Wünsche der Schutzgemeinschaft

Bei der Ramersdorfer Bürgerversammlung ging es in diesem Jahr bei den Anträgen und Anfragen quer durch den Stadtteil und quer durch alle Themenbereiche. Nur einmal gab es zwei Wortmeldungen zur selben Angelegenheit. Die Redner stammten von der „Schutzgemeinschaft Ramersdorf“, die ihren Wunschkatalog zu einer „gefälligeren“ Neubebauung der GWG-Siedlung an der Haldenseestraße samt Reduzierung des Sozialwohnungskontingents vortrug.

Die Schutzgemeinschaft sorgte mit ihrem Auftritt für einige Verblüffung bei der Versammlung. Statt der angemeldeten und von Bürgermeisterin Christine Strobl aufgerufenen Bürgerin Heike Bedrich stürmte die Schutzgemeinschafts-Vorsitzende Bettina Rubow zum Rednerpult, um den perplexen Zuhörern zu erklären, dass man nun über die Neubaupläne der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG für das Viertel zwischen Bad-Schachener-, Krumbad-, Haldensee- und Hechtseestraße referieren werde. Neubebauung Die aus den 30er Jahren stammenden Häuserblöcke sollen abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Auf der gegenüberliegenden Seite der Bad-Schachener-Straße, in der Maikäfersiedlung, gebe es bereits neue Häuser. Nach Ansicht der Schutzgemeinschaft „billige und nicht ansprechende Wohnblöcke“, die „nicht verträglich für Bewohnerschaft und Ökologie“ seien. Zudem habe eine viel zu starke Nachverdichtung stattgefunden. Weshalb man sich „Sorgen um die Zukunft des Viertels“ mache, so Rubow und nun vortragen werde, „was wir uns da wünschen würden“. Nämlich „eine gefälligere Bebauung, die den Charakter des Viertels erhält“, außerdem müssten die Grünstrukturen erhalten bleiben. Sprach’s, trat wieder ab und überließ dem als nächsten angemeldeten Redner Gabriel Reichl das Mikrophon. Der formulierte dann die Anträge: Man wolle eine Neubebauung, die sich der Umgebung Hechtsee-/Krumbadstraße anpasse. Als Vorbild könne der Neubau an der Ecke Hechtsee-/Adam-Berg-Straße gelten. Die neuen Häuser sollen mit Satteldach und maximal drei Vollgeschossen an der Bad-Schachener-Straße und maximal zwei Vollgeschossen im Innenbereich gebaut werden. Man beantrage eine maßvoll nachverdichtete Neubebauung, die „den Dialog zwischen den neuen Bewohnern und den Anwohnern fördert und ihn nicht durch bauliche Abschottung verhindert“. Die Bebauung entlang der Krumbad- und Hechtseestraße soll als „innenliegende Bebauung“ ausgeführt werden. Zudem forderte die Schutzgemeinschaft Informationen zum aktuellen Planungsstand und eine Bürgerbeteiligung zum Planungsverfahren im Rahmen einer Einwohnerversammlung. Weitere Ansprüche Heike Bedrich, die ursprünglich als Erste zum Rednerpult kommen sollte, meldete anschließend weitere Ansprüche an. Der Baumbestand im Viertel müsse erhalten werden, vor allem die Alleen entlang der Krumbad-, Haldensee-, Hechtsee- und Bad-Schachener-Straße. Zudem müssten die Bäume bereits jetzt gehegt und gepflegt werden. Man habe bei der Schutzgemeinschaft rund 100 erhaltenswerte Bäume und Gehölze gezählt; wertvolle Baumgruppen, die ein wichtiger Feinstaubfilter seien. So wie es jetzt an der Echardinger Straße aussehe, wolle man es auf keinen Fall, betonte Bedrich und zeigte ein Foto von der Straßenfront der Neubauten dort. „Wir wollen freie Plätze zum Spielen und Erholen.“ Zudem forderte sie von der GWG, bei der Neubebauung Verkehr, Kindergärten, Schulen, die Nahversorgung und Ärzte zu berücksichtigen. Und einen Anteil freifinanzierter Wohnungen zu errichten. „Wir wollen die Münchner Mischung – ein Drittel Sozialwohnungen, ein Drittel geförderte Wohnungen und ein Drittel freifinanziert -, um die soziale Struktur in der Siedlung zu gewährleisten.“ Für alle Forderungen gab es von der Bürgerversammlung mehrheitliche oder einstimmige Unterstützung. Noch kein Baurecht „So weit, wie Sie mit Ihren Gedanken sind, soweit sind wir noch gar nicht“, erklärte GWG-Geschäftsführer Edmund von Thermann. Man rede gerade mit der Stadtplanung, um das Baurecht dort zu erwirken. „Es gibt nämlich noch kein Baurecht.“ Deshalb werden nun erst einmal der Antrag auf einen Bebauungsplan gestellt und die entsprechenden Vorbereitungen geschaffen. Dabei gebe es dann auch die rechtlich vorgeschriebenen Bürgerbeteiligungen. „Keine Sorge, dass Sie da überfahren werden!“ Wettbewerb Zudem werde es für die künftige Art der Neubebauung noch einem Wettbewerb geben. Wie HALLO erfahren hat, will die GWG das Preisgericht wohl Ende des Jahres einberufen. Bis gebaut werden könne, würden erfahrungsgemäß noch drei bis vier Jahre vergehen. Von Thermann machte jedoch auch deutlich, dass die städtische Wohnungsbaugesellschaft für geförderten Wohnungsbau stehe. Carmen Ick-Dietl

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