„Von vorn bis hinten eine Frechheit“

Erst „ungeeignete Baumpflegemaßnahmen“, dann ein Bauvorhaben: Das Vorgehen im Biergarten Ecke Putzbrunner Straße/Waldheimplatz lässt die Baumschutzbeauftragte des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach, Andrea del Bondio (SPD), schäumen. Foto: privat

Erst wurden die Bäume im Biergarten an der Ecke Putzbrunner Straße/Waldheimplatz so angesägt, dass sie aus Sicherheitsgründen gefällt werden mussten, nun soll auf der so frei geräumten Fläche ein Mehrfamilienhaus gebaut werden. Die Baumschutzbeauftragte des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach, Andrea del Bondio (SPD), schäumt angesichts dieses Vorgehens.

„Von vorne bis hinten eine Frechheit“, schimpft del Bondio (SPD). Auslöser für ihren Ärger ist eine Bauvoranfrage zur Bebauung des Grundstücks Ecke Waldheimplatz/Agrippastraße. Es handelt sich um den Biergarten des neu eröffneten „Café Waldperlach“, vormals Gaststätte Waldmeister. Der Besitzer fragt nun bei der Lokalbaukommission der Stadt an, ob auf dem Grundstück ein Mehrfamilienhaus möglich ist. Dabei führt er an, dass das Areal zwar mit der Festlegung „Fläche mit zu erhaltendem Baumbestand“ im Bebauungsplan stehe, diese Festsetzung aber wohl keine Gültigkeit mehr habe. Schließlich habe die Stadt selbst die Bäume auf dem Grundstück als nicht mehr erhaltenswert eingestuft und der Fällung im April vergangenen Jahres zugestimmt. Damit stehe dem Bauvorhaben ja wohl nichts mehr entgegen. Die Ersatzpflanzungen, die Auflage bei der Fällerlaubnis waren, könnten übrigens entlang der Grundstücksgrenzen rund ums Haus vollständig erfüllt werden. Ungeeignete Maßnahmen „Es wird mit keinem Wort erwähnt, dass ungeeignete ,Baumpflegemaßnahmen’ zur Einstufung als Gefahrenbäume des gesamten Baumbestands auf dem Grundstück führten und deshalb die Fällgenehmigung erteilt wurde“, ärgert sich die Baumschutzbeauftragte des Bezirksausschusses 16. Bei den Biergarten-Kastanien wurden damals an den Stammenden pyramidenförmige Keile rausgesägt. Nach Aussage des Eigentümers habe dies ein Gutachter angeordnet, um zu prüfen, wieweit die Fäulnis in den angeblich pilzbefallenen Bäumen schon fortgeschritten sei. Das Ansägen der Baumstämme hatte deren Standsicherheit so gefährdet, dass alle gefällt werden mussten. Das Kreisverwaltungsreferat sperrte den Biergarten sogar vorübergehend wegen der Gefahrenbäume. Nachträgliche Legalisierung Ein positiver Bau-Vorbescheid würde nachträglich den „Baumfrevel“ legalisieren und könnte auch zu Nachahmer-Effekten führen, so Andrea del Bondio. Sie sieht bei der vorgelegten Planung keine Chance für die Ersatzbäume. Auf die aber pocht die Baumschutzgutachterin. „Keine Ausgleichszahlung!“ Und wenn dazu eine Umplanung der Baumaßnahme nötig wäre. Die Stadtteilpolitiker sind über den gesamten Vorgang mehr als empört und haben die Stadt deshalb aufgefordert, die geplante Baumaßnahme am Waldheimplatz mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern. Im Planungsreferat bestätigt man nur den Eingang der Vor-anfrage. Die Prüfung erfolge derzeit, mehr könne man dazu noch nicht sagen, so Referatssprecher Thorsten Vogel. Allerdings sei im nördlichen Bereich des Grundstücks gar kein Bauraum vorhanden. Der Architekt des Antragstellers hatte aufgrund der eingezeichneten Baugrenzen gefolgert, dass es sich dann um ein Baugrundstück handle, wenn die Festsetzung zur Grünordnung (erhaltenswerter Baumbestand) keine Rechtswirksamkeit mehr besitze. Carmen Ick-Dietl

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