Wie die Helfer die Flüchtlinge in Obersendling unterstützen wollen

Hier ziehen alle an einem Strang

Wenn die Münchner fleißig spenden, können Siraji (2. v. li.) und Camine, beide aus Mali, das Theraband bald durch Hanteln ersetzen. Biggy Kümpfel (li.) und Nadia Berbane rühren eifrig die Werbetrommel. Foto: das

Obersendling Theraband und Seilhüpfen waren gestern – wenn es nach den engagierten Betreuern der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge an der Hofmannstraße geht, sollen die jungen Männer bald die Hanteln stemmen.

„Wir wollen im Haus einen Fitnessraum einrichten“, sagt Biggy Kümpfel. Den Raum hat sie schon. „Aber wir brauchen Geräte und Maschinen.“ Rund 700 Personen wohnen momentan in der Obersendlinger Unterkunft – überwiegend junge Männer. „Die brauchen etwas zu tun, sonst fällt ihnen die Decke auf den Kopf“, sagt Nadia Berbane von der AWO, die etwa 40 aktive ehrenamtliche Helfer koordiniert. Darunter auch Margot Verlor und Gerhard Kring. Verlor will eine Strick- und Nähwerkstatt in dem ehemaligen Büroriegel einrichten. „Zur Zeit helfe ich immer mal wieder in der Kleiderkammer.“ Kring möchte mit den Flüchtlingen bald Fahrräder reparieren. Einige kaputte Drahtesel hat er schon zusammen. Das Leben in der Unterkunft ist für viele Bewohner schwer: Sie haben keine Arbeit, kaum Sprachkenntnisse, keine Perspektive. Die Gefahr in eine Depression abzurutschen sei allgegenwärtig. „Das Catering strukturiert den Tag“, sagt Berbane. So gut es geht, versuchen die Helfer die staatlichen Versäumnisse auszubügeln. „Wir haben Ehrenamtliche, die Deutsch lehren. Auch mehr Alphabetisierungskurse wären wichtig. Soweit ich weiß, bietet das bei uns nur eine an. Analphabetismus ist leider weit verbreitet“, sagt Kümpfel. Doch es gibt auch Erfolgserlebnisse: „Ein paar haben schon Arbeit in einem Fastfood-Restaurant hier in der Nähe gefunden. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten tun die Helfer alles, um ihren Schützlingen den Start in der Fremde etwas zu erleichtern – es gibt Patenschaften, Kinderbetreuung, Hilfe bei Arzt- und Behördengängen, sogar eine Laufgruppe. „Unser Lauftrainer sucht noch händeringend Laufschuhe und -kleidung.“ Doch noch immer fehlt es an allen Ecken und Enden. „Wir bräuchten mehr Personal, gut wären Leute, die Farsi oder Arabisch sprechen. Aber die Strukturen sind sehr starr. Die Bürokratie der Verwaltung erschwert uns oft die Arbeit“, sagt Berbane. Sie ist Halb-Syrerin und fast von Anfang an dabei, seit die Einrichtung im August letzten Jahres eröffnet wurde. „Ich habe als Ehrenamtliche angefangen, jetzt mache ich es hauptamtlich.“ Doch bei allem Engagement sei eines wichtig: „Man darf die Schicksale nicht zu nah an sich heranlassen.“ Denn psychologische Schulungen für die Ehrenamtlichen gebe es – wie in den anderen Bereichen auch – nicht. „Hier zu helfen bedeutet, offen an die Menschen heranzugehen und auch aus seinen Erfahrungen zu lernen.“ das

Wer Fitnessgeräte/-maschinen oder Laufschuhe (Größen 40 bis 43) spenden oder sich als Ehrenamtlicher engagieren will, kann sich per e-Mail an ehrenamt-gu-hofmannstrasse@awo-muenchen.de wenden

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