Rochus und Sebastian sind zurück

St. Rochus und St. Sebastian sind frisch restauriert wieder zu Hause in St. Michael Berg am Laim.

Andreas Faistenberger hat die Figuren des hl. Sebastian und des hl. Rochus 1696 bis 1697 ursprünglich für die Herzogspitalkirche in München geschaffen. 1881 wurden die beiden Figuren dann vom Konvent für St. Michael erworben. Die Skulpturen „Hl. Rochus“ und „Hl. Sebastian“ von Faistenberger wurden 2010 bis 2011 umfassend konserviert und restauriert. Vorausgegangen war eine Befunduntersuchung, bei der ermittelt wurde, wie die Figuren ursprünglich gestaltet gewesen waren, wie sie im Laufe ihrer Geschichte verändert worden waren, und welche Schäden heute zu verzeichnen sind. Auf der Grundlage der Ergebnisse wurde ein Konzept zur Restaurierung erstellt. 1881, im Zuge des Erwerbs und der Aufstellung in der Kirche, wurden sie vermutlich restauriert. Dabei wurde die gesamte Oberfläche (Fassung) neu gestaltet. Die entstehungszeitliche Fassung wurde zuvor bis auf kleine Reste entfernt. Im 20. Jahrhundert wurden die beiden Figuren erneut restauriert. Bei dieser Restaurierung wurden zum einen Schäden ausgebessert, zum anderen aber wurde die Fassung von 1881 großflächig übermalt, teilweise überfasst und dabei an den Gewändern auch umgestaltet. Zusätzlich wurde ein verdunkelnder Patina-Überzug auf die gesamte Oberfläche der Figuren aufgetragen. Im Laufe der Alterung waren die flächigen Übermalungen des 20. Jahrhunderts fleckig verdunkelt, Lockerungen in den Fassungsschichten waren aufgetreten. Das Erscheinungsbild der Skulpturen war insgesamt unbefriedigend, sie waren konservatorisch gefährdet. Aktuelle Restaurierung Mit der jetzigen Restaurierung wurde angestrebt, die Figuren nicht nur in ihrer Substanz langfristig zu erhalten, sondern darüber hinaus auch ihr Erscheinungsbild zu verbessern. Ziel war es, die verdunkelten Überzüge, Übermalungen und Teilüberfassungen der letzten Restaurierung abzunehmen und die qualitätvolle, differenzierte Fassung vom Ende des 19. Jahrhunderts freizulegen. Im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens wurden die Restaurierungswerkstätten Rolf-Gerhard Ernst mit der Konservierung und Restaurierung der beiden Figuren beauftragt. Schrittweise wurde die Fassung des 19. Jahrhunderts freigelegt. Lockerungen und Ablösungen der freigelegten Fassung wurden gefestigt und stabilisiert. Fehlstellen, die zutage traten, wurden passgenau verkittet und mit Retuschen in die freigelegte Oberfläche integriert. Auf Übermalungen und erneute Überfassungen konnte so verzichtet werden. Angestrebt wurde ein geschlossener Oberflächenzustand, bei dem aber auch Spuren einer homogenen Alterung berücksichtigt wurden. Insgesamt konnte mit den Restaurierungsarbeiten der künstlerisch hoch bedeutenden Figuren ein ihnen angemessenes, würdiges Erscheinungsbild zurückverliehen werden. Sie sind die ältesten und mit die wertvollsten Figuren in der Kirche St. Michael. In den neu freigelegten Nischen in der Vorhalle der Kirche haben sie nun, ihrer Wertigkeit angemessen, einen herausragenden würdigen Platz bekommen. Die Pfarrgemeinde St. Michael bedankt sich in besonderer Weise bei Restauratorin Ulrike Merz, die federführend mit ihrem Team die Restaurierung mit Können und Sachverstand, mit Liebe zum Detail, behutsam und mit Respekt vor dem großen Künstler Faistenberger vorgenommen hat. Der Dank der Pfarrgemeinde gilt auch Ordinariatsrat/Kunstreferent Dr. Norbert Jocher, der die Restaurierungsmaßnahmen von Anfang an künstlerisch begleitet hat. Die Legende des hl. Rochus Der hl. Rochus starb am 16. August 1327 bei Voghera, er ist ein Heiliger der Katholischen Kirche, der der Legende nach auf der Pilgerfahrt nach Rom vielen Pestkranken half. Vieles in seinem Leben gilt als Legende. Rochus wurde als Sohn reicher Eltern in Montpellier geboren. Nachdem er mit 20 Jahren seine Eltern