Kinder erziehen – Männersache?!

Vier Männer und 19 Frauen – absolut rekordverdächtig!: Bouchta Bari (35), Philippe Grimal (34), Daniel da Silva (27) und Joseph Herring (38, v. links) sind absolute Ausnahmen in Münchner Kitas: männlich, jung und gut ausgebildet. Die Pädagogen arbeiten in den beiden Filialen der zweisprachigen Kita namens „Infanterix“ am Harras und in der Leonrodstraße. Drei von ihnen sprechen Französisch als Muttersprache, Joseph Herring stammt aus den USA. Den Kleinen von Infanterix geben sie ihre Sprachkenntnisse weiter. Und mit ihrem Job sind die vier sehr zufrieden: „Wir gelten in München schon fast als Avantgarde“, sagt Daniel da Silva, der immer mit Kindern arbeiten wollte. Auch die Reaktionen von Freunden, Eltern und Bekannten seien gut: „Viele sagen, wir brauchen viel mehr von euch“, sagt Joseph Herring. Das will Infanterix auch. Bald stoßen zwei neue Männer zur Kita. Dann arbeiten hier sechs Männer mit 19 Frauen zusammen – rekordverdächtig!

Neues Projekt will mehr Pädagogen für Tagesstätten gewinnen – welche Herren bereits auf Münchens Kleinste aufpassen

MÜNCHEN Mehr Männer braucht das Land – vor allem in den vielen Kindertagesstätten, die momentan aus dem Boden sprießen. Denn wenn Münchens Kleinste ihre Tage in den Kitas verbringen, sind sie fast überall von Frauen umzingelt. Männliche Bezugspersonen fehlen meist. Das zeigen auch aktuelle Zahlen des Bundesfamilienministeriums: Laut der Studie „Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten“ sind bundesweit nur 2,4 Prozent der Erzieher, Pädagogen und Kinderpfleger in Kitas Männer. Dabei werden gerade die Ersatz-Papas von Eltern und (weiblichen) Pädagogen als „Bereicherung“ geschätzt. Das meint auch der Münchner Benjamin Tajedini, Chef der Kita „Infanterix“: „Gerade für Eltern ist es sehr angenehm, wenn sie sehen, dass mehr Männer da sind – und auch die Buben fühlen sich mehr zur Kita gehörig“, meint er. Tajedini versucht daher, so viele Männer wie möglich einzustellen. Derzeit arbeiten in seinen zwei Filialen fünf von ihnen – absoluter Rekord in München! Seine Erfahrungen könnten nicht besser sein. „Die Atmosphäre ist auch im Betrieb viel ausgeglichener – wenn nur Frauen in der Kita arbeiten, ist es viel stressiger.“ Dass so wenige Herren der Schöpfung mit dem Nachwuchs arbeiten wollen, liegt vor allem an der Bezahlung – die ist für viele noch viel zu gering. Und für die meisten Männer hat die Kinderbetreuung noch einen schlechten Ruf. Tajedini fordert deshalb: „Wir müssen klar machen, dass Erzieher kein reiner Frauen-Job ist!“ Das wünscht sich auch die Münchner FDP. Sie fordert per Antrag, dass die Stadt sich am bundesweiten Projekt „Mehr Männer in Kitas“ beteiligen soll: Das will ab 2011 mehr männliche Erzieher und Pädagogen gewinnen. Wie schön die Arbeit mit Kindern sein kann, wissen einige Münchner Männer bereits – sie gehören zu den wenigen, die in Kitas arbeiten. Hallo München stellt sie vor. tg, das

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