„Wir wollen nicht weg“

Angst vor Luxussanierung: Mieter bitten Stadt um Schutz - diese lehnt Vorkauf jedoch ab

Der Wohnkomplex an der Gaißacher Straße, Ecke Esswurmstraße wurde verkauft. Bewohner befürchten eine Luxussanierung.
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Der Wohnkomplex an der Gaißacher Straße, Ecke Esswurmstraße wurde verkauft. Bewohner befürchten eine Luxussanierung.
  • Marie-Julie Hlawica
    VonMarie-Julie Hlawica
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Nachdem ein Sendlinger Wohnkomplex verkauft wurde, fürchten Bewohner teure Sanierungen. Die Stadt wurde gebeten, die Mieter zu schützen. Jedoch lehnte diese ihr Vorkaufsrecht ab.

Sendling - Die Unsicherheit ist groß in der Gaißacher Straße, Ecke Esswurmstraße. Der schlichte Wohnkomplex aus den 50er-Jahren mit über 50 Wohnungen wurde verkauft.

Einige Wohnungen stehen schon leer, Sanierungen sind angekündigt. Jetzt befürchten die Bewohner, dass mehr als nötig renoviert wird, die Mieten erhöht und sie sich ihre Bleibe nicht mehr leisten können.

Einer davon ist Martin Bögle (39): „Wir zahlen jetzt 13 Euro pro Quadratmeter für unsere dreieinhalb Zimmer Wohnung, mehr kann ich als Familienvater mit zwei Kindern kaum zahlen.“ Jennifer Till (35), die seit sechs Jahren in dem Haus lebt, zahlt einen Euro Kaltmiete mehr. Als Mietersprecher vertreten sie 25 Parteien.

„Natürlich muss instand gehalten werden – Nachtspeicheröfen und Bäder sind alt. Aber als wir vom Verkauf hörten, schrieben wir dem Stadtrat, baten, das Vorkaufsrecht wahrzunehmen um uns Mieter zu schützen.“

Die Mieter schlagen Alarm: Nach dem Verkauf des Gebäudes fürchten sie teure Sanierungen.

Doch der Stadtrat stimmte dagegen, verpflichtete den Käufer, die Versicherungskammer Bayern (VKB), auch nicht, eine sogenannte Abwendungserklärung abzugeben, die mit strengen, sozialen Vorgaben die Mieter im Erhaltungssatzungsgebiet schützt. Bögle und Till sind enttäuscht: „München muss für Münchner bezahlbar bleiben – die Stadt hätte kaufen müssen.“

VKB-Sprecher Jürgen Haux erklärt die Sanierungs-Pläne der Kammer: „Aktuell sind im Gebäudekomplex nur laufende Instandhaltung geplant.“ Mieterhöhung verneint die VKB zum „heutigen Tag“ und ein Gesprächs-Termin mit den Mietern vor Ort sei geplant.

Übrigens hat der Stadtrat nun doch noch auf den Verkauf reagiert: Aktuell fordert die Fraktion Die Linke/Die Partei von OB Dieter Reiter Aufklärung mit der Bitte, klare Vereinbarungen für die Mieter mit der VKB zu erreichen.

Das bringt das Vorkaufsrecht

Das Vorkaufsrecht der Stadt in Erhaltungssatzungsgebieten hat ausschließlich städtebauliche Zielsetzungen. Mit einer „Abwendungserklärung“ stellt die Stadt bei anderen Käufern aber sicher, dass etwa Mietpreisobergrenzen angegeben werden.

2020 wurden elf Abwendungserklärungen abgegeben, so 121 Wohnungen geschützt. Von Januar bis Mai 2021 wurde ein Vorkaufsrecht ausgeübt, 21 Wohnungen von der Stadt gekauft und drei Abwendungserklärungen abgegeben.

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