verloren hatte, verschenkte er sein Vermögen und trat in den Dritten Orden des hl. Franz von Assisi ein. Als er 1317 nach Rom pilgerte, half er unterwegs bei der Pflege von Pestkranken. Diese soll er nur mit Hilfe des Kreuzzeichens wundersam geheilt haben. In Rom angekommen heilte er weiter, ohne dass er zu Ansehen und Reichtum kam. Als Rochus auf seiner Rückreise in Piacenza 1322 selbst mit der Pest infiziert wurde, wurde er von niemandem gepflegt. Er „empfahl sich Gott“ und ging in eine einsame Holzhütte im Wald. Dort wurde er der Legende nach von einem Engel gepflegt und der Hund eines Junkers brachte ihm so lange Brot, bis er wieder genesen war und er nach Piacenza zurückgehen konnte, wo er weiter heilte, bis er dort die Pest besiegt hatte. Als er wieder in seine Heimatstadt kam, erkannte ihn aufgrund seiner Verunstaltung durch seine Pesterkrankung niemand und er wurde unter dem Verdacht der Spionage ins Gefängnis geworfen. Rochus dankte Gott für diese Prüfung und brachte geduldig fünf Jahre im Gefängnis zu, bis er starb. Nach seinem Tod erkannte man ihn anhand eines kreuzförmigen Males, das er seit seiner Geburt auf der Brust hatte. Sein Gedenktag ist der 16. August. Der Bildhauer Andreas Faistenberger (Hofbildhauer 1646-1735) zählt zu den erfolgreichsten und beliebtesten Bildhauern des Hoch- bzw. Spätbarocks in Süddeutschland und beherrschte ein beachtliches künstlerisches Repertoire: er arbeitete in Holz, Stein (Marmor, Alabaster) ebenso wie in Elfenbein, verfertigte lebens- und überlebensgroße Plastiken und Reliefs. Seine künstlerische Nachwirkung beschränkt sich im Wesentlichen auf die Vermittlung bzw. Weitergabe seines am antiken Formenkanon orientierten Stils an seine (später selbst oft an Berühmtheit erlangenden) Schüler und Mitarbeiter. Einer seiner bekanntesten Schüler, der es zu Ruhm und Ehre gebracht hat, ist Johann Baptist Straub. Von ihm stammen die Altäre und die komplette figurale Ausstattung von St. Michael Berg am Laim. Faistenbergers langes und produktives Künstlerleben bedingte, dass die Münchner bzw. bayerische Plastik der Barockzeit bis heute hauptsächlich mit seinem Namen verbunden wird. Die beiden Skulpturen Sebastian und Rochus (1696-1697) von Berg am Laim gehören zu seinen herausragenden Schöpfungen, von denen noch weitere Kunstwerke zu nennen sind: Kanzel in der Münchner Theatinerkirche (1686), Statuen in der Münchner Theatinerkirche (Abraham, Isaak ), Unbefleckte Empfängnis Mariä und Sebastiansaltar in der Münchner Frauenkirche, Statuen der vier Kirchenlehrer am Choraltar in der Münchner Kirche St. Peter, Maria Immaculata (Alabasterarbeit von 1709) in der Pfarrkirche von Roding, Arbeiten aus Elfenbein im Bayerischen Nationalmuseum, Verkündigungsrelief am Hochaltar des Münchner Bürgersaals sowie Statuen des hl. Josef und des hl. Andreas in der ehemaligen Karmeliterkirche. Legende des hl. Sebastian Der hl. Sebastian starb um 288 in Rom, er war ein römischer Soldat und wurde zu einem christlichen Märtyrer. Der Legende nach bekannte sich Sebastian, Hauptmann der Prätorianergarde am kaiserlichen Hof, öffentlich zum Christentum, woraufhin Kaiser Diokletian ihn zum Tode verurteilte und von numidischen Bogenschützen erschießen ließ. In dem Glauben, er sei tot, ließ man ihn danach liegen. Sebastian war jedoch nicht tot und wurde von einer frommen Witwe mit dem Namen Irene, die ihn beerdigen wollte, als lebend erkannt und wieder gesund gepflegt. Nach seiner Genesung kehrte er zu Diokletian zurück und bekannte sich erneut zum Christentum. Diokletian befahl daraufhin, ihn mit Keulen im Zirkus zu erschlagen. Seinen Leichnam warf man in die Cloaca Maxima, den städtischen Abflussgraben in der Nähe des Tiber, aus dem er von Christen geborgen wurde. Danach wurde er in den Katakomben beigesetzt. Gedenktag ist der 20. Januar.

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