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Verein schenkt in Neuperlach Menschen ein offenes Ohr

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Von: Roman Wintz

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Ein Schild mit der Aufschrift „momo hört zu“ hängt über einer Sprechkabine
Redebedürftige haben beim Verein „momo hört zu“ die Möglichkeit, ihren Ballast abzuwerfen. Geschultes Personal hört aktiv und wertfrei zu. © momo hört zu

Der von Michael Spitzenberger gegründete Verein „momo hört zu“ hat sich ganz dem Zuhören verschrieben. Willkommen sind alle, die sich entladen und entlasten möchten.

Aktives und wertfreies Zuhören fällt unserer heutigen Gesellschaft schwer. Vielmehr ist sie damit beschäftigt, sich zu präsentieren und auszudrücken, als sich auf ein Gegenüber wirklich einzulassen. In Gesprächen möchte jeder so schnell wie möglich zu Wort kommen und zum Gesagten gibt es fast immer eine eigene Meinung. „Und das killt eigentlich jede Kommunikation“, sagt Michael Spitzenberger, Initiator des gemeinnützigen Vereins „momo hört zu“.

Das Projekt sei keinesfalls als psychologisches Angebot zu verstehen, betont Spitzenberger. „Bei ,momo hört zu‘ kommunizieren wir auf Augenhöhe. Wir geben keine Ratschläge oder Tipps. Wir hören einfach zu.“ Auch digital über Zoom könne das Angebot in Anspruch genommen werden, wichtig sei dabei der Blickkontakt. „Deshalb gibt es bei uns auch kein telefonisches Angebot“, so der Initiator weiter.

Die Idee zum Projekt kam Michael Spitzenberger durch den sogenannten Zuhör-Kiosk in Hamburg. „Wir sind völlig unabhängig von unseren Hamburger Kollegen, stehen aber in regem Austausch, um sich gegenseitig Input zu geben“, erzählt Spitzenberger. Das Kernteam, das derzeit an der Fritz-Schäffer-Straße 9 im shaere einquartiert ist, besteht aus vier ehrenamtlichen Mitarbeitern. Im Hintergrund allerdings wirken weitere Personen, die zum Beispiel mit Öffentlichkeitsarbeit oder der Gestaltung der Homepage vertraut sind. Zur Realisierung des Projekts gab es von der Postcode Lotterie eine Starthilfe von 30.000 Euro, offizieller Beginn war im August 2021.

Jeden Montag bis Freitag zwischen 12 und 14.30 Uhr können Menschen, die aus welchen Gründen auch immer jemanden zum Zuhören brauchen, vorbeikommen, und reden. Einfach nur reden, sich entlasten und entladen, immer unter dem Gesichtspunkt der Schweigepflicht. Das geschulte Gegenüber lässt sich dabei voll auf die Erzählenden ein und versucht zu verstehen. Daneben gibt es das bereits erwähnte digitale Angebot über Zoom, aber auch sogenannte PopUp-Räume, die temporär bestehen. „Ich hatte beispielsweise einen PopUp-Kiosk nahe der Eisbachwelle. Da kommen alle Altersgruppen- und schichten vorbei“, sagt Spitzenberger. Am Neuperlacher Standort seien es uhrzeitbedingt eher Senioren. Termine könne man telefonisch oder per E-Mail auch individuell abstimmen.

Ein spezielles Angebot von „momo hört zu“ ist der „I hear you“-Workshop. Hierbei geht es darum, den Teilnehmenden die grundlegenden Tools des Zuhörens zu vermitteln, die leicht zu erlernen und anzuwenden sind. Es sollen erste Erfahrungen gesammelt werden, wie es sich anfühlt, einer anderen Person über längere Zeit ununterbrochen zuzuhören, ganz ohne Bewertung. „Die Workshops sind gedacht für künftige Mitarbeiter oder auch Schüler und Studenten, um sich gegenseitig wieder mehr auf das Zuhören zu konzentrieren“, erklärt Michael Spitzenberger. Die Workshops und auch alle anderen Angebote seien kostenfrei, „wobei jede Spende natürlich willkommen ist“.

Ein weiterer Bestandteil von „momo hört zu“ wird der Zuhör-Kiosk sein. „Wir arbeiten derzeit mit Studenten der Technischen Universität (TU) München zusammen. Die bauen uns einen mobilen Zuhör-Kiosk, der nächstes Jahr im Mai an der TU im Innenhof an den Start geht“, erzählt Spitzenberger. Nach einer gewissen Zeit würde er weiter an verschiedene Orte innerhalb der Landeshauptstadt wandern. „Mobil auch deshalb, weil man den Kiosk eventuell auch mal an andere Städte verleihen kann, zum Ausprobieren.“ Langfristiges Ziel sei es aber, in München an einem Ort sesshaft zu werden. „Wir hoffen natürlich, in absehbarer Zeit die Genehmigung für einen festen Kiosk zu bekommen.“

Bis dahin möchte der Verein „momo hört zu“ im Kleinen wachsen, alle Möglichkeiten nutzen und auch sehen, inwieweit der Bedarf da ist. „Unser Plan für die Zukunft ist es, niederschwellige Angebote zu schaffen, außerdem Bestehendes zu schärfen, daran zu feilen, einfach zu machen und zu gedeihen“, sagt Michael Spitzenberger und schließt mit den Worten: „Beziehung beginnt mit Zuhören. Wir schaffen Orte dafür.“

Roman Wintz

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