Umbau in abgespeckter Form nun realistisch

Überarbeitete Pläne für Erweiterung des Gartencenters Seebauer in Ramersdorf

Neue Pläne für Gartencenter Seebauer 2021 Erweiterung
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Das Bestandsgebäude des Gartencenters (hellgrün) soll durch neue Büroflächen und Verkaufsräume (grün), Mitarbeiterwohnungen (blau), ein Café (gelb), eine Kita (orange) erweitert werden. Außerdem soll es mehr Parkflächen (grau) geben.

Das Gartencenter Seebauer in Ramersdorf soll vergrößert werden. Nach der Auseinandersetzung mit den Anwohnern gibt es nun einen Plan für das Gebäude. Es soll allerdings nicht nur das Gartencenter selbst erweitert werden. Und jene zusätzlichen Ideen beunruhigen einige Anwohner.

Mehr Platz – das braucht das Gartencenter Seebauer an der Ottobrunner Straße in Ramersdorf. Nicht nur die Verkaufs­fläche soll erweitert werden. Vor allem sollen im Erweiterungsbau Wohnungen für Mitarbeiter untergebracht werden, auch Büroflächen, eine Kita und ein Café hätte Gartencenter-Chef Bernhard Gerstenkorn gerne auf dem Grundstück hinter dem bestehenden Gebäude.

In der Nachbarschaft sind die Meinungen über den geplanten Neubau geteilt. Während einige Anwohner die Bebauung durch das Gartencenter besser finden als durch einen unbekannten Investoren, hat sich auch eine Bürgerinitiative (BI) gegründet, die gegen die Erweiterung ist (HALLO be­richtete).

In einem ersten Plan zur Bauvoranfrage war eine U-formige Erweiterung hinter dem bestehenden Gebäude des Gartencenters geplant. Mit je zwei zirka 16 Meter breiten Gebäudeteilen im Süden und Norden des Grundstücks an der Adam-Berg-Straße und einer Verbindung dieser entlang der Straße, ebenfalls etwa 16 Meter breit, sollte ein Rundgang mit Innenhof beziehungsweise Park geschaffen werden.

Alternativer Vorschlag der Bürgerinitiative

Die BI setzte dem ersten Plan zur Bauvoranfrage einen eigenen Vorschlag entgegen. In diesem sollte der Bolzplatz im Norden des Grundstücks in seiner jetzigen Form erhalten werden – und der Neubau nur im Süden in Form eines parallel zur Ständlerstraße verlaufenden Gebäudes realisiert werden. Als Argumente führte die BI an, dass der Bolzplatz als Spielfläche für Kinder erhalten werden müsse und dass noch mehr Fläche in Ramersdorf versiegelt würde.

Gartencenter-Chef Gerstenkorn bemängelte an dem Alternativvorschlag der BI, dass es so keinen Rundgang und somit keine sinnvolle Verbindung zwischen Bestandsgebäude und Neubau geben könne. „Der Weg für die Kunden wäre zu verschachtelt“, so Gerstenkorn. Außerdem hätte das geplante Café nicht genug Platz, ein Teil des Bestandsgebäudes müsste abgerissen werden und es bliebe nur eine einzige Einfahrt für Lieferverkehr, Kunden und die zukünftige Bewohner der Wohnungen.

Gerstenkorn sieht sich bei der Erweiterung mit verschiedenen Parteien konfrontiert. Neben der Kritik der BI müssen die Baupläne auch in Einklang mit den Anforderungen der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) und dem Baureferat sein. „Das Baureferat hätte gerne mehr freie Fläche, die UNB will aber mehr Bäume erhalten“, sagt der Geschäftsführer des Gartencenters. Auf der Fläche des Bolzplatzes stehen zwar, außer am Rand des Grundstücks, keine Bäume. Aber auf dem zum Teil bereits versiegelten Grundstücksbereich im Norden des Grundstücks, das als Lagerfläche und Ladebereich genutzt wird, stehen einige Bäume. Die gehen jedoch zum Großteil auf das Gartencenter selbst zurück, wie Gerstenkorn erklärt: „Die Bäume, die gefällt werden, sind aus dem alten Baumbestand der ehemaligen Baumschule Seebauer.“ Insgesamt müssen nach seinen Angaben 20 bis 30 Bäume für den Erweiterungsbau weichen und danach 40 bis 50 neue Bäume als Ersatz gepflanzt werden.

