Die Schäffler: „Aber heit is koid“

Die Schäffler machen auch in Berg am Laim Halt: Am Montag, 23. Januar, sind sie um 10.40 Uhr in der Grundschule an der Grafinger Straße und um 11.20 Uhr in der Grundschule an der Berg-am-Laim-Straße. Am Mittwoch, 25. Januar, tanzen sie ab 14 Uhr vor dem Backhaus an der Baumkirchner Straße 13. Foto: Charly D

Stationen in Berg am Laim

Auch dem Stadtteil Berg am Laim machen die 16 Tänzer mit ihren Buchsbögen und sechs unterschiedlichen Tanzfiguren gleich mehrfach ihre Aufwartung: Am kommenden Montag, 23. Januar, sind sie in zwei Schulen des Stadtteils zu Gast: um 10.40 Uhr treten die in edles Zunfttuch Gewandeten zunächst in der Grundschule an der Grafinger Straße auf. Um 11.20 Uhr folgt dann das Gastspiel in der Grundschule an der Berg-am-Laim-Straße. Wer diese Auftritte verpasst, hat zwei Tage später noch einmal die Gelegenheit im Viertel: am Mittwoch, 25. Januar, ab 14 Uhr formieren sich die Tänzer vor dem Backhaus an der Baumkirchner Straße 13 zum festlichen Reigen. Schäffler-Einblicke Grüne Kappen mit weiß-blauem Flaum, rote Joppen, weiße Westen, Lederschurze und schwarze Kniebundhosen, weiße Kniestrümpfe und schwarze Haferlschuhe – trotz der langen Jahre zwischen den Auftrittszeiten wirkt der Anblick der Schäffler bei ihren alten und jungen „Fans“ vertraut. Die Kostüme aus der Biedermeierzeit sind seit 140 Jahren ebenso nicht verändert worden wie die Art der Auftritte. Seit der Neugründung des Fachvereins 1871 hat sich auch der mehrteilige Tanz bei den Auftritten nicht mehr verändert. „Bei uns ist die mündliche Überlieferung am wichtigsten“, betont Wilhelm Schmid als aktueller Vorsitzender des Fachvereins und Chef des letzten Münchner Schäfflerbetriebs in Personalunion. „Nach den vielwöchigen Proben laden wir alte Schäfflertänzer ein, um mit den Akteuren den letzten Schliff zu erarbeiten“, betont er. Bei den hunderten von Auftritten im engen Zeitkorsett muss dann alles perfekt passen. Geübt wurde auf dem Gelände der Augustiner-Brauerei, welche die Schäffler auch logistisch unterstützt. Apropos Schäffler: unter den verzierten Bögen absolvieren längst nicht mehr nur Angehörige dieser alten Zunft ihre Formationstänze: neben sieben echten Schäfflern agieren längst auch junge Männer aus den verschiedensten Berufen unter den mit reichlich Grün verzierten Buchsbögen. Hauptsache, es klappt vortrefflich und der strengen Tradition wird Genüge getan. Dreihundert Tanzschritte Bis zu dreihundert Tanzschritte bei jeder der sechs Figuren gilt es in harten Trainingseinheiten zu perfektionieren – wenn die Musik beim „Training“ vom Band kommt und nicht wie bei den festlichen Auftritten von der Kapelle. „Nach dem vielen Üben sind die Schäffler gewappnet“, vertraut Schmid den Seinen. Zum alten Schäffler-Lied „Aber heit is koid“ absolvieren sie „Schleifschritt und rechtes Bein hoch, Schleifschritt und linkes Bein hoch“ – im strengen Takt und unabhängig davon, ob ein Meter Schnee liegt oder starker Wind die Buchsbögen schier verbiegt. Mit Begeisterung sind die jungen Männer dabei, um die Menschen zu begeistern. Viele opfern ihren gesamten Jahresurlaub für den Traditionstanz. Wenn dann auch noch die Höhepunkte klappen, der Reifenschwinger seine vollen Schnapsgläser formvollendet im schingenden Holreifen balanciert hat und das dreifache „Hoch“ zugunsten der Gastgeber erklungen ist – dann hat sich der Aufwand einmal mehr für die Schäffler gelohnt. Man sollte sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen. Wer Interesse hat, den herrlichen Tanz vor der eigenen Haus- oder Geschäftstüre auführen zu lassen, der muss immerhin knapp sechshundert Euro berappen – doch das lohnt sich allemal. So pächtig kommen die Schäffler daher, dass auch der Berg am Laimer Bezirksausschuss die gelebte Tradition vor allem seinen jüngeren Stadtteilbürgern näherbringen will – und die beiden Auftritte an den Grundschulen aus dem eigenen Budget-Säckel berappte. Für Schulen oder karitative Einrichtungen machen die „Fassler“ auch einmal Kostenabstriche. „Wir haben die beiden Auftritte zum Komplettpreis von 700 Euro bekommen“, betonte BA-Chef Josef Koch. Für die Mutmacher unter den Buchsbögen ist dieses Geld allemal gut angelegt. Harald Hettich

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