"Die Isar macht mein Haus kaputt"

Feuchte Wände, nasse Böden – Bewohnerin klagt über Bauschäden durch die Fluss-Renaturierung

Isarvorstadt Im Keller von Gisela Aeckerlein zieht es. Fenster und Türen stehen weit offen, „damit es trocknet“, sagt die 70-Jährige. An den Wänden blättert der Verputz ab, auf dem Boden sind dunkle Verfärbungen, Wasserflecken: In das alte Kellergemäuer dringt Wasser ein. Die Isarvorstädterin glaubt den Grund zu kennen: „Angefangen hat das mit den Arbeiten an der Isar“, sagt sie. „Der Fluss macht das Haus kaputt.“ Seit 1957 wohnt die ehemalige Museumsangestellte in einem denkmalgeschützten Altbau an der Auenstraße – unweit der Isar (kl. Foto). „Die ganzen Jahre war es trocken. Vor ungefähr einem Jahr wurde es dann feucht im Keller“, erzählt sie. Sogar Pfützen hätten sich zeitweise gebildet. Gisela Aeckerlein vermutet, dass der Wassereintritt mit der Renaturierung des Flusses zusammenhängt. Sie hat eine Firma beauftragt, um die Situation zu prüfen. Diese bestätigte, dass der Grundwasserspiegel nach der Regulierung der Isar angestiegen sei und Sickerwasser aufgrund der ungenügenden Abdichtung des Hauses ins Gebäude eindringe. Dieses Problem kennt auch Stadtrat Hans Podiuk. Mit einem Antrag an die Stadt unterstützt er Gisela Aeckerlein und ihre Nachbarn: Er fragt, ob die Stadt nichts davon gewusst habe, dass der Grundwasserspiegel aufgrund der Renaturierung angestiegen sei – und ob die Stadt für den Schaden der Bewohner aufkäme. Die Keller seien seit ihrem Bestehen von oft mehr als 100 Jahren immer trocken gewesen, meint Podiuk. Dazu Dagmar Lezuo, Pressesprecherin des Baureferats: „Das stimmt nicht. München ist eine Stadt, in der das Grundwasser sehr nah an der Oberfläche ist, da kommt so was häufiger vor.“ Dieses Jahr habe es vermehrte Niederschläge gegeben, weshalb die Isar mehr Wasser mitführe. Im Zuge der Isar-Renaturierung sei aber kein Eingriff in die Grundwassersituation vorgenommen worden. Gisela Aeckerlein geht es zunächst nicht um Schuldzuweisungen – sie will ihr Haus retten. Deshalb erkundigte sie sich beim Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) nach dem Stand des Grundwassers. Doch statt über den Messstand informiert zu werden, wurde sie aufgefordert, einen schriftlichen Antrag einzureichen und zusätzlich 25 bis 30 Euro Gebühren zu bezahlen. „Diese Bürokratie ist unverschämt!“ klagt sie. Ob die Stadt handelt, weiß Gisela Aeckerlein nicht. Aber sie kann nicht länger warten – die Zeit drängt, der schöne Altbau soll nicht noch mehr Schaden nehmen: „Mir liegt das Haus sehr am Herzen – ich will nicht zusehen, wie es verfällt“, so Aeckerlein. Deshalb hat sie für eine Teilsanierung bereits in die eigene Tasche gegriffen und für eine neue Abdichtung 4000 Euro bezahlt. 12 000 Euro würde die komplette Sanierung kosten. Daniela Schmitt

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