Zwei ganze Leben auf 385 Seiten

Elisabeth Richter ist mit 107 die älteste Pullacherin – ihre Tochter bringt ihre Geschichte zu Papier

Elisabeth Richter mit 107 Jahren an ihrem Geburtstag zusammen mit Tochter Andrea Richter (u.li. und re.) und Pullachs Dritter Bürgermeisterin Cornelia Zechmeister.
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Elisabeth Richter mit 107 Jahren an ihrem Geburtstag zusammen mit Tochter Andrea Richter (u.li. und re.) und Pullachs Dritter Bürgermeisterin Cornelia Zechmeister.

Elisabeth Richter ist 107 Jahre alt und damit die Älteste in Pullach. Ihre Tochter hat ihre Biographie geschrieben - ein langes Leben auf 385 Seiten.

Andrea Richter wischt auf ihrem Handy, setzt ihre Brille auf. Sie überprüft, ob sie sich in der Geschichte, die die Biografin an einem Spätsommertag in Pullach erzählt, im Zusammenhang der korrekten Jahreszahl befindet.

Es sind so viele Ereignisse, Erlebnisse, Schicksalsschläge, die ihre Mutter in 107 Lebensjahren erfahren hat, dass es zur Sicherheit nur mit einer digitalen Liste geht. Oder einem Buch, 385 Seiten, Hardcover – über die älteste Frau in Pullach, Elisabeth Richter. Verfasst und recherchiert von ihrer Tochter.

Elisabeth Richter mit 21 Jahren auf dem Starnberger See.

„Meine Mama hat viel und mit leichter Feder geschrieben“, sagt Richter. Briefe, Tagebücher, Notizen: Über eineinhalb Jahre hat Richter die Papiere abgetippt. Als sie sich vor zehn Jahren dazu entschied, als professionelle Biografin zu arbeiten, nutzte sie diese Abschriften, begann weiter zu recherchieren. Es entstand schließlich ein Buch – Richter nennt es ihre Doktorarbeit – das das Leben der Elisabeth Richter beschreibt:

1913 in München geboren wuchs sie mit einem hohen Nazi als Vater auf. Elisabeth ging trotzdem für ihr Studium ins Ausland, nach Kanada, in die USA, machte eine Weltreise. Ihren Mann Harry lernte sie 1938 auf der Wiesn kennen, gebar einen schwer behinderten Sohn, verlor einen weiteren vier Monate nach der Geburt. Richter nennt es: ihr erstes Leben. Nach dem Krieg musste sie zur Zwangsarbeit in ein russisches Kohlebergwerk und kehrte erst 1950 nach München zu ihrem Mann zurück – das zweite Leben. 1954 kam Andrea Richter zur Welt: „Ich bewundere meine Mutter.“ Aktuell entsteht eine weitere Biografie über das Leben der gesamten Familie.

Andrea Richter dachte, dass ihre Mutter den 107. Geburtstag nicht mehr erleben würde. Sie sei zwar nicht krank, aber einfach sehr alt. Das war vier Tage vor ihrem Geburtstag. Zwei Tage später konnte sie, statt nur im Bett zu liegen, plötzlich wieder im Rollstuhl sitzen. An ihrem Geburtstag gab es für die 107-Jährige alkoholfreien Sekt. Der schmecke besser als der Tee im Pflegeheim. Ob es denn noch mehr davon gebe.

Sophia Oberhuber

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