Von den Fahrradfahrern verdrängt

Stundenlange Parkplatzsuche: Verfrachtet die Radlwende Autofahrer ins Abseits?

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Dort, wo früher in der Fraunhoferstraße Parkplätze waren, wurde mehr Raum für die Radlfahrer geschaffen.

Stundenlanges Suchen – oder 300 Euro Miete für einen privaten Stellplatz zahlen: Wer in der Stadt aufs Auto angewiesen ist, ist aufgeschmissen – wie in der Fraunhoferstraße.

Isarvorstadt – Runde um Runde durchs Viertel: Wenn Margit Jahn am Abend nach Hause kommt, sucht sie gut und gerne eineinhalb Stunden nach einem Parkplatz. Und dann ist da noch der Weg zu ihrer Wohnung in der Kolosseumstraße, der der Gehbehinderten Schmerzen bereitet. 

Ihr Leid hat sie bereits OB Dieter Reiter bei seiner Sprechstunde im zweiten Bezirk geklagt. Das Ergebnis: ein dreiseitiger Brief aus dem Rathaus – und bisher keine Verbesserung.

„Früher konnte ich einen Parkplatz in der Fraunhoferstraße finden, das ist jetzt ja auch nicht mehr möglich“, klagt die Informatikerin. Der Stadtrat hatte im Mai entschieden, in der Fraunhoferstraße 120 Parkplätze zugunsten eines Radstreifens zu streichen. 

„Man trifft solche Entscheidungen und nimmt keine Rücksicht auf alte und kranke Menschen“, kommentiert Jahn. Wer gesundheitlich nicht in der Lage sei, mit dem Fahrrad, zu Fuß oder den öffentlichen Verkehrsmitteln seine Ziele zu erreichen, werde ausgegrenzt. 

Margit Jahn ist verzweifelt: Wenn sie abends nach Hause kommt, sucht sie rund eineinhalb Stunden nach einem Parkplatz.

OB Dieter Reiter stellt klar: „Mir ist natürlich bewusst, dass es gerade für Menschen, die nicht weit zu Fuß gehen können, Parkplätze in unmittelbarer Umgebung geben muss.“ Deshalb habe man aktuell einige Maßnahmen ergriffen. 

Eine davon: Parkregelungen in der Cornelius- und der Westermühlstraße seien zugunsten von Bewohnerparken geändert worden. Das umfasse 89 Parkplätze. Reiter will die Situation aber weiter im Auge behalten, „um gegebenenfalls noch an der einen oder anderen Stelle nachzusteuern.“

Was den Radstreifen in der Fraunhoferstraße angeht, ergänzt der OB aber auch: „Man muss wissen, dass es in der Abwägung um die Sicherheit der Radfahrer geht.“

Wer sich dazu entscheidet, privat einen Parkplatz anzumieten, muss tief in die Tasche greifen: „290 Euro für einen Parkplatz! Und dann gibt es auch noch irrsinnige Wartelisten“, klagt Jahn. 

Verbessert sich die Lage in der Innenstadt deshalb nicht bald nachhaltig, muss Jahn schweren Herzens reagieren: „Für mich als gebürtige Münchnerin bleibt eigentlich nur die Alternative, aus der Stadt wegzuziehen. Und das finde ich traurig.“

Sophia Oberhuber

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