1. hallo-muenchen-de
  2. München
  3. Ramersdorf-Perlach-Berg am Laim

Wöhrl-Mitarbeiter demonstrieren gegen Filialschließung am pep

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Mitarbeiter des kurz vor Insolvenz stehenden Modehauses Wöhrl entzündeten vergangenen Mittwoch ihre Kerzen nicht aus weihnachtlicher Vorfreude: Mit einer Lichterkette protestierten unter dem Motto „Kündigung statt Weihnachtsgeld“ zehn der insgesamt 40 Mitarbeiter der Filiale im pep und treue Wöhrl-Kunden gegen die geplante Schließung.
Mitarbeiter des kurz vor Insolvenz stehenden Modehauses Wöhrl entzündeten vergangenen Mittwoch ihre Kerzen nicht aus weihnachtlicher Vorfreude: Mit einer Lichterkette protestierten unter dem Motto „Kündigung statt Weihnachtsgeld“ zehn der insgesamt 40 Mitarbeiter der Filiale im pep und treue Wöhrl-Kunden gegen die geplante Schließung. © tom

Die Adventszeit hat begonnen. Doch die Mitarbeiter des kurz vor Insolvenz stehenden Modehauses Wöhrl entzündeten vergangenen Mittwoch ihre Kerzen nicht aus weihnachtlicher Vorfreude: Mit einer Lichterkette protestierten sie gegen die anstehende Schließung ihrer Filiale am Standort pep.

Ein aus brennenden Kerzen geformtes Herz ziert den Boden vor den Perlacher Einkaufspassagen (pep). Dahinter stehen, in dicke Winterjacken gehüllt, rund zehn Mitarbeiter der Neuperlacher Wöhrl-Filiale. Verunsichert sind sie — angesichts der anstehenden Schließung ihrer Niederlassung. Auf selbstgemachten Schildern eröffnen sie ihre Gefühle der Enttäuschung: „Wir fühlen uns im Stich gelassen“ und „Wir standen zu Wöhrl, aber Wöhrl nicht zu uns“ heißen einige der Parolen, die die Verkäufer bei der demonstrativen Lichterkettenaktion vergangenen Mittwoch vor dem Haupteingang des pep in die Höhe streckten. „Wir sind heute hier versammelt, um unser Herzblut zum Ausdruck zu bringen“, erklärt Sabine Dötsch. Die 53-Jährige aus München-Nord ist stellvertretende Vorsitzende im Betriebsrat und bereits seit 28 Jahren bei Wöhrl tätig. Trotz der schwierigen Situation wünsche sie allen Mitarbeitern ein frohes Weihnachtsfest.

Es sei gerade die Symbolkraft der Adventszeit, die man hier nutzen würde, um mit dem Kerzenlicht Trauer und stilles Gedenken zu symbolisieren: „Mit unseren Kerzen wollen wir Aufmerksamkeit schaffen bei den Kunden. Sie sollen sehen, wie mit den Mitarbeitern hier umgegangen wird“, sagt Dötsch. Denn der Arbeitgeber habe sich in dieser schwierigen Zeit alles andere als vertrauenswürdig gezeigt. Dominik Datz von der Gewerkschaft ver.di erklärt, weshalb die Mitarbeiter in eine ungewisse Zukunft blicken: „Bis vor knapp zwei Monaten hieß es noch, dass eine alternative Filiale gebaut würde, in der alle Beschäftigten aus dem pep zusammen arbeiten könnten.“ Doch die vielversprechende Idee sei „über Nacht gestorben“, erzählt Datz weiter. Das Geld für weitere Investitionen hätte scheinbar gefehlt. Dabei hätte der Bau einer neuen Filiale gerade einen Personalabbau verhindern können: „Die Wöhrl AG wollte ursprünglich einen nahtlosen Übergang ermöglichen. Das neue Geschäft sollte zusammen mit einem Hotel und einem Supermarkt neben den Riem Arkaden gebaut werden“, berichtet der 33-Jährige weiter. Nun müssten sich die rund 40 Mitarbeiter am Standort pep von einer solchen Beschäftigungsgarantie verabschieden. Die Schließung der Neuperlacher Filiale sei längst beschlossene Sache.

„Bisher haben wir noch keine offizielle Kündigung bekommen. Ich weiß nicht genau, wann die kommt. Sie reden immer von März, April“, erzählt die 58-jährige Neuperlacherin Annemarie Schierl. Auch sie ist bereits seit 18 Jahren bei Wöhrl beschäftigt. Dass ihr Arbeitsplatz nun wegfalle, sei für Schierl jedoch keine Überraschung gewesen: „Es ging immer schon ein bisschen auf und ab. Und früher hieß es auch schon, dass hier im pep mal geschlossen wird“. Dabei waren langjährige Mitarbeiter wie Schierl und Dötsch schon immer ein Markenzeichen der Nürnberger Traditionsfirma gewesen. Das Vertrauen, das die Verkäufer zu ihrem Arbeitgeber aufgebaut hatten, sei „nun gebrochen“, sagt Datz bestimmt. Denn alles, was dieser seinen treuen Arbeitnehmern anbiete, wäre – nach aktuellem Stand der Gewerkschaft – eine Abfindung über zweieinhalb Monatsgehälter sowie die Möglichkeit, sich erneut an einem anderen Wöhrl-Standort zu bewerben.

„Einfach unverschämt“, findet die 52-jährige Neuperlacherin Conny Grabrucker. Seit 28 Jahren ist sie treue Stammkundin des Modegeschäfts in der Einkaufspassage an der Ollenhauerstraße 6. „Das sind doch Mitarbeiter, die mit dem Laden alt geworden sind“, klagt sie. Schockierend sei es, wie mit dem Personal hier umgegangen werde, so Grabrucker. Dabei hätte sie gerade den kompetenten Service des Modegeschäfts stets geschätzt: „Man kennt die Leute hier und sie kennen dich.“ Dieser Meinung schließt sich auch Renate Rebele an. Die 58-Jährige aus Neuperlach hat im Wöhrl bereits vor 20 Jahren die Kinderkleidung für ihren Sohn eingekauft. „Heute ist er 26. Und noch immer kaufe ich hier für ihn ein“, erzählt Rebele.

Mit kurzfristigen Informationen und Unsicherheit möchten sich die Verkäufer des Wöhrl nun nicht länger zufrieden geben. Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft ver.di und der Wöhrl AG sollen in den kommenden Wochen Klarheit bringen. „Der erste Termin wird sicherlich noch vor Weihnachten abgehalten“, erklärt Datz. Denn geschlagen geben werden sich die Kollegen den Perlacher Einkaufspassagen nicht: „Wir wollen einen rechtlich verbindlichen Vertrag“, insistiert Datz. Denn reden könne jeder. Und Taten sagen nun mal mehr als Worte.

Tamara Tomasevic

Auch interessant

Kommentare