Honig? Nur Nebenprodukt

Ein Imker erklärt, warum Honig aus München besser ist und wie es um "Rettet die Bienen" steht

„Honigkauf ist Vertrauenssache“: Erich Huck im Garten seines Bienenhäusls im Südpark.
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„Honigkauf ist Vertrauenssache“: Erich Huck im Garten seines Bienenhäusls im Südpark.

Honig aus der Stadt München? Hallo besucht den Imker Erich Huck in Sendling und spricht über die Auswirkung von "Rettet die Bienen", das Leben einer Königin und Verantwortung.

  • Vor einen Jahr trat das Gesetz zum Volksbegehren "Rettet die Bienen" in Kraft.
  • Wie steht es seitdem um Königin, Honig und Drohnen in den Bienenstöcken.
  • Hallo München besucht einen Imker in Sendling. 

Über 1,7 Millionen Bayern hatten sich Anfang 2019 für das VolksbegehrenRettet die Bienen“ eingetragen und forderten, die Artenvielfalt besser zu schützen. Im August 2019 trat ein entsprechendes Gesetz in Kraft. Aber wie steht es heute um die Insekten? 

Nur ein Grund, um dem Imker Erich Huck auf dem Areal des Münchner Bezirksbienenzuchtvereins im Südpark einen Besuch abzustatten. Seit 1978 betreibt der 74-Jährige zusammen mit seiner Frau Monika eine Bienenzucht. „Das Referendum hat uns viele Blühwiesen gebracht, zum Beispiel am Luise-Kiesselbach-Platz. Das hilft uns Imkern sehr.“ 

Vor zehn Jahren hat die Imkerei von Erich Huck im Südpark  ein Zuhause gefunden.

Bienen in München - Hallo zu Besuch beim Imker in Sendling

Um 23 Bienenvölker, also etwa 1,4 Millionen Bienen, kümmern sich die beiden Sendlinger rund um das Holzhäuschen mit den grünen Fensterläden. Und das bedeutet vor allem eines – viel Arbeit: Königinnen züchten und markieren, Bienen über den Winter füttern, Krankheiten vermeiden. 

Wie das Leben im Bienenstock abläuft, wofür Honig eigentlich da ist und warum manche Imker laut Huck zu wenig Ahnung haben, lesen Sie hier. 

Warum Männer im Bienenstock ganz schlechte Karten haben

Die Chefin eines Bienenvolkes ist die Königin, die größer ist als die Arbeiterbienen und von Huck mit einem blauen Punkt markiert wird. Etwa vier bis fünf Königszellen sind pro Stock vorhanden. 

Die Bienenkönigin ist mit einem blauen punkt markiert.

Sobald die erste Königin schlüpft, zerstört sie die Zellen ihrer potentiellen Rivalinnen. Eine Bienenkönigin lebt drei bis fünf Jahre. Sie legt an einem Tag bis zu 3000 Eier. Zwei Prozent davon werden nicht befruchtet. 

Aus ihnen entstehen sogenannte Drohnen – männliche Bienen, die nur dazu da sind, die Königin zu begatten. Geboren werden die Drohnen im Mai. Sobald sie im Herbst nicht mehr gebraucht werden, müssen sie den Stock verlassen – und sterben. „Man hat schlechte Karten als Mann“, sagt Huck und lacht. „Es ist ein Frauenstaat.“

Was Bienen im Winter brauchen - 15-20 kg Kilogramm Zucker

Beim Imkern geht es nicht um den Honig, sondern darum, den Bienen bestmögliche Voraussetzungen zu bieten, Blüten bestäuben zu können. „Honig ist nur das Nebenprodukt“, sagt Huck

Viele Imker in der Stadt hätten zu wenig Ahnung. Das ärgert ihn: „Man muss Kurse besuchen, sonst wird den Bienen und der Natur nichts Gutes getan. Die meisten kaufen sich ein Volk, das den Winter dann nicht überlebt. Der Bauer lässt sein Kalb doch auch nicht sterben.“ 

Da sich die Insekten die kalten Monate über eigentlich von ihrem Honig ernähren würden, muss der Imker Zucker zufüttern: Und zwar etwa 15-20 kg Kilogramm pro Volk. Damit seine Bienen im Frühjahr fit sind, gibt es für Hucks Völker auch noch etwas Vitamine dazu.

Bester Honig aus München, da keine Monokulturen

„Der Stadthonig ist einer der besten Honigsorten“, sagt Huck. Der Vorteil an urbanen Gegenden sei, dass die Gärten dort nicht gespritzt werden. Ganz im Gegensatz zum Land, wo vor allem Raps stark mit Unkrautgiften versehen werde. „Die Bienen können auf dem Land verhungern, weil es nur Monokultur gibt.“ 

Im Münchner Südpark wartet hingegen ein ausgiebiges Pollen-Buffet auf die Insekten: Ahorn, Linden, Blumen in Vorgärten, Obstbäume. 

Bei Minusgraden kuscheln Bienen

Um den Winter zu überleben, formt das Volk um die Königin eine Traube, die stetig in Bewegung ist. So wechseln die Bienen im äußeren Teil der Traube weiter nach innen und anders herum. Im Innersten hat es trotz Außentemperaturen im Minusbereich 25 Grad.

S. Oberhuber

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