Wohnen und arbeiten im Saliterhof

Ein Wohn- und Geschäftshaus soll an Stelle des Saliterhofs in Perlach entstehen – allerdings mit „altem Gesicht“. Foto: Charly D

Ein Wohn- und Geschäftshaus soll das alte Gebäude Ecke Sebastian-Bauer-/Scherbaum-straße ersetzen. Wegen des Ensembleschutzes im Perlacher Ortskern erhält der Neubau wieder das alte „Gesicht“ des ehemaligen „Saliterhofs“, allerdings mit einem zeitgemäßen Make-up.

Das Schild an der Hauswand ist der Hinweis: Das Gebäude an der Sebastian-Bauer-Straße 14 ist ortsgeschichtlich bedeutend. Es ist der so genannte „Saliterhof“. Seit 1706 wird das Anwesen am Hachinger Bach, das 1612 erstmals urkundlich erwähnt wird, so genannt. Nun soll das historisch interessante Anwesen samt Nebengebäuden einem Neubau weichen. Anstelle des ehemaligen landwirtschaftlichen Hofes soll ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Alte Optik Das neue Gebäude soll jedoch die alte Optik wieder erhalten. „Wir werden die ortstypische Erscheinung so weit es geht beibehalten“, erklärt der von den Besitzern beauftragte Architekt Claus Schuh. Der Neubau erhalte an der Sebastian-Bauer-Straße quasi das alte Gesicht des derzeitigen Gebäudes wieder, allerdings mit einem modernen Make-up. Keine Kopie, sondern eine zeitgemäße Interpretation. „Neuer Putz, neue Fenster, aber eben angepasst an Perlach.“ Die Planungen seien in einem langen Procedere mit der Denkmalpflege und der Baubehörde abgestimmt worden. Die Denkmalpfleger seien da relativ unnachgiebig, erzählt der Architekt. „Da darf nicht ein Fenster mehr drin sein.“ Andererseits müssen auch die geltenden Auflagen berücksichtigt werden. Wie beispielsweise die Abstandsregelungen. Deshalb rückt der Neubau im Vergleich zum derzeitigen Gebäude geringfügig nach Süden. Insgesamt jedoch wird die Baumasse nach Angaben von Schuh „zierlicher, gemäßigter, nicht mehr ganz so gewaltig“. Neue Mietwohnungen Entstehen sollen Mietwohnungen, zwischen 60 und 120 Quadratmeter groß, sowie zwei Gewerbeflächen im Erdgeschoss und im ersten Stock. „Weil der Eigentümer niemandem zumuten will, mit seinen Fenstern direkt am Gehweg der Sebastian-Bauer-Straße zu wohnen.“ Arzt, Versicherung, Rechtsanwalt – etwas in dieser Richtung stellt man sich hier vor. „Sauberes Gewerbe.“ Die Eigentümer sind aus Perlach und wollten bewusst das Anwesen nicht an einen Bauträger verschachern, der es danach vielleicht in verschiedene Häppchen aufgeteilt hätte, sondern innerstädtisches, familiengerechtes Wohnen schaffen. Der alte Saliterhof muss übrigens auch aus einem anderen Grund weg: „Da sitzt der Käfer drin, das Gebäude ist nicht sanierfähig.“ Aufgrund der Verbundenheit mit Perlach hat man sich auch viele Gedanken zum Verkehr gemacht. Das Hofgebäude an der Sebastian-Bauer-Straße und die beiden großen Schuppen dahinter seien eigentlich eine Gewerbenutzung; der dazu gehörende Lkw-Verkehr trage Immissionen ins Viertel. Dies komme zwar nun weg, allerdings folge durch die Wohnnutzung mehr Personenverkehr und die Nachfrage nach Stellplätzen. „Wir wollen deshalb die bestehende Tiefgarage unter dem Lagerhaus mit der neuen Tiefgarage verbinden.“ Das sei zwar mehr Aufwand, aber auch nachhaltiger. Auch darin sehe man die Verbundenheit der Bauherrn zum Ort. „Ideal wäre es, von einer Seite nur in die Tiefgarage rein und an der anderen Seite nur aus der Tiefgarage raus zu fahren“, so Schuh. Damit werde der Verkehr auf zwei Straßen umgelegt und die Sebastian-Bauer-Straße habe nicht die komplette Last zu tragen. Um die Tiefgarage zu erschließen, soll das alte Brennhaus wiederhergestellt werden. „Alte Erscheinung, neue Bedeutung.“ Der heute noch versiegelte Innenhof werde begrünt, erläutert Architekt Claus Schuh. „Eher wie ein Garten.“ Er sieht insgesamt eine Verbesserung für Perlach. Denn ganz ehrlich: Die gegenwärtige Erscheinung sei nicht gerade eine Zierde für den historischen Ortskern. BA-Stimmen Ein Bauvorhaben, das durch die Neubewertung Perlachs durch die Landesdenkmalbehörde „befeuert“ wurde, hieß es im Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach kritisch. Die Stadtteilpolitiker warnten davor, jetzt Bausünden zu begehen, die in zehn Jahren bitter bereut würden. Deshalb sei sorgfältig zu prüfen, ob möglicherweise noch historisch wertvolle, denkmalgeschützte und deshalb erhaltungswürdige Bausubstanz“ vorhanden sei. Unzufrieden zeigte man sich wegen der Situierung der Tiefgarage unterhalb des Hofbereichs. Sie müsse unter die Neubauten verlegt werden, um eine Versiegelung der Hoffläche zu vermeiden. Gleichzeitig regten die BA-Mitglieder zusätzliche Stellplätze für die künftigen Mieter an, denn die Parkraumnot sei in der Umgebung schon jetzt sehr groß. Ein wenig Angst hat man beim Baustellenverkehr. Zum Schutz der Anwohner müsse es hier entsprechende Auflagen geben. Carmen Ick-Dietl

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