Richtfest für Passivhäuser am Piusplatz

Passiv wohnen und aktiv sparen

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Fröhliche Gesichter beim Richtfest der Gewofag (v.li.): Stadtrat Andreas Lotte, Festredner Fritz Winter, Gewofag-Geschäftsführerin Gordona Sommer und Architekt Amandus Sattler.

Die städtische Wohnbaugesellschaft Gewofag ist in der energetischen Zukunft angelangt: In der vergangenen Woche präsentierte die mit 37.000 Wohnungen größte Vermieterin der Stadt ihre ersten beiden Passivhäuser. 

Am Piusplatz in Berg am Laim feierte die Gesellschaft mit Projektbeteiligten, Architekten und Anwohnern Richtfest für zwei energetische Gebäude in einem bisher begrünten Innenhof. 

„Passiv wohnen und aktiv sparen“ lautet dabei das Motto der Gewofag auf ihren neuen energetischen Pfaden. Mittels kompakter Bauweise, guter Dämmung und kontrollierter Lüftung sollen bei den beiden Neubauten die entscheidenden Voraussetzungen für einen geringen Energieverbrauch geschaffen werden. „Verglichen mit einem Haus, das nach der aktuellen Energieeinsparungsverordnung (EnEV) errichtet wurde, können die zukünftigen Mieter durch den hohen Energiestandard des Passivhauses bis zu 60 Prozent der Kosten für Heizung und Warmwasser sparen“, unterstreicht Gewofag-Geschäftsführerin Gordona Sommer die Vorzüge. Das Prinzip der Architekten bei dieser Form des zukunftsträchtigen Bauens müsse es sein, „eine Balance zu finden“, so Sommer. Zum einen müsse die Fassade bestens geschlossen und wärmegedämmt sein, damit die von Geräten und Personen innen erzeugte Wärme auch drin bleibe – zum anderen sollen die am Piusplatz eingesetzten, großen französischen Fenster im Einklang mit großen Balkonen eine Öffnung nach Süden vollziehen, zusätzlich Licht und Wärme anziehen und zudem durch die offene Bauweise „zusätzliche grüne Zimmer kreieren“. Ein ehrgeiziger Anspruch – dessen Umsetzung den Architekten des renommierten Büros Allmann Sattler Wappner „hervorragend gelungen“ sei. 


Die beiden zukunftsträchtigen Gebäude mit jeweils 16 Wohnungen sollen voraussichtlich im Herbst diesen Jahres fertiggestellt sein. 30 Prozent der Wohnungen sollen frei finanziert werden – die restlichen 70 Prozent werden nach dem „München Modell Miete“ gefördert. Im Nordteil der Siedlung am Piusplatz sind im Anschluss an die aktuelle Baumaßnahme zwei weitere Passivhäuser der Gewofag geplant. In das Bauvorhaben, das am Piusplatz kräftig in den Innenhöfen nachverdichtet und dabei Bestandsbauten aus den 1930er Jahren ergänzt, investiert der städtische Konzern nach eigenen Angaben rund 7,4 Millionen Euro. Mit der laut Sommer  „behutsamen Nachverdichtung“ wolle man seitens der Gewofag aber noch ein weiteres wichtiges Zeichen am Piusplatz setzen: „Bisher gab es hier vor allem Ein- und Zweizimmerwohnungen“, so die Geschäftsführerin. „Jetzt wollen wir bei den Neubauten mit familiengerechten Strukturen aufwarten und dadurch gerade auch den Zuzug junger Familien ermöglichen“. Das Quartier solle so „lebendig und liebenswert gestaltet werden“. Freilich auch mit Fokussierung anderer Gruppen: durch den behindertengerechten Ausbau sollen auch Senioren hier ihren Lebensabend verbringen können. Ein bunter Mix der Generationen und gesellschaftlichen Gruppen in energetisch zukunftsträchtigem Ambiente: das Credo der Gewofag klingt kreativ. Dafür will man auch im direkten Wohnumfeld einen Stützpunkt von „Wohnen im Viertel“ mit einem ambulanten Pflegedienst „rund um die Uhr“ schaffen. Eine Kindertagesstätte und ein Mütterzentrum vervollkommnen das Angebot. Mit ihrer Konzeptionierung scheint das Wohnbauunternehmen so falsch nicht zu liegen. Bereits vor zwei Jahren hatte die Gewofag für ihre Quartiersentwicklung in Berg am Laim den Bundespreis „Soziale Stadt 2010“ erhalten. „Selbstverpflichtung auf energetischem  Neuland“ so Sommer setze man hier um. Mit Lob sparte dabei auch SPD-Stadtrat und Gewofag-Aufsichtsrat Andreas Lotte nicht – der stellvertretend für Oberbürgermeister Christian Ude die Bedeutung des Vorzeige-Bauprojekts unterstrich: „Die Gewofag hat eine Idee, wie Zukunft aussieht – und gestaltet diese.“ Zumindest am Piusplatz ist das deutlich zu sehen.

Harald Hettich

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