„Sunday“, ein Gottesdienst für junge Menschen im Werksviertel

Die Theologie als roter Faden

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Roger Schmidt, Katharina Freisleder, Christoph Jahnel, Claudia Häfner, Norbert Roth, Verena Übler und Michi Stritar (von links nach rechts) sind sieben der derzeit acht Prediger des „Sunday“-Projekts.

Mehr junge Menschen besuchen einen Gottesdienst, wenn man ihnen ein bisschen entgegenkommt. Das protestantische Projekt „Sunday“ unternimmt seit einem Jahr einmal im Monat diesen Versuch. In der NachtKantine im Werksviertel in Berg am Laim wird „Sunday“ gefeiert. Ein Team organisiert unter einem Thema einen mehrsprachigen Gottesdienst mit viel Musik.

Die Themen lauten „Chill mal“, „lovestories“ oder „lost & found“. Dann wiederum geht es um Freiheit, ein anderes Mal ums Abschiednehmen. Themen, die das allgemeine Leben und den Alltag betreffen. Einmal im Monat findet seit Ende vergangenen Jahres ein „Sunday“-Gottesdienst im Werksviertel in Berg am Laim statt. Genauer gesagt in der NachtKantine, dem Restaurant und der Bar an der Grafinger Straße 6. Acht protestantische Pastoren aus München wie Verena Übler von der Berg am Laimer Rogatekirche, Michi Stritar von der Evangelischen Jugend München oder Hochschulseelsorgerin Claudia Häfner gestalten abwechselnd, aber jedes Mal gemeinsam mit jungen Ehrenamtlichen, einen der Gottesdienste. „Sunday — urban christian life“, so der vollständige Name des neuen Projekts, denn der Gottesdienst soll sowohl städtisch, christlich als auch lebendig sein. Vor allem aber wollen die acht Pfarrer eines: Mit einem modernen Gottesdienst junge Menschen ansprechen.

Nach dem Gottesdienst noch auf ein Bier „Als wir die Idee hatten, solch einen Gottesdienst speziell für junge Leute zu organisieren, waren wir natürlich auch bald auf der Suche nach einem richtigen Veranstaltungsort und fragten uns, welche Münchner Kirche für unser Projekt geeignet ist“, erzählt Pfarrerin Claudia Häfner von der Evangelischen Hochschulgemeinde an der TUM. Durch einen persönlichen Kontakt — Häfner kennt Pfanni-Erben Werner Eckart vom Werksviertel — kam dann die NachtKantine ins Gespräch. „Und die ist natürlich jetzt ein idealer Veranstaltungsort für unser Projekt, vor allem auch, weil es dort Pizza oder Getränke gibt für alle, die nach dem Gottesdienst noch verweilen möchten.“ Für „Sunday“ sollen sich junge Gottesdienst-Besucher nicht sonntags in aller Herrgotts- frühe aufmachen, da waren sich Häfner und Mitorganisator Roger Schmidt, Leiter des Collegium Oecumenicum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, einig. „Unser Gottesdienst muss abends stattfinden, das war uns von Anfang an klar“, so die 45-jährige Häfner. So beginnt „Sunday“, meist am ersten Sonntag im Monat, um 17 Uhr. „Viele kommen jedoch schon vorher und bestellen sich noch einen Kaffee, ein Bier oder eine Schorle.“ Und auch danach dürfe man gerne noch verweilen und gegebenenfalls das Gespräch mit anderen Teilnehmern suchen. „90 Besucher hatten wir beim letzten Mal, als wir in die im Werksviertel benachbarte Knödelalm ausweichen mussten“, berichtet Häfner. Darunter seien viele Studierende, die zwischen 20 und 30 Jahre alt sind. Aber natürlich ist auch ein Mittvierziger ebenso willkommen, wenn er sich für das Format des „Sunday“-Projekts interessiert. Als Hochschulpfarrerin weiß Häfner, dass in München auch viele Studenten leben, die hauptsächlich Englisch oder eine andere Sprache sprechen. Auch diese jungen Menschen aus aller Welt möchte das „Sunday“- Team erreichen und gestaltet daher die Gottesdienste mehrsprachig. Die Predigten sind zwar auf Deutsch, doch es gibt Dolmetscher. Die Bibeltexte und andere an die Wand projizierten Beiträge sind auf Englisch. „Jeder soll mitfeiern können“, betont Häfner. Dieser Internationalität unterscheidet sie von anderen Gottesdiensten in München. „Doch die klassischen Elemente gibt es bei uns auch: Votum, Predigt, Vaterunser und Segen als Bestandteile der gewöhnlichen christlichen Liturgie“, erklärt die Protestantin. Hinzu kommen indes die Musik, andere Rituale wie das Anzünden von Kerzen und Momente der Stille. Ganz klassisch sind die „Sunday“-Gottesdienste eben doch nicht, aber dennoch sollen sie nicht den Charakter eines Events haben, stellt die Pastorin klar. Mittlerweile wirken etwa 15 junge Menschen ehren- amtlich bei der Gestaltung Gottesdienste mit. „Und wir acht Haupt- ehrenamtlichen, also wir Pfarrer, haben stets einen Blick drauf, dass sich die Lutherische Theologie wie ein roter Faden durch das Projekt zieht und dass wir so gemeinsam eine Marke entwickeln.“ Für alle beim Projekt Mitarbeitenden sei es daher eine große Bestätigung gewesen, dass ihr Gottesdienst-Projekt „Sunday“ mit dem landeskirchlichen Ehrenamtspreis ausgezeichnet wird. Geehrt werden vier Projekte in Bayern rund um das Thema „missionarisch Kirche sein“. „Damit hatten wir nicht gerechnet und das ist natürlich total toll, ein Preisgeld in Höhe von 1000 Euro zu bekommen“, freut sich Häfner. Am 8. Dezember wird dem „Sunday“-Team der Preis im oberfränkischen Bad Berneck überreicht. „Der Preis ist für uns alle nicht nur eine Anerkennung unserer Arbeit, sondern hat auch den Effekt, dass es uns motiviert, so weiterzumachen“, so Häfner. Es gäbe schon einen festen Kern an immer wiederkehrenden Besuchern, freut sie sich. „Alles ist denkbar, auch das seine Gemeinde entsteht. Aber dass es so ein Projekt gibt, muss sich erst mal herumsprechen. Wir freuen uns über alle neuen Besucher!“ Verena Rudolf

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