Über Feuerwerks- und Böller-Verbote sowie zentrale Veranstaltungen zum Jahreswechsel

Silvester ohne Knall, Krach und Kehricht

So sah es meist am Neujahrstag in München aus. Das ist heuer anders. Innerhalb des Mittleren Rings ist das Böllern verboten.
+
So sah es meist am Neujahrstag in München aus. Das ist heuer anders. Innerhalb des Mittleren Rings ist das Böllern verboten.

Traditionell wird ein neues Jahr mit einem Feuerwerk begrüßt. So geht es an größeren und zentralen Plätzen in der Silvesternacht ziemlich rund. Ist das noch zeitgemäß? Die Feinstaubwerte würden Verbote rechtfertigen. Heuer gibt es tatsächlich deutschlandweit immer mehr Verbote, wenn auch nur für bestimmte Bereiche. Vor allem führen die Entscheidungsträger da Sicherheitsbedenken an.

Stell dir vor, es ist Silvester und keiner böllert! Umweltschützer versuchen schon seit Langem zu erreichen, dass Böller und Raketen an Silvester verbannt werden. Sie erwähnen zum einen die Luftverschmutzung und die Feinstaubbelastung, zum anderen sorgen Böller und Raketen jedes Jahr für tonnenweise Müll. In München gibt es zum Beispiel die private Bürger- initiative „Silvesterböllerei? Nein Danke!“, die sich stark macht gegen privates Feuerwerk, um die Umwelt nicht länger zusätzlich zu belasten. In der Landeshauptstadt hatte sich das Müllaufkommen von 2018 auf 2019 von 60 auf 70 Tonnen erhöht. Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat die Bundesregierung heuer aufgefordert, kommunale Böllerverbote durch Änderungen in der Sprengstoffverordnung und im Bundesimmissionsschutzgesetz zu erleichtern. Überdies schrieb die DUH fast 100 deutsche Städte an, in denen die WHO-Grenzwert­empfehlungen für Feinstaub nicht eingehalten wurden und beantragte Verbote. Laut Sprengstoffgesetz können Kommunen das Knallen in dicht besiedelten Gegenden durchaus verbieten.

Wer am Stachus böllert, dem droht ein Bußgeld

So auch die Stadt München, die bereits im Sommer ein komplettes Böller-Verbot innerhalb des Mittleren Rings beschlossen hat. Außerdem gibt es in der Silvesternacht zwischen Marien­platz und Stachus kein Feuerwerk. Das gilt auch für den Viktualienmarkt, der doch noch hinzukam. Brandschäden durch Feuerwerkskörper an den Markständen sollen verhindert werden. Wer in diesem Bereich mit Böllern oder Raketen erwischt wird, riskiert gar eine Anzeige und ein Bußgeld. Bis zu 1000 Euro kann es kosten, wenn es die Münchner in diesem Bereich krachen lassen oder allein schon „pyrotechnische Gegenstände mit ausschließlicher Knallwirkung“ mit sich führen. Zudem dürfen Raketen und Böller von der Polizei konfisziert werden. Rund um den Marienplatz sind es Sicherheitsbedenken, die die Stadt München zu dieser Entscheidung bewegt haben. „Die Kombination aus enger Bebauung, dicht gedrängt stehenden Menschen, Alkohol und Pyrotechnik führte dazu, dass man sich nicht mehr sicher sein konnte, den Jahreswechsel im Herzen Münchens unbeschadet zu überstehen“, so Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle. Die Polizei bestätigt diese Bedenken. Zu viele Patienten haben in den vergangenen Jahren Krankenhäuser mit einem Hörsturz, Trommelfellriss oder Augenverletzungen aufgesucht. In dichten Menschenmengen wären Feuerwerkskörper sogar quer abgeschossen worden. Die DUH hatte vor Längerem vorgeschlagen, dass die Städte und Gemeinden alternativ auf Laser- oder Lichtshows umsatteln. Diese indes gibt es bisher nur sehr vereinzelt, zum Beispiel in Bad Tölz. In vielen Landkreis-Gemeinden gibt es jeweils ein zen­trales Feuerwerk, um wenigstens den Müll vor den Privathäuser zu reduzieren, indem möglichst viele Menschen dasselbe Spektakel am Himmel genießen. In Haar zum Beispiel können die Bürger zum Sportpark Eglfing kommen und ihre Köpfe gen Himmel recken. Brunn­thal hat sich heuer zum ersten Mal dazu entschieden, möglichst viele Leute anzulocken, indem ab 23.30 Uhr auf dem Freizeitgelände an der Kirchstockacher Straße der Himmel erleuchtet wird. Ebenso kümmert sich in Höhenkirchen-Siegertsbrunn die Feuerwehr am Gemeindestadl an der Egmatinger Straße um ein großes Feuerwerk. Doch wer ein solches Spektakel bietet, muss sich auch um genügend Einsatzkräfte kümmern. Und das Feuerwerk selbst kostet auch Geld, so dass die Wehren um Spenden für die Spektakel bitten. Viele Gemeinden fürchten nur einen großen Aufwand dafür, dass möglicherweise nicht genügend Menschen zusammenkommen, weil sie zu weite Wege gegen Mitternacht zurücklegen müssten. So lehnte zum Beispiel Unterhaching den Antrag auf eine zentrales Feuerwerk ab. Die Gemeinde Kirchheim bietet ihren Bürgern ebenso kein zen­trales Feuerwerk, sondern appelliert, statt viel Geld für Böller und Raketen auszugeben, lieber für die Aktion „Lacher statt Kracher“ zu spenden, die Klinikclowns unterstützt.

Weitere Nachrichten aus der Region finden Sie in unserer Übersicht.

Auch interessant:

Meistgelesen

Bangen um das Neuperlacher Kulturhaus beim Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach
Bangen um das Neuperlacher Kulturhaus beim Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach
Zur Sicherheit eine neue Haltestelle – Sicheren Umstieg von Bus zu Tram in Berg am Laim gefordert
Zur Sicherheit eine neue Haltestelle – Sicheren Umstieg von Bus zu Tram in Berg am Laim gefordert

Kommentare