Es bleiben viele Fragen

Verhandlung im Fall von verschwundenen Frauen aus Ramersdorf

Spurensuche im Truderinger Wald: Etwa 700 Polizisten suchten nach Maria G. und ihrer Tochter Tatiana.
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Spurensuche im Truderinger Wald: Etwa 700 Polizisten suchten nach Maria G. und ihrer Tochter Tatiana.

Der Prozess gegen den Mann der vermissten Maria G. aus Ramersdorf hat begonnen. Gleich in der ersten Sitzung geben die Aussagen des Verdächtigen jedoch noch mehr Rätsel auf.

Ramersdorf – Seit Juli 2019 fehlt von Maria G. und ihrer Tochter Tatiana aus Ramersdorf jede Spur (HALLO berichtete). Ende des vergangenen Jahres erhob die Staatsanwaltschaft Mordanklage gegen den Lebensgefährten von Maria G., Roman H. Ein nicht ganz gewöhnlicher Fall, denn die Leichen von Maria und ihrer Tochter wurden bis heute nicht gefunden. Die Staatsanwaltschaft stützt sich in ihrer Anklage deshalb ausschließlich auf Indizien.

Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass es in der gemeinsamen Wohnung der Familie am Tag des Verschwindens zu einem Streit zwischen Roman H. und Maria G. gekommen ist. Tochter Tatiana soll währenddessen in einer Sprachschule beim Unterricht gewesen sein. Im Verlauf des Streits habe Roman H. seine Ehefrau getötet, erklärt die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift. Wie er das getan habe, sei unbekannt, es wird allerdings von einer „massiven, stumpfen Gewalt gegen den Kopf“ ausgegangen.

Weil Roman H. es nicht geschafft habe, bis zur Rückkehr seiner Stieftochter von der Sprachschule die Leiche und Spuren zu beseitigen, habe er auch Tatiana G. auf ähnliche Weise getötet. Der Unterschied zwischen den zwei vermutlichen Tötungsdelikten liegt beim Handeln im Affekt bei Maria G., wodurch die Anklage in diesem Fall Totschlag lautet. Bei der Stieftochter Tatiana habe Roman H. jedoch zielgerichtet gehandelt, um die vorherige Tat zu verschleiern, weshalb die Anklage in diesem Fall Mord lautet.

Im weiteren Verlauf habe Roman H. die gröbsten Spuren beseitigt, Farbe und Pinsel im nahegelenen Baumarkt gekauft und eine Wand neu gestrichen, um Spuren zu verdecken. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass der Verdächtige die Leichen von Maria und Tatiana mit dem Auto seiner Lebensgefährtin an einen derzeit unbekannten Ort verbrachte und dort versteckte. Nocheinmal soll er den Tatort, die gemeinsame Wohnung, gereinigt haben und einen Teppich aus der Wohnung entfernt haben.

Einen Teppich und eine Fußmatte fanden die nach den Frauen suchenden Polizeikräfte im Truderinger Wald. Auf diesem konnten Blutspuren von beiden vermissten Frauen festgestellt werden. Freunde und Verwandte von Maria G. und ihrer Tochter bezeichneten es als sehr unwahrscheinlich, dass die beiden, ohne sich bei irgendwem zu melden, einfach verschwunden sind.

Zum Prozessauftakt stritt der Verdächtige ab, seine Frau und seine Stieftochter getötet zu haben. Die Blutspuren in der Wohnung seien durch einen Streit zwischen Mutter und Tochter entstanden, erklärte Roman H., wie die Tageszeitung Münchner Merkur berichtet. Pikant: diesen Streit hatte er zuvor noch nie erwähnt.

Er sei dazwischen gegangen, die beiden Frauen hätten durch ihren Kampf stark geblutet, erzählt Roman H. vor Gericht. Dennoch sollen Maria und Tatiana danach zum Einkaufszentrum Pep gefahren sein, wie er es bereits beim Verschwinden der beiden vor der Polizei erklärt hatte. Schon bei dieser ersten Aussage regten sich bei der Polizei Zweifel über die Erzälhungen von Roman H., weil er sich in Widersprüche verstrickte.

Vor Gericht sagte Roman H. aus, dass er glaube, dass seine Frau noch lebt. Nähere Angaben könne er allerdings nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit machen, was das Gericht allerdings ablehnte, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Außer weiteren Rätseln ergab der erste Verhandlungstag also leider keine Antworten für den Fall. Von Maria und ihrer Tochter Tatiana fehlt immer noch jede Spur. Die Staatsanwaltschaft ist jedoch überzeugt, den verdächtigten Ehemann von Maria G. mittels der Indizien überführen zu können. Für den Prozess sind zunächst 27 Verhandlungstage bis März angesetzt.

pg

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