München ehrt den König der Schlager

Beckmann wird 100: Gärtnerplatztheater plant große Gala

Altstadt „Ich wollt’, ich wär ein Huhn“, „Man müsste Klavier spielen können“, „Goodbye, Jonny“ – „Zehn, 15 Titel von Hans Fritz Beckmann kennt man auf Anhieb“, erklärt Christoph Maier-Gehring, Chefdramaturg des Gärtnerplatztheaters. Das Haus plant Ende Oktober eine Gala zu Ehren des großen Textdichters, der im Januar 100 Jahre alt geworden wäre: „Seine Lieder stoßen immer noch auf ein großes Interesse beim Publikum – und es ist uns wichtig, dass Münchner Künstler nicht in Vergessenheit geraten.“ Im Februar wird Maier-Gehring die Details mit Hans Fritz Beckmanns Witwe Inge besprechen. Beckmann war nach dem Krieg nach München gezogen und hatte dort bis zu seinem Tod 1974 Wohnung und Büro in der Wurzerstraße. „Dort haben auch Therese Giehse, Marianne Hoppe, Friedrich Holländer und auch Sigi Sommer gewohnt, es war ein Künstlereck, man hat sich ständig im legendären Max II getroffen“, erinnert sich Inge Beckmann. In seinem Stammlokal hinterließ ihr Mann, als er wusste, dass er an Lungenkrebs sterben würde, auch einen Abschiedsbrief für seine Freunde. Über ihren Mann, den sie im Flugzeug von Berlin nach München kennengelernt hatte, lässt sich Einiges erzählen. Dementsprechend soll auch eine kleine Ausstellung im Foyer des Gärtnerplatztheaters sein Leben dokumentieren: „Wir müssen ausnutzen, dass wir so nah an den Quellen sind“, freut sich Maier-Gehring. Denn Beckmanns Leben in München – ein Stück Zeitgeschichte. „Damals ging er zum Sigi-Sommer-Stammtisch im Klösterl in der St. Anna-Straße, und war ein guter Freund und Kunde von Rudolph Moshammer“, erzählt seine Witwe, „er liebte es extrovertiert, das zeigte sich auch an seiner Kleidung – und wenn er in einen Raum kam, füllte er ihn aus.“ Er war ein kluger, charmanter und humorvoller Mensch – ein Ästhet, der mit seiner großen Liebe zu schönen Dingen an der Maximilanstraße genau richtig lag. „Er war ein guter und gern gesehener Kunde im Feinkostladen Strauß, beim Blumen Großmann, beim Juwelier Hemmerle, in der Elly Seidl Confisserie, und auch in der Weinhandlung von Toni Schöpf, die ihn in ihrem grauen Kostüm bediente – eine ältere Dame aus einer alten Zeit.“ Sein Lieblingsgeschäft war die Buchhandlung Dessauer – „er hatte massenhaft Bücher“, erinnert sich seine Witwe. Leider sei von diesem künstlerischen Flair in der Maximiliansstraße nicht mehr viel geblieben – außer den Münchner Kammerspielen, damals sein Lieblingstheater. Beckmann nahm auch gerne an festlichen Anlässen teil, wie an der „Soirée der Stars“ im Deutschen Theater. „Die 60er- und 70er-Jahre in München – es war eine schöne Zeit.“ Maren Heußler Beckmann: Seine größten Hits „So oder so ist das Leben“ (1934), „Ich bin auf der Welt, um glücklich zu sein“, „Ich wollt’, ich wär ein Huhn“, „Im Hafen von Titica“ (alle 1936), „Paris, Du bist die schönste Stadt der Welt“, „Schön war die Zeit“, „Ich tanz mit Dir in den Himmel hinein“, „Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen“ (alle 1937), „Weil der D-Zugführer heute Hochzeit macht“, „Laß die Frau, die dich liebt, niemals weinen“ (beide 1938), „Du hast Glück bei den Frau’n, Bel ami“, „Good-bye, Jonny“, „Nur nicht aus Liebe weinen“ (alle 1939), „Man müsste Klavier spielen können“, „Vielleicht“, „Wind weht weit übers Meer“ (1941), „Frauen sind keine Engel“ (1943), „Mein Herz müßte ein Rundfunksender sein“ (1944), „Ich singe ein Lied von der Liebe“ (1947), „Diese Nacht ist die Nacht meiner Träume“ (1950), „Es geschehen noch Wunder“ (1951), „Heut Nacht an der blauen Lagune“ (1952), „In Paris wohnt das Glück“, „Ich möchte zurück auf die Bäume“, „Morgen früh geht ein Schiff auf Reise“ (alle 1953), „Erst ein Kuß, und dann trinken wir weiter“ (1954), „Gehn’s Sie bis zum vierten Stock“ (1955), „Ein Rummelplatz ist unser Leben“ (1958), „Sie träumten nur von amore“ (1960)

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