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Vorerst keine Verfüllung der Kiesgrube Roth im Perlacher Wald

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Die Kiesgrube Roth wird nicht verfüllt — zumindest vorerst.
Die Kiesgrube Roth wird nicht verfüllt — zumindest vorerst. © oh

Die Eigentümer der Kiesgrube Roth im Perlacher/Truderinger Wald haben ihren Antrag auf Auffüllung des Grubengewässers zurückgezogen. Damit ist ein eventueller Ankauf des Geländes zum Erhalt des Biotop- und Artenschutzareals erst mal vom Tisch.

Weil die Grundstückseigentümer das Haftungsrisiko einer Trinkwasser-Verunreinigung nicht länger tragen wollten, hatten sie die Stadt aufgefordert, eine wasserrechtliche Anordnung zur Verfüllung des Baggersees zu erlassen. Die Kiesgrube Roth liegt nicht nur im Landschaftsschutzgebiet, sondern auch in der weiteren Schutzzone des Wasserschutzgebiets Trudering/Putzbrunn und außerdem im Bannwald. Auf dem sechs Hektar großen Grundstück hat sich ein Grundwassersee gebildet, um den sich wertvolle Biotopflächen entwickelt haben. Im Arten- und Biotopschutzprogramm ist die Kiesgrube Roth daher als „landesweit bedeutsamer Lebensraum“ ausgewiesen. Dort brüten verschiedene gefährdete Vogelarten: Der bayernweit gefährdete und europarechtliche Laubfrosch nutzt den Weiher als Laichgewässer, auch geschützte Wildbienen und einige gefährdete Fledermausarten sind hier beheimatet.

Doch durch den zunehmenden Freizeitdruck auf das Gelände, speziell im Teil mit dem See, ergaben sich zuletzt immer mehr Konflikte für den Trinkwasserschutz. Das offen gelegte Wasser fließt nämlich in den Versorgungsbrunnen des Förderwerks Trudering, das mit einem Prozent zur jährlichen Trinkwasserversorgung der Stadt beiträgt. In Extremsituationen wie Trockenheit oder Problemen bei anderen Förderwerken ist das Truderinger Förderwerk für eine schnelle Grundversorgung der östlichen Stadtteile unentbehrlich, weil es direkt in die Versorgungsleitungen einspeisen kann. Zudem ist es das einzige Förderwerk im Stadtgebiet, das München mit Trinkwasser versorgt. Was wäre, wenn Unbekannte den See und in der Folge das Trinkwasser verschmutzen würden? Was, wenn diese Verunreinigungen im Ernstfall Münchner Bürger schädigen würde? Besser verfüllen und diese Probleme damit ausschließen, dachten sich offensichtlich die Eigentümer. Doch wie das Kommunalreferat jetzt erläutert, müsste dafür eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung erteilt werden, die die Eigentümer vom Verbot auf Tötung der Tierarten und der Zerstörung der Fortpflanzungsstätten freispricht. Gleichzeitig müsste zudem ein Ersatzhabitat geschaffen werden.

Als Alternative käme die Einzäunung des Sees in Frage, was bisher an den Kosten für Bau und Wartung des Zauns scheiterte. Wegen dem Haftungsrisiko und dem Aufwand haben bislang auch die Stadtwerke als Wasserversorger und die Stadt den Erwerb des Teilgeländes stets abgelehnt. Doch selbst im Kommunalreferat glaubt man nicht, dass sich das Thema jetzt endgültig erledigt hat. „Wir gehen davon aus, dass ein eventueller Ankauf immer wieder einmal diskutiert werden wird.“ 

Carmen Ick-Dietl

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