Hier darf doch nicht jeder wohnen

Städtisches Grundstück an der Chiemgau-/Kagerstraße in Ramersdorf

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An der Kagerstraße wird es wohl kein Projekt „Wohnen für alle“ geben.

Auf dem städtischen Grundstück an der Chiemgau-/Kagerstraße wird zusätzlich zu dem geplanten Bauhof des Baureferats wohl kein „Wohnen für alle“ realisiert. Nach Ansicht der Stadt wäre ein solches Vorhanden zu aufwändig und teuer.

Den Stein ins Rollen gebracht hat Stadtrat Alexander Reissl. Der SPD-Politiker hatte angeregt, im Zuge der Planungen für einen Bauhof des Baureferats durch eine Flächenoptimierung weitere Nutzungen auf dem Grundstück zu ermöglichn. Konkret forderte Reissl, im Rahmen des Programms „Wohnen für alle“ dort günstigen Wohnraum zu schaffen.

Doch daraus wird nun wohl nichts. Denn in seiner Stellungnahme erklärte das Referat für Stadtplanung und Bauordnung dass Prüfungen, ob auf der Restfläche in dem siebengeschossigen Baukörper geförderter Wohnungsbau geplant werden könnte, kein berfriedigendes Ergebnis gebracht hätten. Es habe sich gezeigt, dass dieser Baukörper räumlichen und städtebaulichen Rahmenbedingungen unterliege, die Wohnnutzung und insbesondere öffentlich geförderten Wohnungsbau „nur unter erheblichen Einschränkungen“ ermöglichen.

Die in Frage kommende Fläche liege unmittelbar am Mittleren Ring, Abschnitt Chiemgaustraße, heißt es in der Stellungnahme. „Die Lärmbelastung beträgt hier laut Lärmkarte tags zirka 80 dB(A), nachts zirkas 65 dB(A). Zudem wirkt die Lärmbelastung auf die Südseite eines zukünftigen Gebäudes. Um unter dieser erheblichen Lärmbelastung gesunde Wohnverhältnisse zu schaffen, sind spezifische Grundrissplanungen sowie erhöhte bauliche Schallschutzmaßnahmen erforderlich. Diese unrentierlichen Mehraufwendungen bedingen einen erhöhten Förderaufwand und wirken sich wesentlich auf die Wirtschaftlichkeit aus“, so das Referat.

Doch es gibt noch weitere Negativpunkte. Der vorgeschlagene Baukörper lasse aufgrund der Baukörpertiefe des Erdgeschosses Wohnnutzung nur in den Obergeschossen zu. Die Gebäudeform mit ihrer Staffelung im fünften und sechsten Obergeschoss stelle zudem besondere Anforderungen an die vertikale Erschließung und an die geschossweise Erreichbarkeit der einzelnen Wohnungen. „Die besondere Erschließungssituation wirkt sich ungünstig auf das Ausbauverhältnis und somit auf die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes aus“, folgert die städtische Behörde. Probleme sieht die Stadt auch beim Frei- flächenangebot. Dieses könnte ebenso wie die erforderliche Kinderspielflächen aufgrund der Gebäudeform nur in geringem Umfang auf dem Dach der erdgeschossigen Bebauung und teilweise auf Dachterrassen des Gebäudes nachgewiesen werden. „Im Ergebnis der Prüfung erscheint der Standort und das Planungskonzept für Wohnnutzung, insbesondere für öffentlich geförderten Wohnungsbau einerseits mit großen Einschränkungen hinsichtlich der Wohnqualität verbunden, andererseits wirken sich erhöhte Lärmschutzanforderungen und das ungünstige Ausbauverhältnis auf die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes aus“, so die Schlussfolgerung. Im Rahmen der Bedarfsprüfung sollte daher an diesem Standort primär Nichtwohnnutzung, allenfalls gewerbliches Wohnen, das zeitlich befristet ist, vorgesehen werden. Öffentlich geförderter Wohnungsbau wäre hier nur unter einer besonderen finanziellen Ausstattung für den Ausgleich der unrentierlichen Mehraufwendungen für Schallschutz, Erschließung, Freiflächenversorgung um- setzbar.

Auch der Bezirksausschuss des Stadtbezirkes 16 Ramersdorf-Perlach hat mehrfach seine Vorbehalte gegenüber einer Wohnnutzung an diesem Standort kundgetan und sich vielmehr für gewerbliche und soziale Nutzungen eingesetzt. Und diese sind durchaus denkbar, wie das Baureferat weiter ausführt.

Kommunalreferat und Baureferat hätten die Planung des Betriebshofs auf dem Grundstück Kagerstraße 9 optimiert. Im neusten Vorschlag seien die Abläufe im Betriebshof optimiert und flächensparend organisiert. So habe sich eine nicht benötigte Fläche im südwestlichen Bereich an der Chiemgaustraße ergeben. Und diese können nun „anderen städtischen Stellen zur Bedarfsprüfung und zur Realisierung verträglicher Nutzungen zur Verfügung gestellt werden“.

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