Skate-Spaß indoor

Im ehemaligen Druckgusswerk Moessner wollen Antonis Schwarz und Mirko Holzmüller die erste Skatehalle Münchens errichten. Foto: Charly D

Ob die Bahnen im Gefilde in Waldperlach, an der Xaver-Weismor-Straße in Trudering oder im Hirschgarten – outdoor hat München für Skater viel zu bieten. Doch indoor und damit wetterunabhängig gibt es im Stadtgebiet nichts. Dieses Manko will ein Team engagierter Skateboarder nun beheben: Mit der Eröffnung einer Skatehalle in Perlach.

Mit etwa 30 Anlagen sei München zahlenmäßig die Skatepark-dichteste Stadt in Deutschland, erklärt Antonis Schwarz (24). Bei Schlechtwetter allerdings sieht’s mies aus für die bis zu 7500 Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf den Rollbrettern. So gehe es regelmäßig „von 100 Prozent im Sommer auf Null im Winter“. In dieser Zeit, die rund 200 Tage im Jahr ausmache, seien die Münchner Skatefans gezwungen, sich in U-Bahn-Geschossen und Unterführungen rumzudrücken. Denn in München fehlt eine Skatehalle. „Die nächsten sind in Freising und Pfaffenhofen.“ Die Skatehalle Das soll in Zukunft anders werden. Schwarz gehört zu einem engagierten Team, das aus dem ehemaligen Druckgusswerk Moessner eine Skatehalle machen will. Die 2700 Quadratmeter große Halle der alten Aluminiumgießerei sei perfekt für das Projekt, so Schwarz und sein Kollege Mirko Holzmüller (32), die ihre Pläne auf der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach vorstellten. Hier könne man mit relativ geringem Aufwand eine Skatehalle installieren. Aber nicht nur die Skater kämen hier unter, auch für die rund 3000 BMX-, Dirtbike- und Inline-Fahrer in München wäre die Halle eine interessante Alternative. Workshops Neben einer täglichen Öffnung für jedermann stellen sich die jungen Männer dort auch Workshops und Talentförderkurse sowie regionale, nationale und internationale Wettkämpfe vor. „Skateboarden ist nicht nur Rollbrettfahren und Spielzeug für Kids, das ist eine ernst zu nehmende Sportart!“, erläutert Holzmüller. Beim Olympischen Komitee überlege man bereits, ob man es nicht zu einer Olympischen Disziplin machen sollte. Zudem habe sich die bayerische Landeshauptstadt um die Ausrichtung der „X-Games“, quasi der Art Action-Sport-Olympiade, beworben. Weitere Angebote Neben dem Kernstück Skatehalle könnten sich im früheren Druckgusswerk Angebote aus der Skateszene wie eine T-Shirt-Druckerei oder Board-Werkstätten ansiedeln. Schwarz überlegt auch, ob die angegliederten alten Büroflächen des Werks zum Kreativ-Areal werden können, sich die Flächen im Untergeschoss vielleicht als Band- und Veranstaltungsräume eignen. Die nahen MVV-Bahnhöfe in Perlach und Neuperlach-Süd sehen Schwarz und Holzmüller als große Pluspunkte für die Halle in Perlach. „Du steigst in Perlach aus, schiebst zweimal an und bist da.“ Denn das Hauptklientel der geplanten Trendsporthalle seien Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren. Zudem gebe es in der Nähe einen Autobahnanschluss. „Brillant“ „Das Objekt eignet sich sicher brillant“, meinte BA-Chefin Marina Achhammer (SPD), nicht so prächtig sei allerdings die Anbindung an den Individualverkehr. Doch vielleicht könne das Projekt zusätzlichen Anschub geben für die geforderte zusätzliche Erschließungsstraße ins Gewerbegebiet Perlach. „Lieber eine Sporthalle als produzierendes Gewerbe“, fand Guido Bucholtz (Grüne). Man wisse ja nicht, was aus dem früheren Druckgusswerk sonst werden könne. Mit den Skatern sei man sicher besser dran als mit Lkws. „Und die Weidener Straße wird deshalb nicht im Verkehrschaos versinken.“ Kosten Man sei zwar nicht absolut an das Objekt in Perlach gebunden, aber sie eigne sich einfach sehr gut, so Schwarz. Zudem habe Werkseigentümer Moessner ihnen aus für die Anlaufzeit einen reduzierten Mietpreis in Aussicht gestellt. Träger der Skatehalle soll am Ende eine gemeinnützige GmbH werden. „Vielleicht aber auch ein Verein“, so Schwarz. Eine Kostenschätzung für das Gesamtprojekt wollte er vor den Stadtteilpolitikern nicht abgeben. Für den Innenausbau seien auf jeden Fall um die 120.000 Euro nötig. Finanzieren soll sich die Halle am Ende durch die Einnahmen aus – relativ niedrigen und damit jugendfreundlichen – Eintrittsgeldern, passender Gastronomie, eventuellen Untervermietungen, Sponsoring und einer öffentlichen Förderung. „Jede Halle, die nicht im Zentrum liegt, ist auf öffentliche Unterstützung angewiesen.“ Großes Interesse Mit der Stadt hat das Team bisher allerdings noch nicht gesprochen. Sportamtschef Rudolf Behaker signalisiert auf HALLO-Nachfrage jedoch großes Interesse. „Eine Skaterhalle ist seit Jahren ein Thema, aber bislang ist noch nie etwas Konkretes raus gekommen.“ Das Projekt möge sich doch auch mal im Sportreferat vorstellen. Szene-Erfahrung „Wir haben Szene-Erfahrung, sind aber bei den öffentlichen Stellen relativ unbeholfen“, entschuldigt sich Holzmüller. Er ist jedoch absolut vom Erfolg der Halle überzeugt. „Es ist unabdingbar, dass München so was bekommt.“ Carmen Ick-Dietl

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