Mit Apps durch die Krise steuern

Sendlinger und Informatik-Professor über neue technische Möglichkeiten, um RGU zu entlasten

Florian Ziemann hat eine App für Kulturveranstaltungen entwickelt, die eine Nachverfolgung von Kontaktpersonen einfach möglich machen soll. An der TU indes wird ein anderes System getestet.
+
Florian Ziemann hat eine App für Kulturveranstaltungen entwickelt, die eine Nachverfolgung von Kontaktpersonen einfach möglich machen soll. An der TU indes wird ein anderes System getestet.

Mit Apps durch die Krise: Ein Sendlinger hat eine App zur Nachverfolgung bei Veranstaltungen entwickelt. Die TUM testet ebenfalls ein ähnliches Programm.

Das Gesundheitsamt kommt schon lange nicht mehr hinterher, wenn es darum geht, die Kontaktpersonen von Corona-Erkrankten zu informieren. Nun schaltet sich ein Sendlinger ein – der mit einer neuen App Abhilfe schaffen will.

„Da muss doch mehr gehen“, dachte sich Florian Ziemann also, der ein kleines IT-Unternehmen nahe der Implerstraße betreibt. Kurzerhand hat er eine App entwickelt, die bei Veranstaltungen eine lückenlose und schnelle Nachverfolgung von Kontakten ermöglichen soll.

Die App heißt „Hello Q!“, es gibt sie gratis zum Download und wurde im Sommer bereits bei Veranstaltungen im Muffatwerk getestet. „Das ist viel einfacher, als Namen auf Zetteln einzutragen“, sagt Ziemann, der außerdem Datenschutz verspricht und einfache Handhabe – es reicht, den QR-Code am Handy zu scannen.

Er will sich nun an die Stadt wenden und den Einsatz seiner App bewerben – zunächst kostenlos, um die Kulturbranche zu unterstützen. Auch der FC Bayern hat bereits Interesse am Einsatz der App angemeldet, wie er berichtet. Die dritte Bürgermeisterin Verena Dietl hat Ziemann zufolge ebenfalls Interesse bekundet.

Mit App gegen Corona Krise: Sendlinger entwickelt Programm zur Nachverfolgung

Beim Kulturreferat scheint die App indes nicht bekannt zu sein. „Es gibt inzwischen ja einige Apps“, sagt Sprecherin Jenny Becker, die sich zu „Hello Q!“ nicht äußern will – aus Neutralitätsgründen. Neben Dehoga und Privatunternehmen hat auch die TU München seit Semesterstart Anfang November ein System getestet, das offenbar etwas differenzierter als „Hello Q!“ eingesetzt werden kann.

„Hello Q! scheint mir eine einfache App zu sein, die dafür geeignet ist, etwa bei der Einlasskontrolle die Besucher zu erfassen“, sagt Georg Carle, Professor an der TU, der den Lehrstuhl für Netzarchitekturen und Netzdienste leitet. Aber, so sein Einwand: „Eigentlich will man ja mehr wissen: Wo ist die Person genau gesessen, wie lange hat sie sich dort aufgehalten?“

Verschiedene Ansätze: TUM testet App mit differenzierten Möglichkeiten

Ein solches System wird an Universität und Hochschule soeben getestet: Über eine App wird nicht nur erfasst, wer wie lange im Hörsaal ist, sondern auch, wo er sitzt. „Das System wurde aus allen Perspektiven auditiert und überprüft, auch, was die Datensicherheit angeht“, sagt der Professor.

Der Vorteil des Uni-Systems in seinen Augen: „Unser Referat für Arbeitssicherheit kann in Amtshilfe für das Gesundheitsreferat Aufgaben übernehmen und Ergebnisse weitergeben.“ ­Carle war bereits mit der bisherigen Gesundheitsreferentin in Kontakt und will sich in diesen Tagen um einen Termin bei der neuen Referatsleiterin, Christine Kugler, bemühen.

Denn er findet: „So wie sich die TU ihre Prozesse angeschaut hat, wäre es auch gut, wenn die Stadt das täte.“ Der Informatik-Professor hält es für durchaus sinnvoll, wenn Stadt, TU, aber auch Kulturveranstalter und App-Entwickler wie von „Hello Q!“ ihre Erfahrungen teilen würden. Das Referat für Umwelt und Gesundheit hat dazu auf Anfrage keine Stellung genommen.

Auch interessant:

Meistgelesen

Graffiti-Kunst statt Schmiererei – Künstler sollen Unterführung legal besprühen
Graffiti-Kunst statt Schmiererei – Künstler sollen Unterführung legal besprühen
Kunst gegen kahle Wände – Münchnerin entwirft modernes Konzept für Schule
Kunst gegen kahle Wände – Münchnerin entwirft modernes Konzept für Schule
BA kritisiert Projekt - Pfarrgarten in Sendling vorerst gerettet?
BA kritisiert Projekt - Pfarrgarten in Sendling vorerst gerettet?

Kommentare