Sieben Feuerwehrmänner haben ihre Prüfung zum Taucher oder Lehrtaucher abgelegt

Tauchen im Trockenen

Die Taucher der Feuerwehr mussten sich bei ihrer Prüfung verschiedenen Aufgaben stellen.
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Sieben Männer sitzen in einer engen Kapsel. Sie flachsen ein wenig herum, einer hält einen schlabrigen und einer einen zum Platzen gespannten Gummihandschuh in der Hand. Man kann sie durch zwei kleine Bullaugen an den Längsseiten der Kapsel beobachten oder auf dem kleinen Monitor an der Wand. Sie sind unter Kontrolle. Und sie sind 30 Meter tief und trotzdem auf Augenhöhe. Die Männer sitzen in der Druckkammer auf der Wache 5 und erleben ihre erste Schleusung. Ein Schmankerl in ihrer Münchner Prüfungswoche zum Taucher oder Lehrtaucher.

Insgesamt gibt es 15 Taucherstandorte von Feuerwehren in Bayern. Angehende Taucher oder Lehrtaucher können ihre Prüfung aber seit drei Jahren nur in München ablegen. Verantwortlich für diese Abnahme sind die Münchner Lehrtaucher Werner Stock und Hans Niedermaier. Eine Woche lang sehen sie sich an, was die Prüfungsteilnehmer unter Wasser können – im Lehrbecken auf der Wache 5 sowie im See und je nach Wasserlage auch in der Isar. Am Freitag kommt dann der Theorieteil: schriftliche, mündliche und für die angehenden Lehrtaucher auch die praktische Prüfung, also ein Unterricht.

 

Übung im Tauchbecken

„Wir nehmen die Stufe 2 für Taucher ab“, sagt Werner Stock. Diese mittlere Tauchqualifizierung ist in Bayern für Feuerwehrtaucher üblich. Ein Jahr über haben elf der Männer schon 35 Unterrichtseinheiten Theorie gehabt, dazu 20 praktische Stunden sowie 50 Tauchgänge. Die drei angehenden Lehrtaucher haben schon die Qualifikation Taucherstufe 2 und zusätzlich noch den Gruppenführerlehrgang absolviert. „Sie brauchen dazu noch 200 Tauchgänge, eine pädagogische Fortbildung, fünf Einsatzübungen und müssen fünf Unterrichte gehalten haben“, erklärt Stock. Schließlich sollen sie nach der Prüfung die Aus- und Fortbildung an ihrem Standort übernehmen. Das wird gerade in Erlangen heiß ersehnt. Denn hier fehlt ein Lehrtaucher. Und die dortigen Taucher sind das Jahr über nach München gefahren, um die nötigen Fortbildungen ableisten zu können. Die Voraussetzungen für die Prüflinge sind beachtlich, sagt Stock. Schließlich passiert das alles auf freiwilliger Basis und neben dem eigentlichen Beruf. 50 Tauchgänge seien da wirklich viel und schwer zu leisten. „Die Motivation im Kurs ist dementsprechend hoch“, sagt Niedermaier. 

Für die jungen Männer – bisher ist erst einmal eine Frau dabei gewesen – müssen  im Lehrbecken drei Übungen absolvieren, um zu zeigen, dass sie unter Wasser arbeiten können und nicht in Panik geraten:    - aus einem geraden Stück Holz ein möglichst symmetrisches Holzkreuz zimmern – ein Stahlseil mit Hammer und Meißel durchtrennen – die Maske einmal komplett vom Kopf nehmen, wieder aufsetzen und das Wasser abblasen. Im Neoprenanzug warten die Männer auf ihren Einsatz – und tauchen nach dem Sprung ins Wasser nach gut 30 Minuten wieder auf. Dann schwimmt das Holzkreuz an der Oberfläche und sie halten ein Stück Stahl in der Hand. Amboss und Werkzeug lassen sie gleich für den nächsten Mann unten. Am Rand notiert der angehende Lehrtaucher die Tauchzeiten und versucht, den Gesamtüberblick über die Übung zu behalten. Das wird er zukünftig auch mit den Tauchern auf seiner Wache machen. Und über das alles wachen die Münchner Lehrtaucher.

Zusätzlich zu den drei Übungen im Tauchbecken gibt es noch weitere Aufgaben unter Wasser zu erledigen. In einem See findet eine Suchübung statt. Dort müssen die angehenden Taucher auch noch ein Winkeleisen durchtrennen und an einer anderen Stelle wieder anbringen.

An zwei Tagen dürfen die Prüflinge auch noch die Schulbank drücken und ihr theoretisches Wissen zur Tauchmedizin, Tauchphysik und Dienstvorschriften für den Prüfungstag auffrischen.

Ein vielleicht einzigartiges Erlebnis gibt es für die Gäste als Bonbon von der Berufsfeuerwehr dazu: die schon erwähnte Schleusung in der Druckkammer.

Hier können sie den Druckausgleich üben und das Gefühl von Tiefe erleben", sagt Werner Stock. Taucher werden in der Druckkammer normalerweise 18 Meter tief geschleust. Heute geht es für die Männer aber 30 Meter tief. Sie sitzen auf den Patientenplätzen in einer Reihe und warten, was passiert. Je tiefer es geht – beziehungsweise je höher der Luftdruck wird – desto wärmer wird es in der engen Kapsel. Die Stimme wird irgendwann piepsig, und wenn man noch tiefer gehen würde, käme bei dem ein oder anderen auch ein kleiner Tiefenrausch dazu. „Sie haben Tischtennisbälle dabei und Plastikhandschuhe“, sagt Stock. Die Tischtennisbälle drückt es zusammen und den vorab aufgeblasenen Handschuh ebenfalls. Dagegen zerreißt es den bei „30 Meter Tiefe“ aufgelasenen Handschuh beinahe. Denn die Luft dehnt sich natürlich wieder aus, als die sieben Männer langsam wieder Meter für Meter an die „Oberfläche“ geholt werden.

Die Prüfung gehen die Gäste und die Münchner Lehrtaucher locker an. „Die sind gut vorbereitet“, sagt Niedermaier. Durchgefallen sei bisher noch niemand – und diese gute Tradition wurde auch 2013 fortgeführt. pic

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