Kein Zimmer frei im Münchner Osten

Verzweifelte Wohnungssuche in Berg am Laim

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Mohamed Khanina lebt seit über 40 Jahren in Deutschland und fühlt sich dem Land zugehörig. Allerdings fühlt er sich von seiner lieb gewonnen Stadt München im Stich gelassen.

Der Anteil derer, die es nicht betrifft, wird immer geringer: Zu hohe Mieten bringen Münchner in schwierige Lebenssituationen. Einer von ihnen ist Mohamed Khanina, der trotz Trennung in einer Wohnung mit seiner Ehefrau wohnen muss.

„Deutschland ist meine Heimat und München ist eine der schönsten Städte überhaupt“, sagt Mohamed Khanina. Er kommt ursprünglich aus Marrokko, lebt aber schon seit etwa 45 Jahren in Deutschland. Er sitzt gerne in seinem „Stammcafé“ Aumüller in Berg am Laim. Doch der Rentner hat mittlerweile ein gespaltenes Verhältnis zu der Stadt, in der er lebt. Besonders die Zustände im Münchner Osten würden schlechter, meint Khanina. „München ist für mich zu einer Horror-Stadt geworden“, erklärt er.

Derzeit bewohnt der Rentner ein Zimmer in einer Vier-Zimmer-Wohnung. Seine Frau und er wollen sich scheiden lassen, aber Khanina findet einfach keine Wohnung für sich. In einer Stadt, in der die Mieten so hoch sind wie in München, sind selbst Ein-Zimmer-Wohnungen für Geringverdiener und Rentner nicht bezahlbar. Und das hat Folgen für jene Menschen. Mohamed Khanina ist mit seiner Situation kein Einzelfall. Wenn sich Paare, die in Städten leben, trennen, haben sie oft keine andere Wahl, als auf unbestimmte Zeit trotzdem zusammenzuleben. Das ist vor allem eine psychische Belastung., selbst wenn die Partner „im Guten“ auseinander gehen.

Mohamed Khanina fühlt sich von der Stadt und dem Staat vergessen. Er sei schließlich Deutscher, betont er stolz, und habe sein ganzes Leben lang gearbeitet. „Ich kann doch nicht auf die Straße.“, sagt er, „schon gar nicht in meinem Alter“. Trotz seiner deutschen Staatsbürgerschaft, die Khanina seit 1982 besitzt, würde er oft auf der Straße diskriminiert werden. Von Polizisten kon- trolliert, aufgrund seines Aussehens, wegen seines Namens auf seine Herkunft reduziert. „Ich bin keine Nationalität, sondern ein Mensch“, sagt Khanina. Doch sein Name könnte ein Grund dafür sein, warum er keine Wohnung findet. Einige soziologische Studien konnten bereits nachweisen, dass Menschen mit ausländisch klingenden Namen auf dem Wohnungsmarkt in Deutschland benachteiligt werden.

Mohamed Khanina ist zwar nicht in Deutschland geboren, wohl aber ein Musterbeispiel für Integration. Er arbeitete in verschiedenen Hotels in ganz Deutschland als Koch und Gastronom und übernahm schließlich das Ozon-Hallenbad- Restaurant als selbstständiger Wirt in Hohenbrunn im Landkreis München. Dort veranstaltete er mehrmals Wohltätigkeitsfeste, bei denen er Spendengelder für Menschen mit Behinderung sammelte. Im Landkreis bekannt wurde er etwa durch seine größte Paella, den größten Lachsturm und das Wappen Hohenbrunns in einer riesigen Ausführung aus Obst.

Und doch — eine Bleibe will ihm niemand geben. Seit sechs Monaten wartet er auf eine Wohnung. Das klingt zunächst nicht viel, aber unter den Umständen können sechs Monate sehr lang sein. Seine Vorwürfe richtet Khanina vorrangig an die Poltitk. „Auf eine Ein-Zimmer-Wohnung bewerben sich etwa 400 bis 500 Leute“, erklärt er. Selbst die kleinsten Wohnungen sind mit seiner Rente unerschwinglich, sie würde von der Miete vollkommen verschlungen. „Der Staat gibt mir dort etwas und nimmt es mir auf der anderen Seite wieder weg“, erklärt Khanina. Es gebe einfach zu wenige Wohnungen und zu viele Menschen in der immer noch wachsenden Stadt München. „Ich wünsche mir, dass Menschen mit wenig Geld, so wie Rentner und Geringverdiener stärker berücksichtig werden“, sagt Khanina. „Der Egoismus ist größer geworden. Ich habe Angst um die Zukunft Deutschlands“.

Mohamed Khanina ist ein Beispiel dafür, welche Probleme sich durch den Mietmarkt in München und anderen großen Städten in Deutschland ergeben. Nicht nur der hohe Preis in Relation zu den Löhnen ist ein Kraftakt für die meisten Mieter. Zu kleine Wohnungen belasten Beziehungen und ältere Menschen ziehen aus zu großen Wohnungen nicht aus, weil sie ansonsten mehr zahlen müssten als mit ihrem alten Mietvertrag. Es ist also höchste Zeit für die Politik, das Thema anzupacken.

pg

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