„Seit dem zweiten Lockdown sind die Leute sehr aggressiv“

Corona: Trotz Attest wird Münchnerin ohne Maske täglich angefeindet

München, Sendling: Ein ärztliches Attest befreit Christine Höpfl von der Maskenpflicht. Leichter macht das ihren Alltag trotzdem nicht.
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München, Sendling: Ein ärztliches Attest befreit Christine Höpfl von der Maskenpflicht. Leichter macht das ihren Alltag trotzdem nicht.

München/Sendling - Mit Attest ohne Mundschutz unterwegs: So schlimm wird eine Sendlingerin ohne Maske täglich in der Öffentlichkeit attackiert

  • Münchnerin muss wegen ihrer Erkrankungen keine Maske tragen
  • Beleidigungen und Diskussionen sind an der Tagesordnung
  • Das erlebt sie in Supermarkt und öffentlichen Verkehrsmitteln

München/Sendling - Eine Maske im Supermarkt und in den öffentlichen Verkehrsmitteln ist Pflicht. Wer Mund und Nase nicht bedeckt, muss mit einer Geldstrafe rechnen. Außer man kann bei einer Kontrolle ein Attest vorweisen, wie Christine Höpfl es stets in einer Klarsichtfolie bei sich trägt.

Doch straflos kommt die Sendlingerin damit ohne Maske nicht durch den Alltag. Beleidigungen, Anfeindungen und Diskussionen sind ihr ständiger Begleiter. Ihr Vorschlag: eine Kennzeichnung für Menschen, die von der Maskenpflicht befreit sind.

Mit Attest ohne Mundschutz unterwegs: Münchnerin bereitet das Tragen einer Maske Probleme mit dem Gleichgewicht

„Ich werde fast täglich angesprochen. Vor allem seit dem zweiten Lockdown sind die Leute sehr aggressiv“, berichtet Höpfl, die vor 20 Jahren einen Fahrradunfall erlitt. Seitdem kämpft sie mit epileptischen Anfällen, ist halbseitig gelähmt. Wegen der Epilepsie bereite ihr das Tragen einer Maske Probleme mit dem Gleichgewicht.

Nach ihrem Unfall gründete Höpfl eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Hirnverletzung. Auch dort seien Probleme beim Tragen einer Maske ein Thema.

Mit Attest ohne Mundschutz unterwegs: „Man ist ständig unter Druck und Hochspannung.“

Doch ein Attest wolle sich fast niemand ausstellen lassen: „Die meisten trauen es sich nicht, keine Maske aufzusetzen“, meint Höpfl und erzählt weiter von ihren Erfahrungen im Supermarkt: „Man ist ständig unter Druck und Hochspannung.“ Manchmal werde sie von fremden Menschen nach ihrem Attest gefragt, obwohl dazu nur die Polizei oder beispielsweise Mitarbeiter der Supermärkte bemächtigt seien.

Polizei München: Die meisten Menschen ohne Maske haben kein Attest

Im ÖPNV kontrollieren laut Sprecher Matthias Korte die Mitarbeiter der MVG, also zum Beispiel U-Bahnwache oder Fahrscheinprüfer, die Einhaltung der Maskenpflicht. Auf öffentlichen Plätzen die Polizei. Die Erfahrung in beiden Fällen ist die selbe. Polizei-Sprecher Sven Müller: „Nur die allerwenigsten Personen, die keine Maske tragen, haben ein Attest.“

Diese Masken-Verweigerer verstärken die Vorurteile gegen Menschen wie Höpfl. Die ist mit ihren Konflikten nicht alleine: „Before“, eine Münchner Beratungsstelle für Betroffene von Diskriminierung, fordert, dass Menschen, die keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen können, vor Anfeindungen geschützt werden müssen und ruft dabei vor allem zu gegenseitigem Respekt auf.

München: Betroffene wünscht sich eine Kennzeichnung für Menschen mit Masken-Attest

Höpfl aber geht weiter: Sie wünscht sich eine Art Kennzeichnung für Menschen, die von der Maskenpflicht befreit sind – beispielsweise ein Armband ähnlich einer Blinden-Binde. Damit sie endlich wieder ihre Ruhe hat. Und einkaufen gehen kann – ohne Maske und ohne Strafe.

Warum für einen weiteren Betroffenen U-Bahn fahren in München eine Qual ist

Hallo München hatte bereits im Mai über ein ähnliches Schicksal berichtet: Marcell Wegener leidet unter Kurzatmigkeit, da ihm ein Stück der Lunge fehlt. Aus diesem Grund wurde ihm vom Arzt ein Attest ausgestellt, das ihn von der Maskenpflicht befreit. Warum für den Schwabinger U-Bahn fahren eine Qual ist.

soph

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