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Gedenken an jüdischen Mediziner Kurt Lichtwitz ‒ Hinterbliebene verbietet Stadt Verwendung des Namens

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Von: Theresa Reich

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Kurt-Lichtwitz-Platz statt Thalkirchner Platz: Angelika Lichtwitz und Sigmund Silber wollen, dass OB Dieter Reiter sein Versprechen einhält und den belebten südlichen Teil des Platzes nach dem 1933 verstorbenen Mediziner umbenennt.
Kurt-Lichtwitz-Platz statt Thalkirchner Platz: Angelika Lichtwitz und Sigmund Silber wollen, dass OB Dieter Reiter sein Versprechen einhält und den belebten südlichen Teil des Platzes nach dem 1933 verstorbenen Mediziner umbenennt. © Theresa Reich

Kurz vor der Entscheidung des Kommunalausschusses, den nördlichen Teil des Thalkirchner Platzes Kurt Lichtwitz zu widmen: Schwiegertochter, Angelika Lichtwitz, untersagt der Stadt die Umbenennung

Update vom 9. Februar:

Mit einem Brief an das Kommunalreferat will Angelika Lichtwitz, die Schwiegertochter des 1933 verstorbenen Mediziners und Klinikgründers, im letzten Moment die geplante Umbenennung des nördlichen Teils des Thalkirchner Platzes seitens der Stadt verhindern. Der Kommunalausschuss wollte ursprünglich morgen, 10. Februar, die kleine Grünfläche zwischen Pognerstraße und Schäftlarnstraße in Kurt-Lichtwitz-Platz umbenennen. Die Abstimmung könnte jetzt hinfällig sein.

Angelika Lichtwitz, die ihre Familie in dem Fall vertritt, hatte sich eine angemessene Würdigung erhofft. Deshalb untersagt sie „die Verwendung des Namens Kurt Lichtwitz auf einer kaum wahrnehmbaren Minifläche am Rande des Thalkirchner Platzes.“ Sie fügt hinzu: „Die Ehrung von verdienstvollen Bürgern dieser Stadt ist nicht nur eine historische Geste, sondern gerade bei jüdischen Persönlichkeiten auch eine gesellschaftlich aktuelles Signal gegen den neuzeitlichen Antisemitismus“.

Ursprungsnachricht:

Lange mussten Angelika Lichtwitz und Sigmund Silber auf die Ehrung von Kurt Lichtwitz warten, der Thalkirchner Platz soll nach ihm benannt werden. Das Problem: Ihnen wurde was anderes versprochen:

THALKIRCHEN „Wie viel ist die Zusage unseres Oberbürgermeisters Dieter Reiter wert?“ Das fragen Angelika Lichtwitz, die Schwiegertochter des 1933 verstorbenen Klinikdirektors Kurt Lichtwitz, und Medizinprofessor Sigmund Silber. Beide kämpfen seit Jahren um eine würdevolle Ehrung des jüdischen Mediziners, dessen Tod bis heute nicht aufgeklärt wurde. Zwar soll Lichtwitz nun gewürdigt werden, doch gibt es unterschiedliche Vorstellungen an welchem Ort.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Anlass des neu entfachten Streits ist der Thalkirchner Platz, der eigentlich aus zwei getrennten Grünflächen besteht: dem kleineren, nördlichen Teil und dem südlichen Bereich, der zur Isar und einer freien Fläche mit Bücherschrank und Eisdiele führt.

Umbenennung des Thalkirchner Platzes: Empfehlung vom OB für den südliche Teil gegeben

Dieter Reiter hat uns schriftlich den belebten südlichen Platz für die Umbenennung versprochen“, betont Lichtwitz. Reiters Brief liegt Hallo vor. Darin heißt es, er empfehle „den Thalkirchner Platz in Kurt-Lichtwitz-Platz umzubenennen“. Denn „Menschen aus ganz München überqueren den Platz, wenn sie in Richtung Thalkirchner Brücke gehen, um an die Isar oder zum Tierpark Hellabrunn zu gelangen“. Für Lichtwitz und Silber beweist die Aussage, der OB habe das südlichere Gelände gemeint.