Die erste Bauvoranfrage hat das Gartencenter Ende 2020 zurückgezogen und dafür jetzt im Februar einen neuen Antrag auf Vorbescheid gestellt. In dem neuen Plan ist das Erweiterungsgebäude an sich L-förmig, es gibt aber eine Verbindung der Verkaufsräume in U-Form, sodass die Kunden einen Rundgang machen können. Der überdachte Laubengang, der das 16 Meter breite Erweiterungsgebäude ersetzt und parallel zur Ständlerstraße verläuft, wäre nach dem Vorschlag nur noch 4,50 Meter breit.

Mit Innenbereich und Palmenhaus

Durch die neue Form entsteht, ebenso wie in den ursprünglichen Planungen, ein Innenbereich. Dieser soll als Parkanlage mit Spielgelegenheiten gestaltet werden. Neu ist auch das Palmenhaus im Zwischenraum des Neubaukomplexes. Im Gegensatz zur ersten Bauvoranfrage würde sich die Tiefgarage nicht mehr unter der Parkanlage befinden, sodass dort Neupflanzungen Platz finden können. Die Landeshauptstadt München würde das Grundstück im Süden bekommen.

Die Lieferzufahrt für Lkw soll nach den aktuellen Plänen vornehmlich über die Ottobrunner Straße abgewickelt werden. Dafür befindet sich die Einfahrt zur Tiefgarage an der Adam-Berg-Straße. „Schon mein Großvater hatte seine Zufahrt über die Adam-Berg-Straße, als diese noch ein Feldweg war“, sagt Gerstenkorn. Trotzdem: Die Belastung der Straße mit Verkehr soll so gering wie möglich gehalten werden, schließlich ist die Adam-Berg-Straße eine direkte Anliegerstraße für die Anwohner rund um das Gartencenter. In der Tiefgarage soll dann auch genug Platz für die Fahrzeuge der Mitarbeiter, die in die Wohnungen einziehen, sein. Insgesamt sollen bis zu 40 Wohnungen im Neubau unterkommen. Der größte Anteil soll auf Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen entfallen. Die Wohnungen sind vorrangig für die Seebauer-

Mitarbeiter und die Mitarbeiter und Auszubildende der kooperierenden Betriebe vorgesehen. Fördern lassen will Gerstenkorn die günstigen Wohnungen zum Beispiel über das München-Modell. „Der Fokus der Erweiterung liegt auf den Wohnungen, nicht auf der Verkaufsfläche“, erklärt Gerstenkorn bei der Vorstellung der neuen Bauvoranfrage.

Der Gebäudekomplex soll drei Geschosse plus ein viertes, zurückgesetztes haben. Im Erdgeschoss befindet sich die Verkaufsfläche, die vorrangig nach innen gerichtet sein soll. „Es gibt daher keine Schaufenster zur Adam-Berg-Straße“, erklärt Gerstenkorn. Neben den Wohnungen kommen dann neue Büroräume im Norden des Bestandsgebäudes, Kinderbetreuung und eine kleine Gastronomie gelegen an der Ecke Adam-Berg-Straße/ Ständlerstraße.

Das Dach soll begrünt werden, eventuell könnte dort sogar ein Gemeinschaftsgarten entstehen. Generell soll die Erweiterung des Gartencenters in ökologischer Bauweise erfolgen, „passend zu einem Gartencenter“, so Gerstenkorn. „Ein Vorbild sind beispielsweise die Neubauwohnungen am Dantebad.“

Die Sozialbindung der Wohnungen soll auf über 30 Jahre festgelegt werden. Mit der neuen Bauvoranfrage schrumpft die Geschossfläche von ursprünglich 12.570 auf 8.513 Quadratmeter. Vor allem die Verkaufsfläche wurde um fast 2000 Quadratmeter reduziert, doch auch die Wohnfläche besitzt nach dem neuen Plan zirka 1600 Quadratmeter weniger. Die Höhe des Erweiterungsbau orientiert sich mit einer Höhe von 13 Metern an der umliegenden Wohnbebauung.

Bis der Bau startet, könnte es noch eine Weile dauern. „Es sind drei Referate beteiligt“, sagt Gerstenkorn. Zuerst würde das Parkhaus erweitert werden, wenn es klappt, noch in diesem Jahr. Schätzungsweise frühestens Ende 2022 oder im Jahr 2023 könnte mit dem Bau begonnen werden. Fertiggestellt würde die Erweiterung dann drei bis fünf Jahre später, schätzt der Geschäftsführer. Die Bautätigkeiten sind auch von der Saison abhängig. „Wir bauen während laufendem Betrieb“, erklärt Gerstenkorn. Jetzt muss die Stadt entscheiden, ob der neue Vorschlag für die Gartencenter-Erweiterung angenommen wird.

Mehr über den Münchner Osten gibt es in der Übersicht.

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