Bruhn: "So besiegte ich den Krebs"

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Comeback im Leben: der Sollner Schlagerkomponist Christian Bruhn an seinem Flügel.

MÜNCHEN Nach zwei Operationen sitzt Münchens Starkomponist (75) wieder am Klavier

Wunder gibt es immer wieder. Als Christian Bruhn dieses Lied für Sängerin Katja Ebstein schrieb, hätte er nicht gedacht, dass er selbst einmal ein Wunder erleben würde: Der Schlagerkomponist hat den Kampf gegen den Krebs aufgenommen – und gewonnen. „Ich bin dem Tod knapp von der Schippe gesprungen“, sagt der 75-Jährige erleichtert.

Drei Monate ist es her, dass der Sollner die niederschmetternde Diagnose erhielt: Darmkrebs. „Es war ein Schlag ins Gesicht für mich“, erzählt er. „Schließlich war ich ein Bär von Gesundheit und habe immer gedacht: Mir passiert so was nicht.“ Dabei hatte er noch Glück im Unglück: „Der Krebs hat sich bemerkbar gemacht. Wenn ich noch länger gewartet hätte, wäre es vermutlich zu spät gewesen.“ Von einem Moment auf den anderen wurde das Leben des gebürtigen Hamburgers, der mit Hits wie „Ein bisschen Spaß muss sein“ und „Liebeskummer lohnt sich nicht“ zu den erfolgreichsten Musikproduzenten der Schlagerszene gehört (siehe unten), vollkommen aus den Angeln gehoben. „Die Zeit im Krankenhaus wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht“, sagt er. Vollgepumpt mit Schmerzmitteln, focht er den Kampf gegen die bösartige Krankheit aus. „Auf dem Tiefpunkt habe ich gedacht: Das war’s jetzt.“ Doch er wollte nicht aufgeben, hielt durch – und das fast alleine. Von seinen Freunden schottete er sich ab. An sein Krankenbett ließ er nur seine Frau und seine Söhne.

Bruhn war fünfmal verheiratet, unter anderem mit Katja Ebstein. Sein 76. Geburtstag steht bald an. Bruhn will ihn mit Freunden im Asam-Schlössl feiern – denn für ihn ist sein zweites Leben wie ein Comeback. Und er will das Beste daraus machen, treibt viel Sport und ernährt sich gesund. „Es liegt in meiner Natur, dass ich mich nicht hängen lasse“, sagt er. Auch im Musikgeschäft will Bruhn weitermachen. Ideen für den nächsten Hit hat er einige, was aber fehlt, ist der passende Künstler. „Ich bräuchte wieder jemanden wie Mireille Mathieu oder Katja Ebstein, aber heute klingt ja jeder gleich“, bedauert er. Dennoch ist er keiner, der sich der Jugend verschließt. Junge deutsche Bands wie „Wir sind Helden“ oder „Silbermond“ findet er „nicht schlecht“. „Es kann ja nicht jeder ein Beethoven sein – oder ein Bruhn“, merkt er augenzwinkernd an.

Stolz auf seinen Erfolg kann er in der Tat sein. Bruhn ist einer der erfolgreichsten Komponisten der Nachkriegszeit, seine Lieder sind immer noch die größten Party-Hits. Dass nur wenige wissen, wer hinter Gassenhauern wie „Marmor, Stein und Eisen bricht“ steht – Christian Bruhn kann damit leben. „Ich war nie bei Kerner oder Beckmann“, sagt er. Zumindest hat er jetzt genug Zeit, das nachzuholen. Bei dem neu gewonnenen Lebensmut kommt der nächste Hit bestimmt. das

Zwei kleine Italiener, Alice im Wunderland & Captain Future – das Werk des Sollners 

Schlager:  

  • „Marmor, Stein und Eisen bricht“ (für Drafi Deutscher), 
  • „Ein bisschen Spaß muß sein“ (für Roberto Blanco),
  • „Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben“ (für Dorthe),
  • „Wunder gibt es immer wieder“ (für Katja Ebstein),
  • „Liebeskummer lohnt sich nicht“ (für Siw Malmkvist),
  • „Zwei kleine Italiener“ (für Conny Froboess),
  • „Aus Böhmen kommt die Musik“ (für Gitti und Erika),
  • „Drei Musketiere“ (für Conny Froboess),
  • „Meine Welt ist die Musik“ und „Der Stern von Mykonos“ (beide für Mireille Mathieu) und viele andere

Musik für Film und Fernsehen:

  • Wickie,
  • Heidi,
  • Sindbad,
  • Die Rote Zora und ihre Bande,
  • Timm Thaler,
  • Captain Future,
  • Alice im Wunderland

Musicals:

  • Florian auf der Wolke,
  • Mein Freund Wickie,
  • Heidi kehrt heim,
  • Sterntaler

Musik für Werbungen:

  • Milka,
  • McDonald’s,
  • Mon Chéri,
  • Kellogg’s Corn Flakes,
  • Perwoll,
  • Hacker Pschorr

Lieder-Zyklen:

  • Jame’s Tierleben,
  • Wilhelm-Busch-Zyklus,
  • Heinrich-Heine-Lieder

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