Gewagte Visionen für den Gasteig

Sie steigen München aufs Dach

MÜNCHEN Studenten stellen gewagte Visionen für den Gasteig vor – und auch die Stadt zieht’s künftig nach oben

Freier Blick auf den Sternenhimmel, eingekuschelt in einer Wohnkugel mit 360-Grad-Panorama über die

Stadt. So sieht Marina Kellerbauers Vision für das Dach des Gasteigs aus. Die 22-Jährige (Foto li.) hat, wie zehn weitere Studenten der Akademie der Bildenden Künste, im Rahmen des Projekts „Rooftop.Action!“ ausgelotet, wie man das ungenutzte Dach des Kulturzentrums aus seinem Dornröschenschlaf holen könnte. Zu sehen sind die Entwürfe bis 18. Juni im Gasteig.

„Ich wollte etwas schaffen, was jeden anspricht, und bin dann beim Thema Schlafen gelandet“, sagt Kellerbauer. Sie entwarf ein Hotel mit 42 Kugeln, die als Schlafzimmer oder Gemeinschaftsräume fungieren. Der Clou: Die Kapseln haben eine drehbare Außenhülle – für den perfekten Blick in den Himmel.

Eine Utopie, natürlich. Doch auch das Münchner Planungsreferat will verstärkt auf Dachnutzung setzen – vor allem bei Neubauten: „Im Rahmen neuer Bebauungspläne wollen wir entsprechende Regelungen aufnehmen, dass gemeinschaftlich nutzbare Dachflächen entstehen”, sagt Referatssprecher Thorsten Vogel. Ideen gibt es viele: Schafe, die auf begrünten Dächern weiden, Stadtgärten oder Ausstellungsräume für Kunst (s. unten).

Auch auf dem Gasteig könnte die Kultur eine neue Heimat finden – und zwar in Form einer Freilichtbühne aus Stahl (kl. Foto). Der Entwurf stammt von Aaron Jungblut-Klemm (Mitte). „Mit einer Freibühne auf dem Dach könnte man das Theater im Gasteig toll inszenieren.“ Das Besondere: Als Rückwand der Bühne dient eine Fläche, auf die vom Innenhof des Gasteigs aus Bilder projiziert werden. Diese Projektion können auch Passanten von unten sehen. 170 Menschen finden in dem Theater Platz, das hat Jungblut-Klemm genau berechnet. Denn Vorgabe des Projekts war: wilde Ideen, aber keine absurden Konstruktionen. „Unsere Konzepte sind in sich schlüssig und könnten so gebaut werden. Das Einzige, was dagegen spräche, wäre die Statik”, sagt Jungblut-Klemm.

Doch der Gasteig muss ohnehin saniert werden – warum nicht gleich das Dach entsprechend ausbauen? Lohnen würde sich das auch für Dominika Noacks Entwurf „Baden mit Ausblick“. „Nach einem Tag im Gasteig ist das Baden auf dem Dach die Krönung“, sagt die 26-Jährige (re.). Die Besucher schwimmen im Rundum-Strudel, immer mit freier Sicht auf die City.

Ob es in München irgendwann eine Parallelwelt geben wird, eine Stadt über der Stadt? Woanders ist das schon Realität, Beispiel Kairo. Dort sind die Bewohner aufs Dach ausgewichen, weil sich viele das Leben unten an der Straße nicht mehr leisten konnten. Und das zumindest kennt man auch schon in München... Isabel Steffens

Schafe, Kunst & Gärten

Schafe, Kunst & Gärten Eine Blumenwiese, auf der Schafe weiden, dazu Bienenkörbe und Obstbäume –

das planen die Bauherren auf dem Dach der ehemaligen Pfanni-Fabrik am Ostbahnhof (Visualisierung). Das Paul-Ottmann-Zentrum am Westkreuz in Aubing soll währenddessen begrünte Rampen bekommen, durch die die Dächer erschlossen werden. In der Wohngenossenschaft Wagnis in Riem gibt es bereits einen Dachkräutergarten – „Urban Gardening“ wünscht sich auch der Auer Bezirksausschuss für das Paulaner-Areal. Und in Obersendling bespielt der Künstler Flatz ein Atelier im Freien – auf dem Dach des Hirmer-Hauses an der Kistlerhofstraße. ist

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