Isarvorstadt

Unser Kindergarten: ein Stück Heimat

Die älteste Kita der Isarvorstadt wird 90 Jahre alt – und die Gründungskinder feiern mit

München, 1927. Auf der Wiese vor der Kirche St. Andreas in der Isarvorstadt weiden Schafe – und für die dreijährige Elisabeth Mitz steht ein ganz besonderer Ereignis an: der erste Tag im neuen Kindergarten St. Andreas. Das war vor 90 Jahren – doch Elisabeth Mitz (großes Foto) und der Kindergarten sind noch immer eng verbunden. Die 93-Jährige lebt nach wie vor im Viertel, ganz nah an St. Andreas. Genau wie ihre Bekannte Ottilie Würzburger: Auch sie besuchte den Kindergarten, der dieser Tage sein 90-jähriges Bestehen feiert. Beide Seniorinnen sind zur Geburtstagsfeier der Einrichtung an der Adlzreiterstraße eingeladen – als Ehrengäste werden sie mit den Zwergerln über ihre Zeit im Kindergarten sprechen.

„Das vermittelt schon ein ganz besonderes Gefühl, dass da so an uns gedacht wird“, sagt Ottilie Würzburger. Die Rentnerin verbrachte ihr ganzes Leben in der Isarvorstadt. Sie überlebte die Attacke einer Fliegerbombe auf Kirche und Kindergarten unverletzt, spielte mit anderen Kindern in den Trümmern, heiratete in St. Andreas. Und auch der Trauergottesdienst für ihren verstorbenen Mann fand in der Kirche neben dem Kindergarten statt. „Der Kindergarten ist für mich und Elisabeth ein Stück weit Heimat. Ich weiß noch, als ich auf die Schule gehen sollte, hab ich mich zuerst geweigert“, sagt die Rentnerin.

Vieles ist heute freilich anders – nicht nur, dass keine Schafe mehr vor dem Kindergarten grasen. „Es gab weder verschiedene Gruppen oder Strukturen noch Mittagessen – dafür Miteinander in einem Raum und ‚Brotzeitdascherl‘.“ Klosterschwestern sorgten dafür, dass die spärlichen Spielsachen regelmäßig durchgewechselt wurden. Man machte damals das Beste aus den Kriegszeiten. „Ich hatte eine wirklich wundervolle Kindheit in St. Andreas“, sagt Würzburger.

Mit 100 Kindern in vier Gruppen, vier männlichen Angestellten und möglichst offenen Strukturen zeigt sich St. Andreas heute als modernes Haus. „Der Kindergarten wird von der Kirche St. Andreas unterstützt. Solche grundlegenden christlichen Traditionen wie Weihnachten oder Ostern versuchen wir schon zu vermitteln, aber wir würden einem Kind nie etwas aufzwingen“, sagt Pfarrer Stefan Maria Huppertz. Im Zentrum steht das Miteinander – deswegen ist für ihn die Feier mit den Seniorinnen so wichtig. „Wir wollen etwas zurückgeben.“ Was sich die Gründungskinder Mitz und Würzburger wünschen? „Dass wir nicht nebeneinander dahinvegetieren – sondern dass jeder ein bisschen auf den anderen aufpasst.“
Julia Langhof

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