Der Kommunalausschuss des Stadtrats wird jedoch am Donnerstag, 10. Februar, darüber abstimmen, ob der nördliche Bereich umbenannt wird. Das ärgert Lichtwitz. „Reiter hält seine Zusage nicht ein“, sagt die 83-Jährige, die ihre Familie in dem Fall vertritt. „Warum muss ich als Witwe Lichtwitz um eine anerkennende Ehrung meines Schwiegervaters betteln?“

Statt des empfohlenen Südteils des Thalkirchner Platz, wird nun über eine Umbenennung des Nordteils abgestimmt. Für Lichtwitz eine Unverschämtheit.
Statt des empfohlenen Südteils des Thalkirchner Platz, wird nun über eine Umbenennung des Nordteils abgestimmt. Für Lichtwitz eine Unverschämtheit. © Theresa Reich

Sie hofft, dass der Ausschuss die Umbenennung des kleinen Platzes ablehnt, ihren Wunsch berücksichtigt, da sonst das Andenken an Lichtwitz verloren ginge. Unterstützung kommt von Kunsthistorikerin Dorle Gribl. Sie schrieb Reiter, dass sie den nördlichen Platz „fast so schlimm“ finde, wie die zuerst erkorene „Mülltonnenstraße“. Damit spielt Gribl auf den nördlichen Abschnitt „Am Isarkanal“ an.

Umbennenung des Thalkirchner Platz: Keine Äußerungen von OB Reiter

Dieter Reiter wollte sich auf Hallo-Nachfrage zu seinem Brief nicht äußern und verwies ans Kommunalreferat. Sprecherin Maren Kowitz teilt mit, dass „der Münchner Stadtrat seit über einem Jahr verschiedene Vorgehensweisen abwägt, um allen Beteiligten möglichst gerecht zu werden“. Gemeint sind damit auch die Anrainer und der örtliche BA. Für diesen und die Anwohner sei der südliche Platz „identitätsstiftend“, ergänzt Kowitz.

Für die Umbenennung sei daher nur der nördliche – der „eigentliche“ – Thalkirchner Platz vorgesehen. Der südliche Teil sei „lediglich im Bereich des Grünstreifens und der Rampe ausgeschildert, da ein Großteil des Platzes nicht der Landeshauptstadt“ gehöre. Die Artemed Klinikum München Süd und das Internistische Klinikum hätten der Stadt zugesagt, auf dem Areal einen Gedenkort anzulegen, doch Lichtwitz und Silber bleiben skeptisch.

Kurt Lichtwitz hatte 1920 die „Wasserheilanstalt Bad Thalkirchen“ am Isarkanal zu einer modernen Klinik für innere, neurologische und gynäkologische Krankheiten ausgebaut. Heute steht dort besagte Artemed-Klinik.

„Mein Schwiegervater war beliebt in Thalkirchen. Er organisierte einen kostenlosen Mittagstisch für Arme“, erklärt Lichtwitz. Nach der Machtergreifung 1933 wurde Lichtwitz’ Klinik als „jüdischer Betrieb“ boykottiert.

Warten auf Ehrung

Sigmund Silber hat die Würdigung für den Arzt Kurt Lichtwitz vor etwa vier Jahren ins Rollen gebracht, beantragte die Umbenennung des südlichen Bereichs der Straße „Am Isarkanal“. Dort befand sich einst die ehemalige „Lichtwitz Klinik“. Auf diesen Vorschlag ist die Stadt nicht eingegangen. Zu hoch sei der bürokratische Aufwand, hieß es.

Der Kommunalausschuss stimmte aber für die Umbenennung des nördlichen Abschnitts „Am Isarkanal“ – einen unbelebten Straßenabschnitt mit parkenden Autos und Wertstoffinsel. „Eine beleidigende Ehrung“, kommentierten Silber und Lichtwitz damals. Jetzt entscheidet der Stadtrat neu.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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