Grünwalder Lokal muss schließen und verkauft sein Inventar

Andenken ans Kult-Café

Das Café Fischer

Das Café Fischer (großes Foto) in Grünwald lockte Prominenz und ganz normale Leute gleichermaßen an – doch diese Zeiten sind vorbei. Das Kult-Lokal muss nach knapp 100 Jahren schließen. Kleiner Trost: Wer mag, kann sich ein Stück vom Café Fischer sichern. Denn der Inhaber verkauft das Inventar – vom Löffel bis zum Windsorstuhl

Maria Riedl schießen die Tränen in die Augen. „37 Jahre lang habe ich hier gearbeitet“, sagt die Kellnerin. Doch jetzt ist Schluss. „Wie es dann weiter geht, weiß ich noch nicht.“

Sie ist eine von sechs Mitarbeiterinnen, die seit Jahren im Café Fischer in Grünwald Gläser polieren, Cappuccino, Kaffee und Wasser auf Tabletts balancieren. Knapp drei Jahre vor seinem 100. Jubiläum schließt das Traditionshaus seine Pforten – für immer.

Zu groß sei es, mit seinen 270 Sitzplätzen drinnen und weiteren 200 draußen für einen reinen Kaffee- und Kuchenbetrieb. „Die Zeiten sind vorbei“, sagt Eigentümer Franz Hölzl ein wenig wehmütig. 1919 hatten seine Vorfahren die Konditorei eröffnet. Binnen kurzer Zeit hat es sich zu einem Kultcafé gemausert. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als große Teile der Münchner Innenstadt zerbombt waren, wurde das Café Fischer zu einem beliebten Ausflugsziel. Damals, erzählt Hölzl, war es eines der wenigen Cafés, das überhaupt sonntags geöffnet hatte. „Hier wurde getanzt und Live-Musik gespielt – das Haus war voll“, sagt der 63-Jährige. 

Eigentümer Franz Hölzl (ob.) im Café, das schon in den 1920ern Münchner nach Grünwald lockte.

Schwarz-weiß-Fotografien aus dieser Glanzzeit hängen im Café. Herausgeputzt, im Sonntagsgewand, mit Hut, sind darauf hunderte Menschen zu sehen, die auf der Terrasse dicht an dicht sitzen. Ringsum: alles grün. Grünwald damals weitaus kleiner, war kaum bebaut. Umso beliebter die Destination Fischer, wo es saftige Kuchen, sahnige Torten und Gebäck gab – der perfekte Ort, von dem man einen Sonntagsspaziergang starten konnte.

„Gerannt sind wir früher, damit jeder seinen Kuchen bekam“, sagt Riedl. Nicht nur diese turbulanten Zeiten wird sie nie vergessen. Auch die stillen Momente unter der Woche, wenn sich etwa Uschi Glas mit ihrer Tochter hier ein Stück Kuchen schmecken ließ. Oder Senta Berger ihren Kaffee genoss. Sogar deren Mutter war hier vorher schon Stammgast. „Wir kennen sie alle“, sagt die Bedienung und zählt sie auf, die Bayern-Stars, die Kessler-Zwillinge, die Schauspieler von Marienhof und und und. „Am nettesten waren oft die berühmtesten“, sagt sie. Mit vielen war sie per du.

Zu diesem Kapitel gibt es eigens eine Fotowand, auf der auch noch Thomas Gottschalk, und viele weitere Stars und Sternchen zu sehen sind. „Alles Gäste im Café oder Hotel“, sagt Hölzl. Sein Appartment-

hotel grenzt direkt ans Café an. Hier steigen regelmäßig die Schauspieler ab, die zu Drehs der Bavaria Filmstudios anreisen. Das Hotel wird zwar ein wenig umgebaut, bleibt aber erhalten. Wo jetzt noch die alten Windsor-Stühle im Café stehen, soll ein neuer Gastrobetrieb entstehen. Hölzl hat es an einen italienischen Gastronomen aus Augsburg verpachtet. Mediterrane Küche wird es geben, dazu bayerische Schmankerl. Wo jetzt die Kuchentheke ist, kommt eine Art Bar hin, wo Aperitifs geschlürft werden können. Noch vor Weihnachten soll das neue Gastrokonzept die ersten Gäste locken. „Für mich wird es dann ruhiger“, sagt Hölzl, der sich aus dem Geschäft zurück ziehen will. Hanni Kinadeter

Am 25. September schließt das Café. In den beiden darauffolgenden Tagen will Hölzl eine Art Flohmarkt veranstalten und das Inventar vom Löffel bis zum Windsorstuhl günstig im Café verkaufen.

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