SAP: Perlach droht mehr Verkehr

Die Südanbindung Perlach – welche Vorteile, welche Nachteile bringt die Realisierung der Straßenverbindung von der Unterhachinger- zur Carl-Wery-Straße? Ein wenig Aufklärung bringt jetzt eine Verkehrsuntersuchung im Auftrag der Gemeinde Neubiberg. Zwar wird hier nur das Unterbiberger Gebiet betrachtet, doch gewisse Auswirkungen auf Perlach sind dennoch herauszulesen.

Eine komplette Südanbindung Perlach (SAP) von der Unterhachinger- bis zur Carl-Wery-Straße brächte eine gleichmäßige Abnahme der Verkehrsbelastung in Gesamt-Unterbiberg. Die höchste Entlastung gäbe es im Bereich des Vivamus-Wohngebiets. Dort hätte man dann täglich um bis zu 3600 Fahrten weniger. Zusätzlicher Verkehr Die neue Straße würde im Gegenzug aber auch massiv zusätzlichen Verkehr, darunter nicht unerheblichen Schwerverkehr, anziehen. So müssten die Anwohner von Unterbiberg und Neuperlach-Süd mit den Auswirkungen von täglich rund 16.000 Fahrten im Westteil und rund 12.500 Fahrten im Ostteil der SAP leben. Auf dem Weg dazwischen biegt ein Teil der Fahrten ins Perlacher Gewerbegebiet und zur Bundeswehruniversität ab bzw. ein. Laut Studie sind dies beim Gewerbegebiet Perlach etwa 3000 Fahrten täglich. Eine Alternative wäre ein so genannter Stummelanschluss, also eine Kurz-SAP, die zum einen das Gewerbegebiet in Perlach, zum anderen die Bundesuniversität anbinden würde. Die Verkehrsuntersuchung zeigt zu dieser Variante zwei Möglichkeiten auf – einmal mit Tempo 30 und einmal mit Tempo 50 auf der Lilienthalstraße. Das Fazit: Auch eine reine West-SAP brächte eine deutliche Entlastung für das Unterbiberger Wohngebiet Vivamus. Hier gäbe es pro Tag zwischen 3700 und 4400 Fahrten weniger – je nach Variante. Allerdings hätte ohne östliches SAP-Teilstück die Lilienthalstraße aufgrund der besseren Anbindung über die daran anschließende West-SAP eine Zunahme des Tagesverkehrs – von rund 1100 bis 2800 Fahrten (wieder je nach Tempo-Beschränkung). Die Variante mit Tempo 30 kommt hier deutlich besser weg. Mit dieser Geschwindigkeitsbegrenzung wird die Strecke einfach unattraktiver als mit Tempo 50. Die Entlastung für das westliche Unterbiberger Gebiet fällt bei der Komplett-SAP sogar etwas geringer aus als bei der Realisierung der reinen West-Varianten. Dies erklärt sich laut Untersuchungsbüro aus der deutlich höheren Belastung der Komplett-Südanbindung, die damit auch wieder Fahrten auf die Unterbiberger Straßen verdrängen würde. Im Kurztext: Je mehr Autos auf der Südanbindung fahren, desto mehr Autofahrer suchen sich wieder einen Schleichweg durch Unterbiberg. Zudem bedeutet eine komplette Spange auch eine deutlich höhere Verkehrsbelastung an den SAP-Knotenpunkten an der Unterhachinger- und an der Carl-Wery-Straße. Die Knoten könnten laut Untersuchung diese Mengen jedoch weiterhin leistungsfähig abwickeln, allerdings müssten an der Carl-Wery-Straße eventuell zu Spitzenzeiten die Umlaufzeiten der Ampel geändert werden. Ob komplett oder als Stummel – die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass die Südanbindung Perlach eine äußerst attraktive Anbindung wäre, welche die durch das Gebiet fließenden Verkehrsmengen erhöhen würde. Der Westen Unterbibergs, vor allem das Wohngebiet Vivamus, würde mehr profitieren von einer Entlastung. Auf den Osten käme, vor allem bei der Stummel-Variante, eine deutliche Steigerung der Verkehrsmengen zu. Welche Auswirkungen all diese Szenarien auf Perlach hätten, ist in der in Neubiberg vorgestellten Untersuchung nicht explizit aufgeführt. Doch die Untersuchung gibt in den verschiedenen Planfällen auch die Verkehrsmengen auf den anschließenden Straßen an und so lässt sich hier bei genauerem Hinschauen denn doch eine Tendenz für die Unterhachinger- und die Carl-Wery-Straße ablesen. Beide Straßen wären in Prognose-Nullfall für das Jahr 2020 tatsächlich ohne SAP – in welcher Form auch immer – am besten dran. Die Unterhachinger Straße wäre nach den Berechnungen in bzw. aus Perlach im Jahr 2020 mit täglich 14.200 Fahrten (heute 10.500 Fahrten) belastet. Mit Gesamt-SAP prognostiziert die vorliegende Untersuchung noch mal rund 1300 Fahrten mehr, mit Stummel und 30-Stundenkilometer-Beschränkung nur 300 mehr, mit Stummel und 50 Stundenkilometer rund 800 Fahrten mehr. Am anderen Ende der Südanbindung sieht es ähnlich aus. Dort prognostiziert die Untersuchung für die Carl-Wery-Straße eine Verkehrszunahme von aktuell 22.000 Fahrten auf 24.400 Fahrten im Jahr 2020 ohne SAP. Mit SAP kämen täglich noch mal 2600 Fahrten hinzu, mit SAP-Stummel und 30 Stundenkilometern wären es nur 100, mit Stummel und Tempo 50 müssten etwa 600 Fahrten dazu gerechnet werden. Die Neubiberger Gemeinderäte beauftragten deshalb ihre Verwaltung, die Realisierung der SAP als gemeinsames strategisches Projekt mit der Landeshauptstadt München weiterzuverfolgen. Der Bürgermeister bekam den Auftrag, entsprechende Verhandlungen zu Planungs- und Kostenfragen zu führen. Vom Planungsreferat war zu erfahren, dass im Oktober/November eine Vorlage zur SAP und zur Verkehrssituation im Münchner Osten in den Stadtrat kommen soll. Carmen Ick-Dietl

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