Tanzsportgemeinschaft träumt von einem neuen Treffpunkt für die Vereine

Eine „Bürger-City“ in Ramersdorf?

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Der Bürgerpark in Oberföhring ist quasi Vobild für die Ramersdorfer „Bürger-City, die der TSG vorschwebt“.

Die Tanzsportgemeinschaft (TSG) München träumt von einer „Bürger-City“ in Ramersdorf. Auf dem Gelände an der Kagerstraße könnte so ein „kultureller, sozialer und sportaktiver Treffpunkt“ entstehen. Die Stadt soll die Idee finanzieren, den Unterhalt sollen die beteiligten Vereine dann stemmen. 

Nicht zu stemmen sind nach Einschätzung der TSG die bisherigen Pläne des Polizeisportschützenvereins (PSSV) für ein Schießsportzentrum an der Kagerstraße (HALLO berichtete). Der Schützenverein, der seit seiner Abspaltung vom Polizeisportverein seit Jahren vergeblich nach einer eigenen Heimat in München sucht, will hier gemeinsam mit einem solventen Kooperationspartner ein Sportzentrum errichten. Der Investitionsrahmen für die geplanten Neubauten, für Parkplätze und die Gebäude für Schützen und weitere Partner liegt bei knapp sieben Millionen Euro. Weder der PSSV noch die TSG würden über solche Mittel verfügen, so TSG-Vorstand Jürgen Schropp. Somit stehe eine Finanzierung auf Basis der Planungsentwürfe offen. Schropp hat nun eine Idee für eine deutlich kleinere und in seinen Augen realistischere Lösung vorgelegt. 

„Bürgerpark“

Danach soll an der Kagerstraße ein „Bürgerpark“ errichtet werden. Dafür soll die Stadt die bestehenden Gebäude des früheren Schilderzeichen-Betriebs auf dem Gelände nicht abreißen, sondern sanieren bzw. renovieren. Sollte aufgrund der Bausubstanz doch der Abriss einzelner Gebäude unumgänglich sein, soll die Stadt dort nicht mehr benötigte Pavillons, wie sie beispielsweise an Schule oder Kindergärten eingesetzt werden, aufbauen. Diese Pavillons könnten eine Heimat für kleinere Vereine, Hobby-Künstler, Theatergruppen, soziale Beratungsstellen, Müttertreffpunkt oder andere sein und damit eine bunte Vielfalt in „Bürger-City“ anbieten, so Schropp.

Kulturhaus

Im Zentrum des Ramersdorfer Bürgerparks soll das Kulturhaus vom Hanns-Seidel-Platz stehen. Das müsste bei der Neubebauung des Neuperlacher Platzes ja eh weg und könnte dann in Ramersdorf für eine Vielzahl an unterschiedlichsten Veranstaltungen zur Verfügung stehen. „Ein Angebot an Stadtteilbürger, Kultur auch für einen geringen Geldbeutel zu erleben und damit eine Chance auch für sozial Schwächere am kulturellen Leben der Stadt teilnehmen zu können“, findet der TSG-Chef.

„Marktplatz“

Mit dem Kulturhaus im Zentrum des Anwesens, umrankt von nutzbaren bestehenden Gebäuden und zusätzlichen Pavillons, entstände zudem ein „Marktplatz“, der für Veranstaltungen wie Flohmärkte und ähnliches genutzt werden könnte. Auf den Freiflächen des Anwesens könnten ein Kletterturm, eine Boccia- bzw. Eisstockanlage, Slacklines, Beachvolleyball, Parkour und andere Aktivitäten angesiedelt werden. 

Die Organisation von „Bürger-City“ soll nach Schropps Vorstellungen eine Verwaltungsgemeinschaft „VG 16“ übernehmen. Sie wäre direkter Ansprechpartner für die Stadtverwaltung, würde sich um Instandsetzungsarbeiten bei den diversen Nutzern und um erforderliche Regeln im Bürgerpark kümmern, um ein gemeinsames Miteinander zu ermöglichen. Laufende allgemeine und spezielle Betriebskosten sollten von den Nutzern getragen werden. Ebenso wie die allgemeinen Betriebskosten in Form einer Umlage und die speziellen Betriebskosten, sofern es keine Zuschüsse oder Fördermöglichkeiten gebe.

Das Ganze erinnert – das gibt Schropp auch zu – sehr stark an den Bürgerpark Oberföhring, der seit 1984 an der Oberföhringer Straße 156 besteht. Die Baracken des ehemaligen städtischen Krankenhauses Oberföhring werden von rund 17 verschiedenen Vereinen und Gruppen genutzt, die sich zur „Vereinsgemeinschaft 29 (VG 29)“ zusammengeschlossen haben. Der Erhalt ist nur mit großem finanziellem Engagement der einzelnen Vereine gelungen, ein großer Veranstaltungssaal konnte dort bis heute nicht realisiert werden. Die Nutzung dort ist nicht ganz unproblematisch. Einerseits wollen die Vereine ihre angestammten Häuser nicht verlassen, andererseits wird die Bausubstanz immer schlechter. Denn die Baracken sind nicht für eine Langzeitnutzung konzipiert worden. 

Schlechte Substanz

Eine schlechte Substanz haben nach Angaben der Stadt auch die Gebäude an der Kagerstraße. Die Häuser seien derart sanierungsbedürftig, dass nur noch ein Abbruch in Frage komme, heißt es aus der Stadtverwaltung. Bei den Baracken beständen erhebliche umwelttechnische Probleme. Ein anderes Problem für eine „Bürger-City“: Das Gelände grenzt an drei Seiten an Wohnbebauung an. 

Ende Januar hat der Stadtrat dem Schützenverein ausrichten lassen, dass er innerhalb eines Jahres ein verbindliches Nutzungs-, Finanzierungs- und Kooperationskonzept vorlegen müsse. Ansonsten werde das Kommunalreferat das Grundstück für andere Nutzungen ausschreiben. Ob die Idee der Tanzsportgemeinschaft die Stadt davon abhalten könnte, das Areal lukrativ zu verwerten und stattdessen Geld in einen „Bürgerpark Ramersdorf“ zu investieren, ist mehr als fraglich. Carmen Ick-Dietl

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