Riesiger Besucherandrang bei der Braukunst Live! im MVG-Museum

Seele des Bieres neues Leben eingehaucht

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Braumeister Watzlaw Berca von Pilsner Urquell präsentierte stolz seine Kreation direkt aus dem Fass.

Karamell, Malz, Hopfen und sogar fruchtige Noten steigen dem in die Nase, der die Tür zum MVG-Museum in München-Ramersdorf aufstößt. Für drei Tage verwandelte sich die Industriehalle, in der normalerweise alte Züge und Straßenbahnen präsentiert werden, zu „Deutschlands Biermekka No. 1“.

Immer wieder bildeten sich lange Schlangen geduldig wartender Bierfans, um in die heiligen Hallen zu gelangen. Neben rund 100 vertretenen Brauereien mit offiziell rund 450 gelisteten Bieren (tatsächlich gab es rund 750 verschiedene Biere) war der Dachverband der amerikanischen Craft Brewer, die Berufsschule der Brauer, der Verband der Biersommeliers usw. mit von der Partie und insgesamt 7.800 Besucher kamen. „Wir erleben den Moment, in dem der Winterschlaf beendet ist“, bringt es Frank-Michael Böer, Gründer und Veranstalter der Braukunst Live! auf den Punkt. Die deutschen Brauer hätten 50 Jahre lang „gepennt“, doch nun fingen bayerische Brauer an zu experimentieren. „Und das alles auf dem deutschen Reinheitsgebot!“

Experimentierfreudige Brauer

Es wird mit verschiedenen Hopfensorten und mit verschiedenen Lagerverfahren experimentiert. Die Freude am Bierbrauen ist im Ausland  schon viel länger virulent; ­ dort entsteht seit 20/30 Jahren ein Spezialitätenmarkt. Der Veranstalter berichtete vom belgischen Kriek-Bier, in dem auf einen Liter Sud 300 Gramm feinste Sauerkirschen kommen, vom österreichischen Braumeister Axel Kiesbye, der Aromen aus dem Wald verwendet. „Ist das ein Hype“, fragt Bierkenner und -liebhaber Böer ununwunden. „Ich glaube nicht!“ Auf der einen Seite sinken die Bierumsätze von Jahr zu Jahr, auf der anderen ensteht ein Spezialitätenmarkt. Da muss es einen Zusammenhang geben. Wenn es um Spezialitäten geht, war man bei der Braukunst Live! genau richtig. Hier herrschte eine ganz besondere Atmosphäre.

Hier wird degustiert

Bierspezialitäten werden in 100 ml-Gläsern degustiert. Bierkenner und solche, die es werden wollen, stehen mit Brauermeistern einträchtig zusammen, und fachsimpeln über Bier. „In der Vergangenheit war der Markt von Konkurrenz geprägt. Das hat sich gewandelt“, freute sich Böer. Nun gingen die Experten zusammen in Sommelierkurse“.

Max Rauschmann – Mann der ersten Stunde

Ein kleiner Rundgang verschaffte einen Überblick. Zuerst ging es zu Max Rauschmann von der Biermanufactur. „Max Rauschmann ist der Mann der ersten Stunde, der Craft Brewing in Deutschland angestoßen hat“, so Frank-Michael Böer. Noch am Tag der Ernte wird hier ein Bier mit grünem Hopfen gebraut. Gelagert wird es dann in Whisky-Fässern. „Da steckt unglaublich viel Emotionalität drin!“

„Hallodri“ fast ausverkauft

Bei Hofbräu München, übrigens Münchens kleinster Brauerei und von Anfang an Partner der Braukunst Live!, gibt es den eigens hergestellten zweifach gehopften und zweifach gemalzenen „Hallodri“. „Unser Braumeister hat jedes Jahr die Freiheit, sich auszuprobieren“, betont Brauereidirektor Dr. Michael Möller. Heuer schmeckte der „Hallodri“ mehr lieblich nach kräftigem Malz und Karamell, in den vergangenen Jahren war etwas mehr Hopfen (also Bitterstoffe) enthalten. Übrigens gibt es nur zwei Sude vom „Hallodri“. Wenn die weg sind, sind sie weg! Und so war der „Hallodri“ am Schluss auch fast ausverkauft!

Goldene Farbe und Karamell

Als „Pilsner Urquell“, eine Brauerei, die zum SAB Miller-Konzern gehört, das erste Mal an der Braukunst Live! teilnahm, berichtete Böer von negativen Stimmen wie „Jetzt hat der Böer seine Seele verkauft“. Der Veranstalter hebt dagegen sein Verkostungsglas „mit einem unfiltrierten, in Holzfässern gelagerten Bier“, das seinensgleichen sucht. Wie beim kleinen „Craft Brewer“ sei der „Biervirus“ auch bei den Großen des Marktes vorhanden. Pilsner Urquell-Braumeister Watzlaw Berca, Braumeister in der dritten Generation, schwärmt von „der goldenen Farbe und der Karamellnote“.

Weltweit größter Hopfenhändler

Mit besonderem Stolz führte Böer die Besucher zum Stand von Johannn Barth & Sohn aus Nürnberg, dem weltweit größten Hopfenhändler. „Die Seele des Bieres ist der Hopfen!“ So sei der Hopfen eine ganz wesentliche Zutat, um ein Bier zum Blühen zu bringen.

Pralines zur „Porter Weisse“

Zum Schluss gab es eine „Porter Weisse“ bei Schneider Weiße, einem, wenn nicht sogar dem, Weißbierspezialisten. Dass der Biermarkt keineswegs eine reine Männerdomäne ist, bewiese Susanne Hecht, Vertriebschefin bei „Schneider Weisse“, die dieses ganz besondere Porter-Bier kredenzte. Fruchtige Aromen treffen hier auf Röst- und Schockoladennoten – ähnlich einem englischen Porter-Bier. Dazu wurden zwei Pralines gereicht – eine 1001-Nacht- und einen Mokka-Praline. Die Experten waren sich einig – ein Geschmackserlebnis sondersgleichen!

Bodo-Klaus Eidmann

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