur Forstenrieder Allee als „Shared Space“

Wir haben Passanten an der Forstenrieder Allee gefragt: „Was halten Sie vom Konzept ,Shared Space und dem damit verbundenen Verzicht auf jegliche Verkehrsregeln?“

Josefine Dolora: „Weniger Regelungen kann ich befürworten, aber man sollte sie nicht alle auflösen. Ich halte es für keine gute Idee, einen ‚Shared Space direkt vor der Schule einzuführen. Es kann Kinder nur in Gefahr bringen. Nicht umsonst wird die Straße von Schulweg-Helfern reguliert.“

Josefine Dolora möchte nicht alle Regelungen aufgeben.
Josefine Dolora möchte nicht alle Regelungen aufgeben. © Louisa Lettow

Beate Eisinger: „Als Mutter kann ich mir nicht vorstellen, dass es funktioniert, wenn jeder das macht, was er für richtig hält. Wir leben aber in einer überregulierten Gesellschaft, deshalb würde ich durchdachte Maßnahmen zur Lockerung mancher Regeln begrüßen.“

Beate Eisinger sorgt sich um die jungen Verkehrsteilnehmer.
Beate Eisinger sorgt sich um die jungen Verkehrsteilnehmer. © Louisa Lettow

Jakob Wald: „Es könnte schon funktionieren, wenn der Mensch so viel Vernunft hätte. Wir sind davon leider noch weit entfernt. Ich bin der Meinung, dass es ohne Verkehrsregelung schwierig wäre, wenn alle Autofahrer zum Beispiel gleichzeitig Vorfahrt hätten.“

Jakob Wald sieht keine Möglichkeit, alle Regelungen im Verkehr aufzuheben.
Jakob Wald (li.) sieht keine Möglichkeit, alle Regelungen im Verkehr aufzuheben. © Louisa Lettow

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