Landwirtschaft und Gleichstellung: Zentrale Themen für Bayern und EU

Die Rosenheimerin Maria Noichl tritt bei der Europawahl für die Bayern-SPD an

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Maria Noichl aus Bayern kandidiert erneut für die SPD im Europaparlament, wo sie im Agrar- und im Gleichstellungsausschuss für bessere Förderung der kleinen Höfe und bessere Renten für Frauen kämpft.

Die bayerische Sozialdemokratin Maria Noichl macht sich als Fachfrau für Ernährung für die Themen Landwirtschaft und Gleichstellung der Frauen im Europaparlament stark. Mit HALLO sprach sie über ihren Weg in die Politik.

HALLO: Frau Noichl, wie kam es, dass Sie sich für Politik interessierten? 

Mein Vater war Mitglied in der CSU und Gemeinderat in Aising/Rosenheim. Politik hat immer schon zu unserem Frühstück und Abendessen gehört, wie die Butter oder das Brot. Es war für mich normal, dass er in die Fraktionssitzung ging, oder dass am Wochenende beim Familienspaziergang ein Fußweg ausgemessen wurde. Ich habe politische Entscheidungen ganz praktisch als Entscheidungen für das Gelingen eines Dorfes erlebt. Selbst hat es mich zur SPD gezogen. Dort bin ich am richtigen Platz.

Warum gerade in der SPD? 

Über eine Gruppe aktiver Frauen bin ich zur SPD gekommen. Ein monatlicher Stammtisch der SPD-Frauen in Rosenheim hat neue Themen in mein Leben gebracht. Aus dieser Gruppe heraus wurde ich Mitgründerin des Frauen- und Mädchennotrufs Rosenheim, dessen Vorsitzende ich auch einige Jahre war. Gleichstellungspolitik ist Demokratiepolitik. Hier geht‘s um die wichtigsten Grundwerte: Das Recht, ohne Gewalt zu leben. Das Recht, den Lebensweg auch als Frau selbst zu bestimmen. Das sind keine Randthemen, das sind zentrale Themen für das Zusammenleben Aller.

Wie verlief Ihre politische Karriere? 

Der Weg ist ganz klassisch: Über zehn Jahre war ich Stadträtin der SPD in Rosenheim. Vom Finanzausschuss bis zum Umweltausschuss. Fünf Jahre war ich Mitglied im Bayerischen Landtag. Hier war ich für Agrar und Forst zuständig. Jetzt, seit fünf Jahren, bin ich im Europäischen Parlament und arbeite weiter an Landwirtschaft und Gleichstellung. Zwei Themen, die für Bayern ganz besonders wichtig sind.

Warum sollten die Bürger sich politisch engagieren? 

Als aller erstes – weil es Spaß macht. Mir hat es immer große Befriedigung verschafft, Themen oder Dinge voranzubringen. Sich in der Freizeit für die Gemeinschaft einzusetzen, ist auf verschiedenste Weise möglich. Von der Feuerwehr bis zum Frauennotruf. Wer neben diesen konkreten Aufgaben auch an den Rahmenbedingungen mitarbeiten will, wie beispielsweise Feuerwehren in Zukunft ausgestattet und organisiert werden sollen, muss auf der politischen Ebene mitwirken. Dort spielt die „Rahmen-Musik“!

Inwieweit spielt ihre berufliche Ausbildung in Ihre politische Arbeit mit hinein? 

Ich bin Hauswirtschaftsmeisterin und Fachlehrerin für Ernährung. Darin stecken alle Themengebiete, die ich täglich bearbeite. Die gerechtere Aufteilung der unbezahlten Haus- und Versorgungsarbeit ist ein Schlüssel in Sachen Gleichstellung. Dem Fachgebiet Ernährung müssen wir alle mehr Aufmerksamkeit geben. Hier geht es um die Existenzsicherung unserer Bauernhöfe, um die enkeltaugliche Bewirtschaftung von Böden, den Schutz von Bestäubern bis hin zur nachhaltigen Produktion von Lebensmittel weltweit!

Worin besteht die Hauptarbeit für Mitglieder des Europaparlaments? 

Meine Hauptaufgabe ist es, Mehrheiten zu beschaffen für Themen, die ich wichtig finde. Dies beginnt zuerst in der eigenen deutschen SPD-Gruppe im Europäischen Parlament (EP). Dann in der S&D-Fraktion, der S&D-Mitglieder aus allen 28 Ländern. Erst wenn im „eigenen Stall“ eine Mehrheit gesichert ist, kann das Ringen um den besten Weg mit den anderen Parteien beginnen. Hierbei passiert viel in Einzelgesprächen und Hintergrundtreffen. Mehrheiten zu beschaffen braucht Ausdauer und klaren Willen.

Was ist ihr Hauptanliegen, in welchen Ausschüssen sind Sie? 

Ich bin im Agrarausschuss: Hier kämpfe ich für eine Förderpolitik, die nicht mehr rein die Flächen der Höfe fördert, sondern den klaren Mehrwert für Klima-, Boden-, Wasser- und Tierschutz. Öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen. Hier muss Europa umsteuern und endlich punktgenau fördern. Und was meine Arbeit im Gleichstellungsausschuss betrifft: Es ist eine Schande, dass 30 Prozent der Frauen in Europa keine eigenständige Rente beziehen, sondern nur die abgeleiteten Renten ihrer Männer besitzen. Das muss sich ändern, dafür kämpfe ich!

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit im Europaparlament? 

Mit welchen Parteien arbeiten Sie auf Europäischer Ebene zusammen? Mir gefällt es, immer wieder in den „Schuhen“ der anderen zu gehen. In den „Schuhen“ der Italiener, in den „Schuhen“ der Spanier oder der Polen: Hier geht es um Respekt und Einfühlungsvermögen. Auf europäischer Ebene nennt sich die Fraktion, der die SPD angehört, S&D Fraktion: Die Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialisten und Demokraten. Wir sind in allen 28 Ländern der EU. In Deutschland gehören wir der SPD an, in Österreich der SPÖ, in Großbritannien die Gruppe der Labour.

Was ist Ihrer Ansicht nach die europäische Aufgabe ihrer Partei? 

Derzeit ist der Schwerpunkt Europas leider im wirtschaftlichen Bereich. Es geht vielen nur um den gemeinsamen Markt. Uns als S&D Fraktion geht es um faire Spielregeln im gemeinsamen Markt. Dazu gehören die Arbeitnehmerrechte ebenso wie eine gerechte Steuerpolitik für internationale Konzerne. Nur wenn endlich das Spielfeld, die Spielregeln und der Schiedsrichter deutlich erkennbar sind, bringt ein gemeinsamer Markt wirklich Mehrwert für alle. Das ist eines der Hauptziele der S&D.

Dazu kommt Abrüstungs- und Friedenspolitik, der Schutz des Planeten und eine Afrikapolitik, die nicht ausbeutet, sondern die Entwicklung in Afrika ehrlich unterstützt.

Die Ergebnisse bei der letzten Wahl waren 27 Sitze von 96 aus Deutschland. Die Entwicklung über die Jahre war steigend. Wie ist Ihre Prognose für diese Europawahl? 

Wir Sozialdemokraten kämpfen am 26. Mai für viele Stimmen, aber wir kämpfen natürlich auch mit gewaltigem Gegenwind. Doch wir lassen uns diesen Traum Europa, diese Aufgabe und dieses Versprechen nicht wegnehmen. Wir haben unsere klare Position und hoffen, dass uns am 26. Mai viele folgen. Europa ist die Antwort! 

Interview: Claudia Engmann

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