Streit um Freigelände nördlich der Hachinger-Bach-Straße

Das Hadern der Hellenen nimmt kein Ende

Derzeit weiß wohl niemand genau vorherzusagen, ob eine zentrale Griechische Schule im Stadtteil Berg am Laim für insgesamt gut 700 Schüler auf einem Freigelände nördlich der Hachinger-Bach-Straße am Ende doch noch entstehen wird. Die Hellenen hatten das Grundstück einst von der Landeshauptstadt München erworben – mit der festen Zielsetzung, dort eine zentrale Grund- und Hauptschule für ihre Schüler zu etablieren. 

In den vergangenen Jahren war es um das Projekt mehr als still geworden. Die grassierenden Finanznöte Athens schienen auch dieses Mehrmillionenprojekt zu erdrücken – das Gelände im Umgriff des Michaeligymnasiums verkam mehr und mehr zur Brachlandschaft. Doch vor einigen Wochen war es mit der fast biblischen Ruhe zumindest für kurze Zeit vorbei. Bulldozer und schweres Gerät rodeten das Wildwuchsgelände, Anwohner waren verwundert. Auf Nachfrage wurde vonseiten des Griechischen Generalkonsulates bestätigt, man sei an einer Realisierung des Projektes trotz des Fristablaufs zum Baubeginn im Sommer immer noch interessiert.

BA favorisiert andere Lösung

Auch im städtischen Planungsreferat wusste man von intensiven Erörterungen mit den Griechen zu berichten. Entschieden sei über einen möglichen Rückkauf noch gar nichts. Scheint so, denn auch bei der Nachbetrachtung der Stadtteilpolitik während der letzten Sitzung des Berg am Laimer Bezirksausschusses wurde viel vermutet und fest angenommen – Konkretes freilich drang nicht durch. Sicher ist dort nur: den Baubestrebungen steht man skeptisch gegenüber. Zumal der BA längst eine andere Lösung favorisiert: den Rückkauf des Geländes und den späteren Bau einer „eigenen“ Berg am Laimer Grundschule. „Dafür ist der Bedarf in jedem Fall gegeben“, so der nimmermüde Tenor im Stadtteilgremium. 

Heuer im August läuft jene zwischen der Stadt und Griechenland beim Verkauf des Areals per Klauses vereinbarte Vierjahresfrist aus, nach der die Schule vier Jahre nach der Erteilung der Baugenehmigung (im Sommer 2008) fertiggestellt sein müsste. Doch dieser scheint derzeit wie ein Kaugummi ähnlich ausgeweitet zu  werden. „Wenn von der Republik Griechenland der Nachweis erbracht wird, dass eine Finanzierung des Bauvorhabens gesichert ist und der Bau in angemessener Zeit fertiggestellt werden kann, liegen die Voraussetzungen für eine Rückabwicklung des Kaufvertrages nicht vor“, versicherte Kommunalreferatssprecherin Silke Pesik auf HALLO-Anfrage. Und mehr noch: „Die Griechen sind sehr intensiv dabei, die Finanzierung des Projektes zusammen mit dem Freistaat Bayern voranzutreiben.“ Also doch mehr als eine Rodung im Dickicht? Im BA konnte man sich eine Realisierung der Griechischen Schule zuletzt nicht mehr vorstellen. „Zehn Jahre haben die Griechen gar nichts gemacht – kurz vor Torschluss wollen sie jetzt in die Gänge kommen? Da glaube ich nicht mehr daran“, tat der neue Berg am Laimer BA-Vorsitzende Robert Kulzer (SPD) seine klare Einschätzung kund. „Geradezu absurd“ sei ein derartiges Projekt vor dem Hintergrund der aktuellen griechischen Finanznöte. 

Aber auch die Stadt sparte er nicht aus: die hätte vor dem seinerzeitigen Verkauf auf den Bezirksausschuss hören sollen. Der hatte bereits früher die Notwendigkeit des Baus einer weiteren Berg am Laimer Grundschule betont. Auch Anton Spitlbauer sen. (CSU) verlieh seinem Unverständnis Ausdruck. „Jahrelang habe ich Antrag um Antrag gestellt, den auf dem Gelände wuchernden Wildwuchs zu entfernen.“ Die unübersichtliche Situation dort sei für Kinder bereits zu einer echten Gefahr geworden. „Hunden haben die Leute schon Glöckchen umgehängt, um sie dort wieder zu finden“, beschrieb er die Langzeitsituation drastisch-plastisch. Doch die Verantwortlichkeiten seien auf Seiten der Hellenen von einer Stelle zur anderen geschoben worden. „Jetzt plötzlich soll alles funktionieren?“ so Spitlbauer sen. Gegenüber HALLO äußerte er zuletzt in Form eines Leserbriefs eine ganz andere Vermutung in scharfer Form. „Wenn man aber  Aktion zeigt, Pläne vortäuscht und diese lautstark verteidigt, besteht doch die Chance, sich diese Pläne später teuer abkaufen zu lassen.“ Hintergrund ist die Vermutung zumindest in Teilen des BA, die Griechen wollten mit ihren aktuellen Maßnahmen und Bekundungen lediglich einen hohen Rückkaufpreis seitens der Stadt und zuzüglich einer Verzinsung des einstigen Kaufpreises erzielen. Vonseiten der Griechen gibt es darauf noch keine Antwort. Im Generalkonsulat verwies man an zuständiger Stelle auf die laufenden Verhandlungen mit der Stadt. Es wird wohl noch einiger Bulldozer bedürfen, um nicht nur das Dickicht aus wucherndem Grün, sondern auch den Verhandlungsurwald verschwinden zu lassen. Es wäre an der Zeit. Harald Hettich


Auch interessant:

Meistgelesen

Drei Personen bei Verkehrsunfall in Ramersdorf verletzt 
Drei Personen bei Verkehrsunfall in Ramersdorf verletzt 
Berg am Laimer Paar über ihre Rückreise nach Deutschland – Ein Heimweg wie eine Odyssee
Berg am Laimer Paar über ihre Rückreise nach Deutschland – Ein Heimweg wie eine Odyssee
Der Jugendtreff im Kinderzimmer mit dem Kreisjugendring München und Landkreis 
Der Jugendtreff im Kinderzimmer mit dem Kreisjugendring München und Landkreis 
Nähe trotz Distanz – Angebot für Heimbewohner und Angehörige während der Pandemie in Ramersdorf-Perlach
Nähe trotz Distanz – Angebot für Heimbewohner und Angehörige während der Pandemie in Ramersdorf-Perlach

Kommentare