Wanderarbeiterlager am S-Bahnhof Perlach

Schwierige Situation

In Perlach haben sich offenbar rumänische Wanderarbeiter im Gebüsch eines noch unbebauten Grundstücks nahe des Perlacher S-Bahnhofs eingenistet. Die Menschen hausen in Unterkünften aus Planen, Brettern und sonstigem Abfallmaterial. Mittlerweile ist die Stadt über die „wilden Camper“ informiert und sucht nach Lösungen. Was aber schwierig ist.

Zudem ist die Lage vor Ort offenbar etwas undurchsichtig. Auch, weil bei den Besuchen von Streetworkern und Polizei tagsüber keine Personen anzutreffen sind. Doch es genügt, was man sieht und vor allem riecht. Aus diversem Material, hauptsächlich Abfall, wurden diverse Unterschlupfmöglichkeiten auf dem Gelände geschaffen, gut versteckt hinter Büschen und Hecken. In der ganzen Umgebung liegt Müll. Und: „Es stinkt bestialisch“, so Perlachs CSU-Fraktionssprecher Thomas Kauer, der sich das Lager persönlich angeschaut hat. 

Ähnliches berichtet auch ein Anlieger, der sich jetzt beim Bezirksausschuss (BA) Ramersdorf-Perlach gemeldet hat. Tagsüber würden die Menschen dort ausschwärmen, erst nachts wieder eintreffen. „Natürlich gibt es keine Toilette und der Abfall türmt sich inzwischen schon meterhoch.“ Bei warmem Wetter mache sich ein unangenehmer Geruch breit.

Erbärmliche Zustände

Ganz „erbärmliche Zustände“ seien das, unter denen die Menschen dort hausen würden, erklärte Kauer auf der jüngsten BA-Sitzung. Seit gut einem halben Jahr sind die Leute nach Angaben der Nachbarn offenbar schon vor Ort. So gut versteckt, dass sie anfangs wohl niemand bemerkt hat. Mit der Zeit sei das Lager auf etwa acht Unterkünfte angewachsen, so der Anlieger, der von einem guten Dutzend Leuten ausgeht. Das Problem für die Anwohner: „Wir wissen nicht genau, wer das ist, was die bei uns machen und wie sich das weiter entwickelt. Und diese Ungewissheit macht Angst.“ 

Ähnliche Camps

Zumindest eins ist inzwischen klar. Es handelt sich um rumänische Wanderarbeiter. Es nicht das einzige Lager in München. Beim Kreisverwaltungsreferat sind in den vergangenen Wochen aus ganz München ähnliche Camps gemeldet worden. „Sie sind überall und werden immer mehr“, bestätigt Anton Auer vom Evangelischen Hilfswerk. Kein Münchner Problem, alle Kommunen würden darunter leiden und seien relativ hilflos. In Berg am Laim hat die Polizei nach Hinweisen ein derartiges Lager in Bodensenken auf einem Bahngelände gefunden. Nachdem der Eigentümer Strafanzeige gestellt hat, ist man dort nun tätig geworden. Aber eigentlich sei es keine „polizeiliche Lage“, erklärt die Polizei auf Anfrage. Schließlich seien Rumänen normale EU-Bürger. 

Arbeitskreis

In der Münchner Stadtverwaltung wurde nun ein referatsübergreifender Arbeitskreis zu dem Thema gegründet. Ganz grundsätzlich will die Stadt solch „wildes Campieren“ im Stadtgebiet nicht dulden und deshalb alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen. Aber: Jeder gemeldete Fall soll in einer Einzelfallprüfung gesondert behandelt werden. Und mit Augenmaß hinsichtlich Räumung, Alternativangeboten und Ähnlichem beurteilt werden, wie Sozialreferentin Brigitte Meier erklärt. 

Das Referat hat das Evangelische Hilfswerk eingeschaltet, wo es zwei Mitarbeiter zur Betreuung von obdachlosen Zuwanderern gibt. In Perlach sei eine Beratung hinsichtlich medizinischer und karitativer Hilfe durchgeführt worden; ein Angebot zur Finanzierung der Heimkehr nach Rumänien wurde allerdings abgelehnt. „Da die hygienischen Verhältnisse vor Ort und die dort vorgefundenen Lebensumstände insgesamt besorgniserregend waren, sind weitere Begehungen durch das Evangelische Hilfswerk vereinbart worden“, so Meier. 

Eine Gruppe habe das Lager inzwischen verlassen, berichtet Kauer. Der Rest, eine siebenköpfige Familie, sollte ebenfalls abziehen – zurück in ihre Heimat. Das Amt für Wohnen und Migration hätte die erforderlichen Bustickets bezahlt. Doch die Leute haben die Fahrscheine nicht abgeholt. „Ihre Sachen sind noch da“, erzählt Anton Auer. 

Problem Temperaturen

Doch im Freien zu übernachten, wird angesichts der Temperaturen immer problematischer. Das so genannte Kälteschutzprogramm greift erst ab 1. November. Dann gibt es ausgewiesene Schlafplätze im Warmen. Etwa 400 Plätze wird es dafür in München geben. Bis dahin müsse man aufpassen, „dass uns niemand erfriert“, so Auer. 

Die ganze Situation mit den obdachlosen Zuwanderern könne noch schlimmer werden, wenn ab Januar 2014 Rumänen und Bulgaren freien Zugang zum EU-weiten Arbeitsmarkt genießen, prophezeit Auer. Der Deutsche Städtetag klagt bereits über die „Armutseinwanderung“. Die Kommunen könnten die wachsenden Zuwandererzahlen nicht allein bewältigen, so der Städtetag-Präsident, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude. 

Carmen Ick-Dietl

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