Der gute Wille ist da, aber konkrete Lösungen fehlen

SV Stadtwerke muss sein Gelände in Ramersdorf räumen

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Hans Jürgen Öllinger, Präsident des SV Stadtwerke, sieht sich schwierigen Zeiten gegenüber.

Ein Verein in Not: Der SV Stadtwerke muss seine Sportanlagen an der Lauensteinstraße in Ramersdorf räumen. Wann und wo eine Ersatzfläche gefunden wird, steht noch in den Sternen. Dies geht aus einer Antwort der Landeshauptstadt auf eine Anfrage der Bayernpartei hervor.

Ramersdorf — „Gibt es schon Ersatzsportflächen?“ Diese für die Zukunft des SV Stadtwerke München so wichtige Frage richteten die Bayernpartei-Stadträte Johann Altmann, Josef Assal, Eva Caim, Richard Progl, Mario Schmidbauer und Andre Wächter an die Stadt München. Schließlich sei aufgrund eines geplanten Neubaus von Werkswohnungen und einem Tram-Betriebshof davon auszugehen, dass der im Moment an der Lauensteinstraße 9 beheimatete SV Stadtwerke München weichen müsse. Wie in München üblich, sei es auch für diesen Verein schwierig, für seine 1500 Mitglieder einen neuen Standort zu finden. Allerdings sollten die Stadtwerke München, deren Namen der Verein trägt, ein besonderes Interesse daran haben, dem Verein in seinem angestammten Gebiet eine Zukunft zu sichern, so die Stadträte in ihrer Anfrage.

Doch die Antwort von Clemens Baumgärtner vom Referent für Arbeit und Wirtschaft, die mit den Stadtwerken München und dem Referat für Bildung und Sport abgestimmt wurde, dürfte den Vereinsverantwortlichen nicht gefallen. Dort wird zunächst auf die Boom-Probleme, unter denen die Landeshautstadt zu leiden hat, eingegangen.

„Die Stadt München wächst und gleichzeitig besteht das Ziel, möglichst viele Menschen dazu zu bringen, auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umzusteigen. Diese beiden Trends führen zu steigenden Fahrgastzahlen im ÖPNV, denen nur mit einem leistungsstarken und stabilen Nahverkehrsangebot begegnet werden kann“, erklärt Baumgärtner. Deshalb sei unter anderem auch der Ausbau des Straßenbahnnetzes erforderlich. „Dies zieht in der Konsequenz einen weiteren Flächenbedarf für Unterhalts- und Wartungsmaßnahmen des Fahrzeugsparks nach sich. Der notwendige Platzbedarf muss dabei, in Erweiterung der Hauptwerkstätte Ständlerstraße, auf den südlich angrenzenden und im Eigentum der SWM stehenden Flächen abgedeckt werden“, heißt es weiter.

Konkret müsse zur Abdeckung des sich ergebenden Zusatzflächenbedarfs auch auf die im Eigentum der SWM befindlichen Sportflächen zurückgegriffen werden, die bisher dem SV Stadtwerke München zur Nutzung zur Verfügung gestellt worden seien. Das betreffe sowohl die Fläche der nicht unter Denkmalschutz stehenden Sporthalle wie auch die Außensportflächen. „Den SWM ist es dabei sehr wichtig, eine gute Lösung für die Sporttreibenden des Vereins zu finden“, betont Baumgärtner.

Konkrete Alternativen mit und ohne Halle für den Verein kann er allerdings nicht nennen. Zwar solle es laut SWM Ziel sein, „den Verein als Ganzes zu erhalten“. Das Hallensportangebot wollen die SWM-Verantwortlichen jedoch näher an die Stadtwerkszentrale verlagern, „um dessen Attraktivität für die Mitarbeiter wieder zu steigern, da das Sportangebot des SV Stadtwerke München nur noch in deutlich untergeordnetem Umfang von der aktiven Belegschaft der SWM in Anspruch genommen wird“. Hierfür biete sich die in Bau befindliche Sporthalle der Grundschule Emmy-Noether-Straße an, die voraussichtlich im Herbst 2020 fertiggestellt werde. Hierfür sei bereits eine „gewisse Priorisierung“ von der Stadt in Aussicht gestellt worden. Ferner werde geprüft, ob ein darüber hinaus gehender Hallenbedarf in unmittelbarer Nähe der Lauensteinstraße, etwa in der Siedlung am Perlacher Forst, untergebracht werden könnte.

Für die Außensportflächen, die überwiegend für Fußball erforderlich sind, bietet sich nach Ansicht der Stadtwerke ein unbebautes Areal bei einem bestehenden Sportverein in unmittelbarer Nähe an. Gemeint ist wohl der DJK Fasangarten. Dieses Gelände befindet sich in Privatbesitz. „Gespräche mit dem Eigentümer/Nutzer werden demnächst geführt“, versprechen die Stadtwerke. Alternativ stehe grundsätzlich auch eine nahegelegene Bezirkssportanlage — wohl an der Görzerstraße — zur Verfügung, auf der ein zusätzlicher Trainings- und Spielbetrieb stattfinden könnte. Aber: „Über Art und Umfang in diesem Zusammenhang dort notwendiger und möglicher Erweiterungen von Spielfeldflächen finden aktuell Klärungen mit dem Referat für Bildung und Sport statt.“

Wenig Konkretes also für den Verein und seinen Präsidenten Hans Jürgen Öllinger. Vor allem, da auch das Referat für Bildung und Sport keinen Handlungsspielraum sieht. Zwar bedauere man den Wegfall des Sportgeländes aufgrund der insgesamt bestehenden Flächen- und Hallenknappheit in München insbesondere bei Dreifachhallen, „sieht jedoch die Notwendigkeit dieser Maßnahme und daher auch keine Möglichkeit, die Entscheidung zu beeinflussen“. Sowohl die SWM als auch die Landeshauptstadt hätten von Anfang an ihr gemeinsames Bestreben bekundet, den Verein als Ganzes erhalten zu wollen und Alternativen zu suchen und anzubieten, etwa durch Einmietung auf bestehenden Bezirkssportanlagen, die Bereitstellung von Nutzungszeiten in bestehenden anderen Hallen, die Prüfung der Schaffung alternativer Sportflächen auf einem anderen Areal oder Kooperationen mit anderen Vereinen.

Ein Hauptaugenmerk liege dabei selbstverständlich auf vereinsnahen Angeboten für Kinder und Jugendliche, da hier die Flexibilität hinsichtlich der Anfahrtswege und -zeiten geringer sei als bei Erwachsenen. Außerdem hätten die SWM zugesagt, „sofern möglich auch bei der Bauumsetzung entgegenzukommen“. Damit ist gemeint, dass zunächst erst Teilflächen beplant und bebaut würden oder ein Wegfall der Anlagenteile zeitlich gestaffelt würde. „Zusammen mit dem Referat für Bildung und Sport suchen die SWM intensiv nach einem Alternativstandort für die derzeit am Standort befindliche Sportstätte des SV Stadtwerke München. Ziel ist es, eine für alle Beteiligten tragfähige Lösung zu finden“, heißt es abschließend.

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