Ausgeraucht im Außenbereich?

Rauchverbot in München wegen Corona – Verein und Bürger fordern Maßnahmen für Freischankflächen der Gastronomie

„Wir wollen eine Regelung wie in Spanien, also ein Rauchverbot auch im Freien, wenn ein Mindestabstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann“, erklärt ein Pressesprecher vom Verein Pro Rauchfrei.
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„Wir wollen eine Regelung wie in Spanien, also ein Rauchverbot auch im Freien, wenn ein Mindestabstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann“, erklärt ein Pressesprecher vom Verein Pro Rauchfrei.

Wegen hohen Corona-Zahlen in München fordern Bürger & Verein ein Rauchverbot auf Freischankflächen der Gastronomie. Was ein Arzt, die Stadt & das Gesundheitsministerium dazu sagen.

  • Forderungen für Rauchverbot auf Freischankflächen der Gastronomie.
  • Was ein Arzt, die DEHOGA und die Stadt von dem Vorschlag halten.
  • Die aktuelle Corona-Lage in München.

86 neue Corona-Infektionen in München an einem Tag – zuletzt gab es solche Zahlen in München im April. Angesichts der Entwicklung wird eine Forderung immer lauter: Auf den Freischankflächen von Gastronomiebetrieben soll verboten werden, zu rauchen. 

Der Grund: Durch den Zigarettenrauch werde das Coronavirus stärker verbreitet. Die Idee ins Rollen gebracht hat Henri Kuntowitz, der bereits 2015 gegen Zigarettenautomaten an Bahnhöfen vorging. „Ein Rauchverbot auf Freischankflächen ist eine Notwendigkeit, um eine zweite Corona-Welle zu verhindern“, ist sich der 44-Jährige aus Planegg sicher. Sowohl OB Dieter Reiter als auch Ministerpräsident Markus Söder sowie Bundestags- und Kreistagsabgeordneten hat Kuntnowitz sein Anliegen schon geschildert. 

Wegen Corona – Rauchverbot für Freischankflächen der Gastronomie in München gefordert

Unterstützung bekommt Kuntnowitz jetzt vom Verein Pro Rauchfrei. Der geht aber noch weiter: „Wir wollen eine Regelung wie in Spanien, also ein Rauchverbot auch im Freien, wenn ein Mindestabstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann“, erklärt Pressesprecher Siegfried Ermer. Dort gilt das strengere Qualm-Verbot seit wenigen Tagen, um die aktuell stark steigenden Infektionszahlen wieder einzubremsen.

Siegfried Ermer vom Verein pro Rauchfrei.

 Eine ähnliche Empfehlung verlangt Pro Rauchfrei jetzt vom Robert-Koch-Institut. Eine erhöhte Infektionsgefahr durch Zigarettenrauch sei inzwischen durch Studien belegt, argumentiert der Verein mit Sitz in München

Corona verhindern durch Rauchverbot für Freischankflächen?

Ganz so einfach ist es laut Dr. Rainer Ahrens nicht: „Eine Ansteckung wird begünstigt durch tiefes Atmen“, so der Chefarzt der Inneren Medizin am Münchner Helios-Klinikum. „Beim inhalativen Rauchen könnte ebenfalls mit einem erhöhten Ausstoß von Aerosolen und Tröpfchen zu rechnen sein. Nachgewiesen wurde dies meines Wissens noch nicht.“ 

Auch dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA lägen derzeit keine Erkenntnisse über eine erhöhte Infektionsgefahr durch Raucher vor, so Kreisgeschäftsstellenleiterin Daniela Ziegler. Gleichwohl sehe man im Qualm-Verbot für Freischankflächen einen „interessanten Vorstoß“, der aber im Moment nicht durchsetzbar sei. „Die Gäste hätten dafür wohl nur wenig Verständnis, weil ja auch im Außenbereich ein Abstand von 1,5 Meter gilt.“ 

Bei der Stadt München ist ein verschärftes Rauchverbot noch nicht im Gespräch. Ohnehin: „Eine Erweiterung auf Außenbereiche wie Freischankflächen kann ausschließlich auf Landesebene festgelegt werden“, teilt das KVR mit. 

Auf Hallo-Anfrage beim Bayerischen Gesundheitsministerium antwortete ein Sprecherin: "Wir werden auch weiterhin genau prüfen, welche Maßnahmen notwendig und verhältnismäßig sind. Oberste Priorität hat weiter der Schutz der bayerischen Bevölkerung. Für die Einführung eines Rauchverbots wäre auch eine Prüfung der Verhältnismäßigkeit auf Grundlage sämtlicher maßgeblichen Umstände erforderlich.“

Die aktuelle Corona-Lage in München

Aktuell sind in München nach Angaben der Stadt 819 Menschen akut mit dem Coronavirus infiziert. In den Krankenhäusern ist die Lage dennoch überschaubar. 

  • In der München Klinik Schwabing werden derzeit sechs Covid19-Patienten betreut, davon drei intensiv. 
  • Am LMU-Klinikum Großhadern gibt es zur Zeit acht bestätigte Fälle (drei auf der Intensivstation).
  • In den Münchner Helios-Kliniken sind es drei nicht-beatmete Patienten in Pasing. 
  • Gar keine Corona-Infizierten gibt es aktuell im Klinikum rechts der Isar.

rea/kf

Hallo München-Umfrage der Woche

Wir haben die Münchner gefragt: „Rauchverbot auch auf Freischankflächen und Co. – Was halten Sie davon?“ 

Zdislava Lukas (19) aus der Maxvorstadt: „Mich würde es nicht stören, wenn es ein Verbot für Freischankflächen gibt. Für mich als Raucherin ist es generell wichtig, dass der Abstand eingehalten wird. Solange keine große Gruppe rumsteht und raucht ist alles gut.“

Zdislava Lukas (19) aus der Maxvorstadt

Arno Lettmaier (54) aus Unterschleißheim: „Ich bin ein Nicht-Raucher und finde Rauchen grundsätzlich nicht wirklich toll. Ich hätte kein Problem mit einem Rauchverbot. Aber am wichtigsten ist mir, dass draußen auch genügend Abstand gehalten wird.“

Arno Lettmaier (54) aus Unterschleißheim

Leonie Metzger (22) aus Moosach: „Das ist eine sehr gute, unterstützenswerte Idee. Restaurants sind ein Ort zum Essen und nicht zum Rauchen. Leute, die rauchen wollen, sollten sich wenn dann bewusst vom Restaurant distanzieren und außerhalb rauchen.“

Leonie Metzger (22) aus Moosach

Umfrage: faya

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