Münchner Verein "Wohnen für Hilfe" vermittelt alternative Wohngemeinschaften

Eine WG für Jung und Alt

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Ein gutes Team: Medizinstudentin Anna (links) und Elsa Bohlender. Der Münchner Verein „Wohnen für Hilfe“ vermittelt in München und im Landkreis jungen Menschen Wohnraum bei Senioren.

In einer WG wohnen, ohne Miete zu zahlen. Das hört sich wie ein Traum für einen Studenten oder jungen Menschen in der Ausbildung an, der in einer so teuren Stadt wie München lebt. Doch es ist möglich: Das Münchner Projekt „Wohnen für Hilfe“ vermittelt jungen Menschen ein Zimmer in einer Wohnung eines Senioren. Anstatt Miete zu verlangen, freuen sich die älteren Mitbewohner über Unterstützung im Alltag.

Da kann der Altersunterschied zweier WG-Bewohner durchaus 60 Jahre betragen. In München und im Landkreis, ob in Trudering, Perlach oder in Sauerlach, gibt es Wohngemeinschaften, bei der sich ein Älterer mit 80 Jahren und ein wesentlich jüngerer Mensch, der studiert oder sich in der Ausbildung befindet, gefunden haben. Der Münchner Verein „Wohnen für Hilfe“ vermittelt seit 1996 generationsübergreifende Wohnpatenschaften. An den Verein wenden sich entweder alleinlebende Menschen oder auch Paare, die in einer größeren Wohnung ein Zimmer übrig haben. „Und anstatt Kaltmiete zu verlangen, freuen sich die älteren Menschen über Unterstützung im Alltag“, sagt Marion Schwarz, Geschäftsführerin von „Wohnen für Hilfe“. Ein Quadratmeter zur Verfügung gestellter Wohnfläche entspricht einer Stunde Hilfe im Monat. Die Nebenkosten werden pauschal bezahlt. Ebenso sind bei dem in München-Neuhausen sitzenden Verein Studenten, Auszubildende und Berufseinsteiger richtig, die gerade auf Zimmersuche in München und im Münchner Landkreis sind. „Wir vermitteln ein Zimmer an junge Menschen, die sich vorstellen können, bei der Gartenarbeit zu helfen, die schwere Einkaufs­tasche zu tragen, eine Hausarbeit wie das Fensterputzen zu erledigen oder gemeinsam mal zu Abend zu essen“, sagt Schwarz und fügt hinzu: „Eben bei allem zu helfen, was im Alltag so anfällt.“ So freut sich ein Senior auch, wenn da jemand ist, der ihm zum Arzt begleiten kann oder mit dem man zusammen abends ins Theater geht. Doch die Geschäftsführerin stellt auch gleich klar, dass zu den Aufgaben keine Pflege gehört: „Ein junger Wohnpartner muss weder Stützstrümpfe anziehen noch ist er für die Gabe von Medikamenten zuständig, dafür gibt es Pflegedienste.“ Doch ganz gleich ob gleichaltrige junge Menschen in einer WG zusammenwohnen oder ob sich Jung und Alt eine Wohnung teilen, eines muss stimmen: die Chemie.

Zwei Wohnpartner, die gut zueinander passen

Marion Schwarz und ihre Mitarbeiter nehmen sich daher viel Zeit, in Gesprächen vorab herauszufiltern, was ein Wohnungssuchender besonders gut kann, was ihm liegt oder was er nicht mag. „In Einzelgesprächen recherchieren wir sorgfältig, was die Hobbys sind, wo die Interessen und Neigungen liegen“, so Schwarz. Im Idealfall erwähnt der junge Mensch, dass er gerne Klavier spielt und Schwarz und ihre Mitarbeiter haben in ihrer Datei jemanden, in dessen Wohnung ein Klavier steht und der sich sehr freuen würde, wenn endlich wieder jemand darauf spielen würde. „Es geht darum, herauszufinden, wofür jemand brennt. Dann können wir eine gute Auswahl treffen.“ So sitzen künftig vielleicht zwei Fußball-Fans beieinander und schauen samstags die Sportschau. Oder zwei Fotografen teilen die Leidenschaft für gute Bilder. Schwarz betont, dass sich beide Seiten bei ihrer Entscheidung, ob sie sich eine WG miteinander vorstellen können, viel Zeit lassen dürfen. „Manche vereinbaren, mal für ein Wochenende zusammen zu wohnen“, erzählt sie. Nachdem dann ein Wohnraumüberlassungsvertrag abgeschlossen wurde, gelten die ersten vier Wochen ohnehin noch als Probezeit. „Wir begleiten aber auf alle Fälle den ganzen Prozess und stehen beiden Wohnpartnern zur Seite“, sagt Schwarz. Meist besteht eine Wohnpartnerschaft zwischen zwei bis vier Jahren. Aber Schwarz kennt eine WG, in der ein junger Mann seit zwölf Jahren ein Zimmer bewohnt. „Der junge Mann, ein Chinese, promoviert mittlerweile.“ Sowohl Alleinlebende als auch Paare haben in ihrer Wohnung oder in ihrem Haus ein Zimmer frei, das ein junger Mensch beziehen könnte. Es müssen ja nicht immer Senioren sein, die sich über einen jungen Menschen und dessen Unterstützung im Alltag freuen. Es gibt Fälle, da leidet ein Partner an Parkinson oder Demenz und der Angehörige freut sich, wenn er noch jemanden in der Nähe hat und im Alltag nicht allein ist. Ebenso sollte ein junger Mensch aber auch bedenken, dass wenn er viel Trubel mag und oft Party machen will, diese Form des Zusammenlebens nicht so ideal ist. Denn es kann schon vorkommen, dass sich der Ältere auch Gedanken macht, wenn der junge Mitbewohner die ganze Nacht nicht heimkommt. „‚Wohnen für Hilfe‘ ist so bunt und vielfältig wie das Leben“, sagt Schwarz. Der eine Zimmersuchende möchte möglichst zentral in der Stadt ein Zimmer finden. Ein anderer sehnt sich nach einem Zimmer in einem Haus, zu dem ein Garten gehört. Ein Mitbewohner ist mitteilungsbedürftig und freut sich, wenn er abends vom Tag erzählen kann. Andere Wohnpartner wiederum genießen es, wenn sie zusammen schweigen können.
Verena Rudolf

Zimmersuchende oder Menschen, die ein Zimmer in einer Wohnung oder in einem Haus in München oder im Landkreis München zur Verfügung stellen können, wenden sich bei Interesse an einer Wohngemeinschaft an „Wohnen für Hilfe“ beim Seniorentreff Neuhausen an der Leonrodstraße 14b unter Telefon 13 92 84 19 20 oder per E-Mail an wfh@seniorentreff-neuhausen.de.

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